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Die beiden Älpler Claudia und Michael Herz mit ihrem ersten Enkel Michael.

 

Foto: Michaela Schneider

 

Als ein verstrubbeltes Kälbchen aus dem Bach krabbelte

Claudia und Michael Herz verbringen heuer den 30. Sommer
auf der Alpe Zunkleiten im Bolgental, mitten im Naturpark Nagelfluhkette

 

Von Michaela Schneider

 

Bolsterlang/Oberallgäu Baby Michael war gerade sechs Tage jung, als der kleine Bub mit der Mama auf der Alpe Zunkleiten eintraf. Für die frisch gebackene Eltern Claudia und Michael Herz war 1984 damals der erste Sommer überhaupt auf der Alpe. Heuer feiern die zwei Oberallgäuer ihren 30. Alpsommer. Die Alpe Zunkleiten liegt wunderbar eingebettet im idyllischen Bolgental, dieses gehört zur Oberallgäuer Gemeinde Bolsterlang und befindet sich mitten im Gebiet des grenzüberschreitenden Naturparks Nagelfluhkette. Erreichbar ist sie über den Bolsterlanger Ortsteil Sonderdorf, aber auch über das vor allem als Skigebiet bekannte Grasgehren wie auch vom Gebiet der Hörnerbahn aus. Und mancher Besucher hat mit der so genannten „Hörnertour“ eine der ältesten Traditionswanderung im Allgäu hinter sich, wenn er auf der Alpe Zunkleiten eintrifft.

 

Aber zurück ins Jahr 1984. Neben Säugling Michael  waren damals 211 Rinder, darunter fünf Milchkühe, zu versorgen. „Wir stammten beide aus der Landwirtschaft und waren den Umgang mit Tieren gewohnt“, sagt Michael Herz, eigentlich ein gelernter Kfz-Mechaniker. Seine Frau ergänzt: „Wir waren damals jung, da hat man gar nicht darüber nachgedacht, was alles auf einen zukommt – und das war gut so.“ Anfangs wollten die beiden auf der Alpe bleiben, bis die Kinder zur Schule kommen – doch aus wenigen Jahren sind inzwischen 30 geworden. Die Mutter fuhr die beiden Söhne und die Tochter morgens zur Schule ins Tal, der Opa brachte sie mittags wieder zurück auf den Berg. Während der Schulzeit im Tal bei den Großeltern zu bleiben, sei für die Kinder keine Option gewesen – auch sie zogen die Tiere und die traumhafte Natur des Bolgentals im Sommer dem Dorfleben vor.

 

Sommer für Sommer verbringt die Familie auf der Alpe, heuer mit 190 Stück Vieh, darunter 41 Kälber und drei Milchkühe auf 119 Hektar Weidefläche. Hinzu kommen 54 Hektar Wald. Ein anderes Leben können sich die heute dreifachen Eltern kaum mehr vorstellen. „Wir vermissen nichts. Statt Fernseher und Computer steht das Familienleben im Vordergrund, es wird viel gespielt“, erzählt Claudia Herz. Zwar sind die drei Kinder inzwischen erwachsen, doch kommen sie mehrfach pro Woche auf die Alpe zu Besuch. Der älteste Sohn, Michael, ist inzwischen selbst Vater und fährt fast jeden Tag mit seinem Söhnchen ins Bolgental. Beim ersten Besuch bei den Großeltern auf 1172 Metern Höhe war der inzwischen knapp einjährige Bub übrigens, wie einst der Papa, gerade einmal sechs Tage jung.

 

Bis 1966 war die mehr als 200 Jahre alte Alpe Zunkleiten Sennalpe – zuletzt mit 72 Milchkühen. Heute macht die Familie Herz nur noch Butter für den eigenen Bedarf. Die Genossenschaftsalpe befindet sich im Besitz von 23 Eigentümern, noch sieben haben eigenes Vieh. Dieses macht etwa die Hälfte der Tiere auf der Alpe aus, der Rest stamme von den „Unterländern“, erzählt Michael Herz, heißt: von Betrieben aus dem nördlicheren Oberallgäu.

 

Wie aber hat sich das Älplerleben im Laufe von 30 Jahren verändert? Die Straße zur Alpe war damals noch nicht so gut, auch  macht das Handy heute manche Fahrt ins Tal unnötig. „Und es ist schon irgendwie gut, wenn man im Stall auf den Lichtschalter drücken kann, wenn nachts bei den Kälbchen etwas nicht in Ordnung ist“, ergänzt Michael. Die Arbeit selbst und der Tagesablauf haben sich indes kaum gewandelt. Zweimal am Tag melkt der Älpler seine Milchkühe per Hand, versorgt die Kälber, schaut, ob beim Jungvieh auf der Weide alles in Ordnung ist, kontrolliert Brunnen und Zäune, gibt Salz aus, mäht Unkraut und macht Holz. Um 5 Uhr aufstehen und vor 20 Uhr kein Feierabend, sei ganz normal – doch das störe ihn nicht weiter, sagt Michael Herz.

 

Am wichtigsten ist für ihn stets, dass es seinen Tieren gut geht. Und so hat sich für ihn ein Ereignis während der vergangenen 30 Jahre besonders tief ins Gedächtnis gebrannt. Die Bolgenach hatte sich damals während eines Unwetters innerhalb kurzer Zeit in einen tosenden Fluss verwandelt. Claudia musste beobachten, wie die Fluten ein Kälbchen mitrissen. Michael machte sich - ohne große Hoffnung - auf die Suche nach dem Tierchen. Umso größer waren Überraschung und Freude, als ein ganzes Stück weiter aus dem Bach plötzlich ein verstrubbeltes, fast unbeschadetes Kälbchen krabbelte.

 

Während Michael Herz die Tiere versorgt, backt seine Claudia Kuchen und kümmert sich um die Bewirtung der Gäste. Hier übrigens beobachtet das Ehepaar Herz den größten Unterschied zu früher: „Einst genügte ein belegtes Käsebrot auf einem Brettchen, nicht einmal Besteck war nötig“, erzählt Claudia Herz. Heute indes erwarteten Gäste eine Speisekarte mit Kuchen und Kaffee, einer großen Auswahl an Getränken sowie verschiedene Brotzeitplatten. Und das Besteck sollte möglichst hübsch eingerollt in eine Serviette gereicht werden. Für Älplerfamilien bedeute dies mehr Arbeit. Das aber nimmt Claudia Herz gern in Kauf, solange ihre Gäste zufrieden sind.

 

Die Familie Herz bewirtschaftet die Alpe Zunkleiten im Bolgental ab Anfang Mai bis etwa 15. Oktober. Geöffnet ist die ganze Woche über von morgens bis in den Abend. Erreichbar ist die Alpe über gut gepflegte, ausgeschilderte Wanderwege unter anderem von Sonderdorf, von Grasgehren und auch von der Hörnerbahn aus.

Der Artikel wurde im Auftrag der Presse & Kommunikation Saremba GmbH verfasst.