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Ungarische Lebenslust und Wiener Walzer
Mainfranken Theater Würzburg zeigt die Johann-Strauß-Operette „Der Zigeunerbaron“

Von Michaela Schneider
Würzburg
Farbenfrohe Kostüme, herrliche Melodien, ungarische Lebenslust, Wiener Walzer und prächtige Bilder: Mit der Johann-Strauß-Operette „Der Zigeunerbaron“ im Weihnachtsprogramm des Mainfranken Theaters in Würzburg kann auf der einen Seite nicht viel schief gehen. Auf der anderen Seite ist`s gerade eine Herausforderung, einem so beliebten Bühnenklassiker eigenen Schmiss zu geben. In Würzburg gelingt’s. Zwar setzt Intendant Uwe Drechsel auf eine recht klassische Inszenierung, altbacken wirkt sie trotzdem nicht. Statt platter Komik, bringen feiner Witz und liebenswerte Details wie eine Hochzeitstorte in Marzipanschweinchen-Form das Publikum zum Lachen.


Zum ersten Mal mit  eigenem Stück ist im Orchestergraben Würzburgs neuer Kapellmeister Sebastian Beckedorf zu erleben. Bei der Ouvertüre bräuchte es einen Tick mehr Herzblut, um von den schönen Melodien gleich mitgerissen zu werden. Beckedorf erweist sich im Dirigat als sehr geradlinig und verzichtet wohl recht bewusst auf zu pompösen Klang und Schmalz. Damit setzt er einen klaren Kontrast zur prunkvollen Inszenierung. Das Philharmonische Orchester steigert sich im Laufe des Abends und begleitet gut.


Gesanglich dominieren beim Würzburger „Zigeunerbaron“ die Frauen. Den meisten Applaus erhält Alt Sonja Koppelhuber. Sie überzeugt schauspielerisch wie auch gesanglich als buckelige, alte Zigeunerin Czipra. Mit ausholenden Armbewegungen und im wehenden Fetzengewand umgibt sie sich mit einer magisch-unheimlichen Aura; herrlich vor allem ihre warme Gesangsstimme. Zweiter Ensemblestar des Abends ist Karen Leiber als Zigeunermädchen Saffi. Melancholisch und feurig zugleich tönt ihr Zigeunerlied. Und so kann sie beinahe mithalten mit Jeanette Oswald in der Rolle der hübschen Schweinzüchter-Tocher Arsena. Die Sopranistin der Staatsoper Dresden war kurzfristig eingesprungen für die erkrankte Anja Gutgesell. Reizend und mit glockenklarer Leichtigkeit überzeugt sie ohne Wenn und Aber.


Bryan Boyce gibt einen unterhaltsamen Schweinezüchter Zsupán; Paul McNamara als Bárinkay bleibt leider ein wenig farblos – wohl weil die Frauen am Operettenabend derart stark sind. In weiteren Rollen: Ingrid Katzengruber als Erzieherin Mirabella, ein gesanglich angenehmer Daniel Fiolka als Graf Homonay, Maximilian Argmann als Ottokar und Herbert Brand als Páli. Imposant und auf sehr hohem Niveau: der Opernchor des Mainfranken Theaters.


Als reichlich mutig erweist sich Kai Christian Moritz, denn der ist eigentlich Schauspieler, kein Sänger. Zugegeben, seine Passagen klingen eher nach Brecht’scher Dreigroschenoper als nach einer Operette des Walzerkönigs. Doch Reiz hat das, auf ganz eigene Art. Davon abgesehen: Schauspielerisch erweist sich Moritz als eine echte Bereicherung für die Zigeunerbaron-Inszenierung. Mit viel Exzentrik bringt er das Publikum in der Rolle des steifen Kommissars der Sitte Conte Carnero mehr als einmal zum Lachen – nicht nur mit der Angela-Merkel-Raute.


Bühnenbildner Bernd Franke erschafft schöne, unaufdringliche Bilder, um das Publikum in ungarische Dorfidylle, die weite der Puszta, Zigeunerbehausungen und an den Wiener Hof zu entführen. Bewusst hält er die verschiedenen Szenarien in hellen Farben, lässt stattdessen Walter Wiedmaier für stimmungsvolle Lichteffekte sorgen. Da taucht der Mond den Dorfplatz in magisch-nächtliches Blau. Der Schatz lässt die Zigeunerbehausung in Rot-Gold leuchten. Für echte Pracht sorgt Kostümbildner Götz Lanzelot Fischer  mit leuchtenden Zigeunergewändern und hübscher Bauerntracht, pelzbesetzten, tiefblauen Husarenuniformen und höfischen Barockkleidern. Das optische i-Tüpfelchen: die ansprechenden Einlagen der Ballett-Compagnie.  


Fazit: Die Würzburger „Zigeunerbaron“-Inszenierung hält keine großen Überraschungen bereit, das Mainfranken Theater verzichtet auf Experimente und setzt auf Ästhetik. Und das ist gut so. Denn die Strauß-Operette macht ganz einfach Spaß, bringt zum Lachen, ist ein Augenschmaus und lässt manchen Theaterbesucher noch auf dem Nachhauseweg schöne Melodien weitersummen.

     

Dauer: 150 Minuten (mit Pause); nächste Vorstellungen: 14.30 Uhr:  31.12.; 15 Uhr:  01.02./ 08.02.; 19 Uhr:  31.12.; 19.30 Uhr:  20.12./ 10.01./ 14.01./ 16.01./ 28.01./ 12.02./ 20.02./ 27.02./ 02.04./ 30.04./ 15.05.


Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

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Infokasten: Worum es im „Zigeunerbaron“ geht


Die Operettenhandlung basiert auf einer Novelle des ungarischen Schriftstellers Mór Jókai und spielt während der Türkenkriege zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Großgrundbesitzer-Sohn Bárinkay kehrt mit dem königlichen Kommissar Conte Carnero in die ungarische Heimat zurück, um sein Erbe anzutreten. Allerdings hat Schweinezüchter Zsupán die elterlichen Güter längst besetzt. Um einen Konflikt zu vermeiden, will Bárinkay dessen hübsche Tochter Arsena heiraten – die allerdings liebt Ottokar, den Sohn ihrer Erzieherin Mirabella. Nur eine alte Zigeunerin erkennte Bárinkays Rechte an und ernennt ihn zum Zigeunerbaron. Der verliebt sich in die junge Zigeunerin Saffi. Die Beiden heiraten zum Entsetzen des königlichen Sitten-Kommissars. Und es wird noch komplizierter: Saffi träumt in der Brautnacht von einem Schatz, Bárinkay findet diesen. Er entpuppt sich als die verschollene Kriegskasse. Nun tritt auch noch Husar Homonay auf, um Männer für den Krieg anzuwerben. Gleichzeitig stellt sich heraus, dass Saffi eigentlich die Tochter eines türkischen Statthalters ist. Die Männer ziehen in den Krieg. Nach dessen Ende kehren sie zurück nach Wien. Bárinkay wird Baron, erhält das Land seines Vaters und seine Saffi. Arsena darf Ottokar heiraten.