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Mit Violinkonzert im Gepäck geflüchtet
Bei „Willkommen mit Musik“ erhalten talentierte Flüchtlingskinder Instrumentalunterricht – Der
Vater des Projekts, Jonas Hermes, plant nun einen Chor und eine Band in der Gemeinschaftsunterkunft


Von Michaela Schneider
Würzburg  
Zwei Jahre hielt Sarah keine Violine in Händen. Der Bürgerkrieg in Syrien hatte ein normales Leben nicht länger ermöglicht, mit ihrer Familie musste die heute 16-Jährige aus der Heimat fliehen. Ein wohl gehüteter Schatz im Gepäck: Noten eines Violinkonzertes von Alexej Janschinow – des letzten Musikstücks, das sie drei Jahre zuvor im Geigenunterricht geübt hatte. Vor elf Monaten erreichte Sarah Deutschland, lebt nun in Würzburg. Nicht im Traum hätte sie gedacht, dass sich ihr Wunsch, wieder zu musizieren, bald schon erfüllen würde. Sarah bekommt nicht nur Musikunterricht, inzwischen besitzt sie sogar eine eigene Geige. Ermöglicht hat dies der 16-Jährigen ein Team aus Musikpädagogen und Profimusikern um den Jazzbassisten Jonas Hermes aus Würzburg. Er nahm kurzfristig ein Freisemester und hob im Herbst 2014 das  Projekt „Willkommen mit Musik“ aus der Taufe.


Dabei begann alles mit einer recht spontanen Aktion. „Ich wollte längst schon in der Flüchtlingshilfe aktiv werden“, erzählt der 34-jährige Musikstudent. Als er im Oktober 2014 las, dass das Würzburger Kloster der Erlöserschwestern künftig als Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung Zirndorf genutzt werden soll, überredete er zwei Kommilitonen zu einem Jazzkonzert für die Flüchtlinge. Ein Erlebnis, das den jungen Mann emotional extrem berührte. „Ein Rechtsanwalt aus Syrien forderte spontan eine der Klosterschwestern zum Tanz auf“, erinnert er sich. Aus einem Konzert wurden viele – Freitag für Freitag trifft sich das Jazztrio  seither im Kloster und spielt dort für bis zu 100 Asylsuchende.


Noch im November richteten die engagierten Musiker zudem ein Musikzimmer im Kloster ein, inzwischen stehen hier regelmäßig elementare Musikpädagogik, gemeinsames Musizieren sowie Percussion auf dem Programm. „Oft singen wir einfache Volkslieder ohne Worte. Später höre ich dann Menschen, die die Melodien summend, durchs Haus laufen“, erzählt Hermes. Der Name ist dabei Programm, dem Jazzmusiker geht es bei dem Projekt in erster Linie darum, Flüchtlingen das Gefühl zu geben, willkommen zu sein. Und er will zeigen, dass in Würzburg eine offene, musikalische Kultur herrscht. Ein kleiner Wermutstropfen für Jonas Hermes war allerdings bei der Arbeit in der Erstaufnahmeeinrichtung: Gearbeitet werden kann hier allein für den Moment, in der Regel verlassen die Flüchtlinge Würzburg bereits nach kurzer Zeit.


Hier kam nun die Würzburger Musikprofessorin Barbara Metzger ins Spiel. Zunächst hatte sie die elementare Musikpädagogik im Kloster betreut, kam dadurch in Kontakt mit der Mönchbergschule – eine Grund- und Mittelschule in Würzburg, deren knapp 250 Schüler aus 35 Nationen stammen. Eine elementare Musikpädagogik wurde im Folgenden für Jungen und Mädchen aus aller Herren Länder auch an der Mönchbergschule etabliert sowie eine Schulband ins Leben gerufen. „Uns fiel auf, dass es in den Klassen echte musikalische Talente gibt, die weder ein Instrument besitzen, noch sich Musikunterricht leisten können“, sagt Jonas Hermes. Seine Erfahrung: Auf vielen der Kinder laste ein ungemeiner Druck, weil sie die Dolmetscher ihrer Familien seien.


„Wir überlegten, wie wir Talente fördern und den Schülern ihr Recht auf Bildung, aber auch auf Kind sein geben können.“ Jonas Hermes und Barbara Metzger gingen auf die Suche, es fanden sich sechs Instrumentallehrer als Mitstreiter sowie verschiedene Sponsoren. Interessierte wurden zum Vorspiel geladen und acht besonders talentierte Schüler für den Unterricht ausgewählt. So wie Sarah aus Syrien. Aufregend sei das gewesen, aber anschließend auch schön, erinnert sich die 16-Jährige. Vor allem ihre Mutter sei unglaublich stolz auf die Tochter gewesen und glücklich, dass sie nun wieder musizieren könne.  Ein- bis eineinhalb Stunden übe sie täglich, erzählt die Schülerin. Und zwar rundum freiwillig. „Manchmal sagt meine Mutter dann, ich soll lieber mehr Deutsch lernen“, sagt Sarah und lacht.


Und tatsächlich macht gerade dies den Unterricht auch für die ehrenamtlichen Musiklehrer wie die Violinistin Anna Mavrommatis zum Geschenk. „Das Musizieren ist nicht Wunsch der Eltern, sondern der Schüler“, sagt die 28-Jährige, fügt an: Einer ihrer Schüler bedanke sich nach jeder einzelnen Unterrichtsstunde. Sie erlebe bei den Kindern und Jugendlichen oft eine intensive Verbindung zu Instrument und Musik sowie große Wertschätzung. Auf die Frage, warum sie das Projekt „Willkommen mit Musik“ unterstütze, zuckt die Musikerin mit den Schultern, sagt, weil`s nun einmal eine gute Sache sei. Nach kurzer Überlegung fügt sie an: „Wenn ich einen Schüler unterrichte, ist es mir egal, wo er herkommt. Kind ist Kind!“


Auch Jonas Hermes sieht in dem Angebot für die jungen Talente weit mehr als den reinen Unterricht: „Die Musik wird zum Übungsfeld in der Gesellschaft.“ Gleichzeitig arbeiten die Kinder im Gespräch mit den Musiklehrern an der deutschen Sprache. Zum Winterbeginn plant der Jazzmusiker nun das erste öffentliche Konzert, sieht darin ganz andere Chancen der Kontaktaufnahme zwischen Asylsuchenden und der Bevölkerung.  „Ich habe in der Integrationsarbeit gemerkt: Um Verständnis zu wecken, braucht es persönliche Kontakte“, sagt er. Ideen, um diese zu ermöglichen, gehen dem 34-Jährigen nicht aus: Im September will er in der Gemeinschaftsunterkunft in Würzburg in der Veitshöchheimer Straße einen Chor und eine Band ins Leben rufen. Instrumente und Equipment finanziere die Privatwirtschaft, noch nicht gelöst sei die Probenraumfrage.


Die 16-jährige Sarah wird ehrenamtlich von der Violinistin Anna Mavrommatis unterrichtet.


Foto: Michaela Schneider


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Der Artikel  ist unter anderem  in den Nürnberger Nachrichten erschienen.

Spenden für „Willkommen mit Musik“


Das Projekt „Willkommen mit Musik“ ist auf die finanzielle Unterstützung von Institutionen, Unternehmen und aus der Bevölkerung angewiesen.  Privatpersonen können unter anderem eine Patenschaft für ein Flüchtlingskind übernehmen, das dann Musikunterricht erhält. Details unter www.wimu.neunerplatz.de



Jonas Hermes rief das Projekt „Willkommen mit Musik“ ins Leben.


Foto: Michaela Schneider