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Autodidakt mit Liebe zum Detail
Sonderausstellung „Kleine(e)Plastik von Johann Benedikt Witz
(2709 – 1780)“ bis Mitte Juni im Mainfränkische Museum in Würzburg


Von Michaela Schneider
Würzburg
Große Christusfiguren wurden seinerzeit am Karfreitag in den Kirchen zu Grabe getragen, um für die Gläubigen die Passion zu veranschaulichen. Gleichzeitig bewahrten die Menschen früher in den Haushalten Kleinplastiken von verwesenden Leichnamen oder menschlichen Skeletten in Miniatursargen auf, um die eigene Vergänglichkeit anzumahnen und vor dem allgegenwärtigen Tod zu warnen. Vom „Tödlein“ war dabei die Rede. Zwei Traditionen, die der unterfränkische Künstler Johann Benedikt Witz (1709 – 1780) seinerzeit vereinte: Ein kleiner Grabchristus aus Obstbaumholz liegt im 24 Zentimeter langen Miniatursarg aus Linde. 2015 gelang es den „Freunden Mainfränkischer Kunst e.V.“ den „Grabchristus mit Sarkophag“ fürs Mainfränkische Museum zu erwerben. Und dieses nahm die Schenkung als Anlass, die Sonderausstellung „Kleine(e)Plastik von Johann Benedikt Witz“ auf die Beine zu stellen und nun – passend zum Gedenken an die Passion Christi – in der Karwoche zu eröffnen. Zu sehen ist sie bis Mitte Juni.


Die kleine Sonderschau bildet dabei einen nächsten Baustein in der Ausstellungsreihe „Blicke hinter die Kulissen“. Weil das Museum 2017 in staatliche Trägerschaft übergehen soll, werden derzeit sämtliche Sammlungsbestände in einer Datenbank erfasst. Ein aufwändiger Prozess – der auch dem Museumsteam manche neuen Einblicke und Erkenntnisse ermöglicht. Von Johann Benedikt Witz befinden sich rund 40 Arbeiten im Museumsbesitz, Zweidrittel sind in der Dauerausstellung in der Bozzetti-Sammlung im Museumsraum 11 ständig zu sehen. Aber eben nicht alle – und einige Depotbestände werden nun zusammen mit dem neu erworbenen Grabchristus präsentiert.


Wer aber war eigentlich dieser Johann Benedikt Witz? Das vielleicht Erstaunlichste mit Blick auf seine detailverliebte Schnitzkunst dürfte dabei sein: Witz ist Autodidakt, die meisten Objekte entstehen wohl in seiner Freizeit. Er stammt aus Trappstadt im heutigen Landkreis Rhön-Grabfeld und kommt in einfachen Verhältnissen zur Welt. Vom Vater erlernte er wohl das Schmiedehandwerk. 1728 beginnt er seine Arbeit als Büchsenmeister bei der Artillerie-Kompanie in Königshofen.  1734 tritt er ins Militär ein, wird in Würzburg stationiert und heiratet. Wohnen muss das Paar allerdings in der Ziegeleihütte des Klosters Unterzell, Witz‘ Bittgesuch an den Würzburger Rat um Wohnrecht in der Stadt wird abgelehnt. Wie aus dem Gesuch hervorgeht, will sich Witz wohl einen Lehrmeister für seine berufliche Weiterbildung suchen.

Immerhin wird ihm aber von der fürstbischöflichen Kanzlei erlaubt, „täglich die Stadt (zu) besuchen, und durch einen (…) Lehrmeister sich mehreres unterrichten zu lassen“. Zudem wird ihm eine halbjährige Probezeit für „Hofarbeit“ in der Residenz gewährt. Diese Zeit dürfte geprägt haben – wie übrigens auch eines seiner Schnitzwerke in der Sonderschau belegt: ein Reliquienkreuz mit Selbstbildnis. Johann Benedikt Witz sitzt hier auf einem Geschützrohr, die Körperhaltung wirkt überaus bekannt, denn sie lehnt sich eng ans Balthasar-Neumann-Porträt in Tiepolos Deckenfresko in der Würzburger Residenz an. Über Johann Bendedikt Witz‘ späteren Werdegang weiß man weiter, dass er eine Stelle als Büchsenmeister in Königshofen erhält und nebenberuflich schnitzt, später dann auf eigenen Wunsch in die Artillerie-Kompanie auf der Würzburger Festung versetzt wird. 1780 stirbt er im Militär-Krankenhaus zu Würzburg.


In der Sonderschau im Mainfränkischen Museum befinden sich neben Reliquienkreuzen auch aufwändig gestaltete Kreuzigungsgruppen, die etwa den Erlösungsgedanken aufgreifen: Maria, Johannes und Maria Magdalena stehen unter dem Kreuz. Ein Engel betrauert den Leichnam Christi, der sitzende Adam mit Schlange hält den Apfel – und Satan stürzt kopfüber in die Tiefe. Genau hier liegt der Reiz der auf den ersten Blick überschaubar wirkenden Witz-Ausstellung: Die Kleinbildwerke laden zum Vertiefen ein, weil der Künstler unglaublich detailverliebt und sorgfältigst arbeitete. Vielleicht geschah dies in dem Ausmaß, gerade weil die Kunst Zeit seines Lebens nie Hauptarbeit wurde, sondern Leidenschaft blieb.   

Der Artikel  ist unter anderem in den Fränkischen Nachrichten erschienen.

Grabchristus, Johann Benedikt Witz, Würzburg um 1765, erworben 2015 von den Freunden Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. für das Mainfränkische Museum Würzburg.


Foto: Mainfränkisches Museum Würzburg / Katja Krause

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Infokasten: Über die Sonderausstellung „Kleine(e)Plastik von Johann Benedikt Witz (1709 – 1780)“


Die Sonderausstellung „Kleine(e)Plastik von Johann Benedikt Witz (1709 – 1780)“ ist bis einschließlich 19. Juni im Mainfränkischen Museum Würzburg im Sonderausstellungsraum zu sehen. Weitere Objekte des Künstlers befinden sich in der Dauerausstellung. Zwei Sonderführungen mit Museumsleiterin Dr. Claudia Lichte sind geplant: Sonntag, 17. April, 11 Uhr: „Klein(e) Plastik – Skulpturen im Miniaturformat von Johann Benedikt Witz bis Riemenschneider“ und Sonntag, 1. Mai, 11 Uhr „Werke von Johann Benedikt Witz in der Schausammlung und der Sonderpräsentation“. Geöffnet ist das Museum aktuell Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr und ab 1. April dann bis jeweils 17 Uhr.