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Alles nur „wegen die Flasche mit Bauch“
Schauspiel mit Musik „Ein Widder mit Flügeln – 700 Jahre Bürgerspital“ aus der Feder von Ulrike
Schäfer feiert in Kelterhalle Uraufführung – Produktion des Mainfranken Theaters Würzburg


Von Michaela Schneider

Würzburg Zu 700 Jahren bewegter Geschichte kann man Fachaufsätze verfassen, damit lassen sich Bücher füllen. Umso größer dürfte die Herausforderung für die Würzburger Autorin Ulrike Schäfer gewesen sein, als das Mainfranken Theater an sie herantrat und fragte, ob sie ein Theaterstück zum Jubiläum des Bürgerspitals schreiben wolle. Um die Historie, um die Stiftung, um Altenpflege und um Wein sollte es gehen. Gleichermaßen unterhaltsam wie informativ in kompakten 90 Minuten. Und tatsächlich hat Schäfer dies mit Bravour gemeistert: „Ein Widder mit Flügeln – 700 Jahre Bürgerspital“ feierte jetzt in der Kelterhalle des Jubilars in Regie von Axel Stöcker Uraufführung.


Atmosphäre zu schaffen bei einem Sprint durch 700 Jahre Geschichte? Eigentlich kaum machbar. Doch Schäfer findet eine Lösung: Jene Fragen, die sie sich bei ihren Recherchen auftaten, stellt sich bei der Generalprobe zum Jubiläumstag nun ein bunt zusammengewürfelter Haufen: eine Professorin (Claudia Kraus), Backpakerin Jeanny (Christina Theresa Motsch), Sopranistin Sonja (Anja Gutgesell), Bariton Helge (Daniel Fiolka) und Schauspieler Leo (Boris Wagner). Welche historischen Begebenheiten haben den Geschichtsverlauf, die Altenpflege, den Weinbau geprägt? Und wie lässt sich der Geist der Stiftung greifen und beschreiben?  Die Professorin erläutert und erklärt, vermittelt Informationen und Fakten. Ihr Team diskutiert und zankt, findet`s zu trocken und verpackt die Historie in ein rasantes Schauspiel mit Gesang.


Im Urfränkisch erzählt Anja Gutgesell etwa als konfrontative Stiftungsgründergattin Mergardis von Steren von ihrem „Mooo, dem Schlawiner“;  im Bauernkrieg 1525 drischt das Ensemble fröhlich aufeinander ein; Daniel Fiolka trinkt jeden guten Tropfen, den er zu greifen bekommt;  Backpakerin Jeanny plaudert mit breitem Down-Under-Akzent vom Jahrtausendwein des Jahres 1540, aus ihrer Familiengeschichte und erzählt, warum sie auf ihrer Weltreise „wegen die Flasche mit Bauch“ ausgerechnet im Bürgerspital gelandet ist. Dass in der Kelterhalle auf ein Bühnenbild verzichtet werden muss, tut dem Stück gerade gut – zumal Schauspieler Leo immer wieder vom Fleck weg improvisiert. Als Requisiten wird genutzt, was auf einem Weingut rasch zur Hand ist: Flaschen, Kartons, Besen. Dass dann auch noch der echte Kellermeister Elmar Nun einen gelungenen Gastauftritt hinlegen darf, lässt gerade auch die Bürgerspitalmitarbeiter jubeln.


Und trotzdem bleiben bei aller Komik die ruhigen, nachdenklichen Töne nicht auf der Strecke. Einen wesentlichen Beitrag leisten dazu die Arrangements und Kompositionen aus der Feder von Alexis Agrafiotis, die er am Flügel auf der Bühne selbst begleitet. Vieles kennt man oder meint man zu kennen, einige Melodien sind extra fürs Stück entstanden. Das Kilianslied und die Würzburger Glöckli, selbst das Frankenlied ertönen in abgewandelter Form. Vor allem bewegt Anja Gutgesells wunderbar toniertes Lied vom toten Soldaten, als im März 1945 vom Spital nur die Grundmauern stehen bleiben.  Und auch der Bürgerchor sorgt am Ende des Abends für emotionale Momente, als er mit einem von Josef Schrimpf eigens für die Produktion komponiert und getextetem Lied der Verdrängung des Alters entgegentritt und das Vermächtnis der Bürgerspitalgründer aufleben lässt.


Das Publikum applaudiert am Ende des Abends begeistert. Auch die Initiatorin des Theaterprojekts sowie leitende Stiftungsdirektorin des Bürgerspitals, Annette Noffz, wie Dirk Terwey, Geschäftsführer des Mainfranken Theaters, sparen nicht an Lobesworten nach der Uraufführung. Geglückt ist diese dank eines wunderbaren Drehbuchs, guter Regieideen, eingängiger Musik und  eines hochmotivierten Schauspielteams. Und durch Mut zu respektvollem Spaß und guter Unterhaltung trotz aller Altehrwürdigkeit.


Dauer: 85 Minuten  (ohne Pause); Nächste Vorstellungen, jeweils 20 Uhr:  09.07./ 10.07./ 16.07./ 17.07./ 20.07./ 24.07

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.