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Arien, Kastraten und vorrevolutionäre Helden
„Alessandro nell‘Indie“ von Baldassare Galuppi schafft es nach mehr als 250 Jahren wieder auf die Bühne – Musikwissenschaftler hat Handschrift erfasst - Premiere am Mainfranken Theater Würzburg


Von Michaela Schneider
Würzburg  
„Alessandro nell‘Indie“ von Baldassare Galuppi? Selbst die meisten Klassikfans dürften mit den Schultern zucken, wenn sie den Namen dieser Oper hören.  Erstaunlich ist`s nicht, denn das Werk war seit mehr als 250 Jahren auf keiner Bühne mehr zu sehen. Im Juni wird sich dies ändern, denn das Mainfranken Theater Würzburg stellt den „Alessandro“ nun zur Diskussion, Premiere feiern wird er am 20. Juni. Maßgeblich ermöglicht hat dies der Musikwissenschaftler Reinhard Wiesend. Der gebürtige Garmisch-Partenkirchner hatte in Würzburg promoviert und ist nun im Ruhestand zurückgekehrt in die Bischofsstadt. Der Verdienst des 69-Jährigen: Von der Oper existierte über Jahrhunderte nur eine Handschrift. Mit einer Kollegin erstellte Wiesend nunmehr  eine Computerversion.


Nach mehr als 250 Jahren ist der „Allesandro nell`Indie“ wieder zu hören. Haben Sie damit gerechnet?

Prof. Dr. Reinhard Wiesend: Ich habe immer gehofft, dass es der „Alessandro“ irgendwann auf eine Bühne schafft. Für mich bedeutet es eine große Befriedigung, dass das, was jahrelang nur auf meinem Schreibtisch existierte, jetzt an die Öffentlichkeit kommt. Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich bei Musikdramaturg Christoph Blitt war und mit ihm über den Alessandro gesprochen habe. Er war interessiert, hat mit Generalmusikdirektor Enrico Calesso gesprochen. Dieser war spontan begeistert, als er das Opernwerk vorgelegt bekam. Vielleicht gelingt es ja nun sogar, durch die Würzburger Inszenierung auch andere Theater auf Baldassare Galuppi aufmerksam zu machen.


Wie kam es eigentlich dazu, dass Sie sich mit dem „Alessandro nell’Indie“ beschäftigt haben?

Wiesend: Mein Doktorvater schlug mir im Zuge meiner Dissertation vor, mich mit Baldassare Galuppis Opern zu beschäftigen. Als ich merkte, dass sein Werk einerseits extrem umfassend,  andererseits völlig unaufgearbeitet ist, beschloss ich, den Fokus vor allem auf ein Werk zu verengen. Für den Alessandro entschied ich mich, weil die musikalische Qualität der Version von 1755 sehr hoch ist. Hinzu kam, dass die Handschrift in der Bayerischen Staatsbibliothek in München liegt. Bereits 1972 begann ich mit ersten Übertragungen. Nach vielen Unterbrechungen infolge der Anforderungen des Universitätsalltags liegt nun endlich die Computerversion der rund 300seitigen Handschrift vor.


Das ist ein langer Zeitraum. Was macht die Erfassung alter Opern denn vor allem schwierig?

Wiesend: Zahlreiche typische Details der damaligen Notation sind heute nicht mehr üblich. Vereinfacht gesagt: Früher wurde sehr ökonomisch notiert, sprich nur das Nötigste. Es war zum Beispiel schlichtweg bekannt, welche  Instrumente Rezitative begleiteten – dafür brauchte es keinen Vermerk. Uns dagegen ist das heute nicht mehr klar. Deshalb mussten meine Kollegin Dr. Birgit Schmidt und ich die Handschrift nicht nur in den Computer übertragen, sondern sehr viele Entscheidungen treffen.   


Warum gerieten Galuppi und auch sein „Alessandro“ in Vergessenheit?

Wiesend: Seinerzeit war Galuppi sehr erfolgreich. Wir können davon ausgehen, dass er rund 70 Opern schrieb. Genau kann man`s nicht sagen, weil Opern in jener Zeit aufgeführt und anschließend neu bearbeitet wurden. Der Übergang zwischen Wiederbearbeitungen und neuen Werken war fließend. Aber zurück zur Frage. Ein Grund, dass die Opern in Vergessenheit gerieten war, dass viele Werke von vornherein nur einmal aufgeführt wurden und die Handschrift dann, salopp gesagt, im Papierkorb landete.


Der „Alessandro“ aber anscheinend nicht…

Wiesend: Dass es vom „Alessandro nell’Indie“ heute noch eine Handschrift gibt, liegt daran, dass die Oper 1755 nicht nur in Venedig, sondern kurz darauf auch in München aufgeführt  wurde. Die Münchner hatten deshalb eine Kopie aus Venedig angefordert – und diese liegt dort heute noch in der Staatsbibliothek. Wir tun uns heute aber übrigens auch sowohl mit dem sehr eigenen Stil der Galuppi-Opern, als auch mit den Stoffen der opera seria schwer.


Was ist denn so eigen am Stil  des „Alessandro nell’Indie“?

Wiesend:  Den Komponisten ging es damals vor allem um eine optimale Präsentation der Sänger deshalb bestehen die Opern jener Zeit aus einer Aneinanderreihung von Arien. Das ist für uns heute ungewohnt und setzt viel Verständnis beim Publikum voraus. Die Arien handeln dabei Affekte ab wie Hass, Liebe oder Verzweiflung.  Die Dramaturgie der Einzelarien setzt zudem hohes sängerisches Potenzial voraus – zumal für die führenden Rollen meist Kastraten vorgesehen waren. Das macht Kürzungen heute zwangsläufig nötig. Der König Poros zum Beispiel wird wohl von einem Countertenor  gesungen werden, die Rolle setzt sehr große Virtuosität voraus.


Und warum tun wir uns heute mit den Stoffen der opera seria schwer?

Wiesend: Zunächst einmal diente die Handlung seinerzeit bei aller Qualität des Librettos tatsächlich dazu schöne Arien zu präsentieren. Hinzu kommt: Diese Opern wurden im vorrevolutionären Milieu verfasst. Im Zentrum steht die Darstellung einer adeligen Gesellschaft mit ihren heroischen Figuren .Am Ende stellt der Fürst – in diesem Fall Alexander der Große während seines Eroberungszugs im fernen Indien - die Ordnung wieder her und verzeiht allen. Auf der einen Seite ist diese Sicht heute  nicht mehr zeitgemäß, auf der anderen Seite ist es umso spannender auszuloten, was diese Themen doch noch mit der heutigen Zeit zu tun haben. Ich bin gespannt, wie das Mainfranken Theater an den Stoff herangeht.


Zu sehen ist Baldassare Galuppis Oper „Alessandro nell’Indie“ im Mainfranken Theater Würzburg jeweils um 19.30 Uhr an folgenden Terminen: 20. und 26. Juni sowie 1. und 14. Juli  sowie nach der Sommerpause ab September. 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn findet im oberen Foyer jeweils eine Stückeinführung statt.

Professor Dr. Reinhard Wiesend ist es mit zu verdanken, dass Galuppis „Alessandro nell’Indie“ nach mehr als 250 Jahren wieder in einem Theater zu sehen ist.


Foto: Michaela Schneider


Reproduktion: © Sammlung Prinzhorn, Universitätsklinikum Heidelberg


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Der Artikel  ist unter anderem  im Main Echo erschienen.

Infokasten: Der Komponist Baldassare Galuppi


Der venezianische Komponist Baldassare Galuppi lebte von 1706 bis 1785. Er arbeitete in seiner Heimatstadt Venedig, trat auf der Londoner Opernbühne die Nachfolge Georg Friedrich Händels an und wurde als Hofkapellmeister der Zarin Katharina der Großen nach St. Petersburg berufen. Wie viele Opern Galuppi tatsächlich schrieb, ist nicht überliefert – Musikwissenschaftler gehen von rund 70 aus. Der italienische Komponist prägte die Entwicklung der opera buffa mit, galt seinerzeit jedoch auch als ein wichtiger Vertreter der opera seria.