Ich schreibe für Sie!
Guten Tag!. Journalismus. Schwerpunkte. Pressetexte. Fotografie. Schöne Literatur. Veröffentlichungen. Archiv. Kontakt. Michaela Schneider - Freie Journalistin in Würzburg
Hier finden Sie eine Auswahl
an Verlagen und Agenturen,
für die ich schreibe:

Impressum

Meine AGB

Nürnberger Nachrichten

Franken.Das Magazin für Land und Leute

Behinderte Menschen

Porter & Pin

Publik Forum

Oper & Tanz

Die deutsche Bühne

Main-Echo

Opernnetz

Griaß di’ Allgäu

Schönes Schwaben

Journalismus

Pressetexte

Fotografie


Kurzgeschichten

                                          Chroniken


Auf Facebook posten
Auf Twitter posten
Auf Google Lesezeichen posten
Per E-Mail senden

Facettenreiche Diva
Das Schauspiel „Ich Zarah oder das wilde Fleisch der letzten Diva“ feiert am
Mainfranken Theater Würzburg Deutschlandpremiere – Regie führt Intendant Markus Trabusch


Von Michaela Schneider

Würzburg Reichsgemütssirene, Durchhaltesängerin, Diva der Nazis: Die Titel, die man Zarah Leander, dem bestbezahlten weiblichen Filmstar im nationalsozialistischen Deutschland, später gab, sind wenig schmeichelhaft. Gleichzeitig fasziniert die schwedische Sängerin mit der markanten Kontra-Alt-Stimme bis heute. „Manche haben gesagt, die hat sich vor den Karren spannen lassen... dabei habe ich nur von Liebe gesungen“, rechtfertigt sich Zarah – vor der Welt, vor sich selbst. Jetzt feierte das Schauspiel „Ich Zarah oder das wilde Fleisch der letzten Diva“ mit zahlreichen Liedern am Mainfranken Theater Würzburg in Regie des neuen Theaterintendanten Markus Trabusch Deutschlandpremiere.  


Trabusch hatte seinerzeit auch für die Uraufführung des Schauspiels verantwortlich gezeichnet. Als Intendant des Landestheaters Vorarlberg in Bregenz hatte er 2014 den österreichischen Autor Franzobel gebeten, ein Stück über Zarah Leander zu schreiben, noch im gleichen Jahr feierte es Premiere. Für die Adaption holte er nun mit Tamara Stern als Zarah, Benjamin Bieber als Lazarus, Grit Paulussen als Frau in verschiedenen Rollen und Herbert Schäfer als das männliche Pendant das Bregenzer Schauspielteam eins zu eins nach Würzburg. Verstärkung erhält das kleine Team durch den Mädchenchor der Dommusik Würzburg unter Leitung von Domkantor Alexander Rüth.


Vor allem Tamara Stern glänzt erneut in der Rolle der Zarah Leander, zeichnet einfühlsam ihre verschiedenen Seiten: den schillernden Star auf dem Höhepunkt der Theaterkarriere; die zweifelnde Frau, die fürchtet, das Publikum könne merken, dass sie eine Seifenblase sei; die Diva, die sich ein Leben lang mit trotzig hochgerecktem Kinn in Illusionen flüchtet.  Mit rauchig-tiefer Stimme haucht sie Zweifel in eine hochemotionale Version von „Clowns“. Mit kämpferischem Trotz röhrt sie die Liedzeile „Davon geht die Welt nicht unter“. Und zarte Zerbrechlichkeit schwingt mit, wenn sie „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen“ singt. Die Musiker Marco Netzbandt (Klavier und Akkordeon), Ralf Brösamle (Violine), Lorenz Huber (Kontrabass) und Tobias Schirmer (Schlagzeug) begleiten direkt auf der Bühne, in intimer, anrührender Atmosphäre.

Zu dieser trägt auch das Bühnenbild von Isabelle Kittner bei. Ein Holzsteg reicht ins Publikum hinein, hinten auf der Bühne ragt eine rote Treppe in die Höhe. Das ermöglicht optisch den ständigen Wechsel zwischen der Nähe zum Menschen Zarah Leander und der Diva. Für deren schillernde Kostüme zeichnet Katharina-Marie Diebel verantwortlich.


Im Zentrum der Geschichte steht Lazarus, das namentliche Synonym für eine Wiederbelebung – und ein Stück weit die kritisch hinterfragende Stimme des Publikums. Lazarus begegnet Zarah Leander in verschiedenen Stadien ihres Lebens: der längst verstorbenen Sängerin, der jungen Schwedin, die nach Ruhm und Erfolg strebt, dem aufleuchtenden Stern in Wien, der „Reichsgemütssirene“ im nationalsozialistischen Deutschland, der gealterte Diva, die sich selbst am Lebensende im Angesicht des Todes noch gegen den Vorwurf wehrt, eine Mitläuferin gewesen zu sein.


Die Gefahr besteht bei einem Stoff wie diesem, dass die Geschichte hübsch angereichert mit Leander-Hits entweder in die seichte Revue abgleitet oder aber sich zur moralischen Anklage entwickelt. Doch nichts davon geschieht. Franzobels Textvorlage kombiniert mit Trabuschs Inszenierung bietet mit humorigen Seiten, starken Charakteren und den richtigen, kritischen Fragen, was es für einen guten Plot braucht. Die Kernfrage des Schauspiels - wer war die Leander wirklich? - bleibt bewusst unbeantwortet. War sie tatsächlich eine „politische Idiotin“? Oder aber war sie Karrieristin, die über Leichen ging? Das darf der Zuschauer für sich beantworten – oder auch unbeantwortet lassen.


168 Vorhänge, wie sie Zarah Leander seinerzeit auf dem Höhepunkt ihrer Karriere in Wien erlebte, sind es nicht – doch das Publikum applaudiert lang für eine überaus gelungene Deutschlandpremiere des Schauspiels „Ich Zarah oder das wilde Fleisch der letzten Diva“. Immer wieder darf eine strahlende Tamara Stern ihre Mitstreiter auf die Bühne holen.


Dauer: 160 Minuten (eine Pause); weitere Vorstellungen: 14.30 Uhr:  31.12.; 15 Uhr:  23.10.; 19 Uhr: 31.12.; 19.30 Uhr:  08.10./ 15.10./ 30.10./ 09.11./ 24.11./ 30.11./ 09.12./ 16.12./ 07.01./ 10.01.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.