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Im Wunderland der Fantasie
Musiktheater  Mit einem Songzyklus nähert sich das Mainfrankentheater in den
Kammerspielen Lewis Carolls Klassiker „Alice in Wonderland“ – Gelungene Uraufführung

 

Von Michaela Schneider

Würzburg Wie Schmetterlinge steigen projektierte Buchstaben auf. Sie umschwirren Alice und verwandeln die kleine, von etlichen Lichtern umleuchtete Bühne in den Kammerspielen des Mainfrankentheaters für 75 Minuten in ein Wunderland aus unbeschwerten Träumen und manchmal auch düsterer Fantasie. Keine Barrieren zwischen Sein und Schein, kreative Verwandlungen und Melodien, die sich in kein Korsett zwängen lassen:  Mit kindlicher Unbeschwertheit nähert sich das Ensemble im Songzyklus „Wunderland“ Lewis Carolls Roman „Alice in Wonderland“. Mal bewegt sich das Bühnenspiel bei der Uraufführung eng an der Romanvorlage, mal schwirren Alexander Jansens Texte im freien Raum. Erst philosophisch, dann wieder bewusst banal. Alles ist erlaubt - schließlich geht es in der Inszenierung von Sabine Sterken um die grenzenlose Macht der Fantasie, die manchmal auch Erwachsene in die Kindheit zurückführt.

Sich in die Kompositionen von Anno Schreier einzuhören ist nicht leicht. Die einen sind harmonisch eingängig, die nächsten passen in kein geläufiges Schema. Es mischen sich Klassisches, Musical und Jazz mit Sprechgesang, Blues-Rock, Psychedelischem und Zwölfton-Kontrapunkt.  Gerade diese bunte musikalische Fantasie macht den Songzyklus aber interessant. Begleitet werden die Sänger unter der musikalischen Leitung von Alexis Agrafiotis von Klarinettistin Verena Hock, Nikola Kerkez am Akkordeon, Hans-Jörg Haasis am Kontrabass und Markus Verna am Schlagzeug.

Herrlich verträumt greift Silke Evers als Alice mit ihrem klaren Sopran gerade die ruhigeren Klänge auf, zum Beispiel bei ihrer gesungenen Suche nach dem „heimlichen Garten“. Bariton Daniel Fiolka glänzt nicht nur gesanglich, sondern bringt das Publikum mehrfach zum Lachen in seinen wechselnden Rollen – zum Beispiel als Raupe im Drogenrausch.  Solo-Höhepunkt der Mezzosopranistin Sonja Koppelhuber: ihr jazziger Auftritt als Grinsekatze. Sehr ansprechend ausgewogen zudem: die gemeinsamen Lieder der drei Sänger.

 

Volle Arbeit hat im Kammerspiele-Wunderland Bühnen- und Kostümbildner Martin Rupprecht geleistet, ergänzt um bereichernde Videoinstallationen von Timm Burkhardt. Wie lässt man auf einer kleinen Bühne ein Mädchen in Minuten schrumpfen und zur Riesin werden? Rupprecht findet schlichte wie originelle Lösungen. Kostüme und Requisite verwandeln sich in Sekunden. Wie Alice‘ Fantasiewelt ist manches nicht, wie es auf den ersten Blick scheint, aus einem Tunnel wird fließend eine Raupe, das Baby wird zum Schweinchen. Da tummeln sich Maus und Zimmermann, Mexikaner und Walross, Koch und Herzogin. Dideldum und Dideldei erinnern auf Stelzen an Christbäume.  

 

Sonja Koppelhuber und Daniel Fiolka tauschen in atemberaubender Geschwindigkeit erstaunliche Kostüme und Charaktere. Natürlich sind auch all jene dabei, die sich aus „Alice im Wunderland“ nicht wegdenken lassen: Weißes Kaninchen, Märzhase und Hutmacher, Raupe und Grinsekatze. Vor allem letztere begeistert in der Umsetzung: Das Grinsekatzengesicht auf einen Schirm gemalt, tanzt Sonja Koppelhuber über die Bühne und verwandelt die Romangestalt in ein wirbelndes Mysterium.

 

Dem Mainfrankentheater ist eine ungewöhnliche, ab und an auch ein wenig skurrile, vor allem aber  höchstkreative Uraufführung gelungen. Szenen die zum Schmunzeln und Staunen anregen, in Theaterbesuchern grenzenlose Kindheitsfantasien wecken und dem kleinen Ensemble im Anschluss viel Applaus bescheren.

 

Dauer: 75 Minuten (ohne Pause); nächste Vorstellungen 17 Uhr: 19.05./ 30.06.; 20 Uhr: 18.04./ 27.04./ 04.05./ 25.05./ 31.05./ 15.06

 

 

Der Artikel ist im Main-Echo erschienen.

Infokasten: Ausstellung zur Uraufführung

 

In Kooperation mit dem Mainfrankentheater hat der Berufsverband Bildender Künstler eine Ausstellung zum Thema „Wunderland“ organisiert. 14 Künstler zeigen bis einschließlich 12. Mai im Künstlerhaus im Kulturspeicher Arbeiten zum Thema „Wunderland“ in Anlehnung an Lewis Carolls Roman „Alice in Wonderland“.