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Fabelhalfte Wesen mit Charakter
Als Winterausstellung für die ganze Familie zeigt das Mainfränkische
Museum in Würzburg Federfiguren der hiesigen Künstlerin Barbara Lenz


Von Michaela Schneider
Würzburg
Konzentriert blickt das Hündchen auf eine Eisskulptur, meißelt und schnitzt… sich selbst. In der gleichen Vitrine gleitet ein elegantes Äffchen auf Schlittschuhen übers Eis. Neben einem Geige spielenden Hermelin im Spitzenkleid tanzt ein weißer Pudel. Und „Krokolaus“ mit Alligatorenkopf im Nikolausmantel betrachtet das Treiben aus der Distanz. Es dauert in der Kelterhalle des Mainfränkischen Museums auf der Festung Marienberg in Würzburg derzeit nicht lange, bis Besucher in eine traumhafte Fantasiewelt gezogen werden. „Fabelhafte Wesen. Federfiguren von Barbara Lenz“ ist die diesjährige Winterausstellung betitelt. Doch auch der eher nüchterne Museumsgast dürfte von den insgesamt 65 Werken fasziniert sein, denn: Mit Kunstfertigkeit und in Feinstarbeit erschafft die Würzburger Künstlerin aus Naturmaterialien, aber auch einfachen Perlen, Watte, Draht oder Papier außergewöhnlich filigrane Kostbarkeiten. Viele von ihnen sind mit einer Spieluhr oder anderen mechanischen Elementen versehen.


Für Barbara Lenz, Tochter des im Januar verstorbenen Malers Wolfgang Lenz, sind die fantasievollen Fabelwesen ein Stück weit Familie. Jede Figur entwickelt für die Künstlerin ein Eigenleben und hat ihren eigenen Charakter. Ganz selbstverständlich bezeichnet sie eine muntere Zirkusschar als „Nervensägenabteilung“ und empfiehlt, die Shisha rauchende Exe und ihren Kumpel, ein Äffchen, bessere in Ruhe zu lassen. „Das sind zwei ganz üble Figuren“, fügt sie an.


Und ja: Wenn man die fabelhaften Wesen genau betrachtet, denkt man sich fast schon zwangsläufig selbst fantastische Geschichten aus, erweckt sie zum Leben. Teils Tier, teils Mensch wirken sie skurril und zugleich zauberhaft. Man will wissen, was es mit dem einäugigen Alien auf sich hat, ob der löwenköpfige Schlangentöter siegen wird und ob der Babydrache die frechen Teufelchen tatsächlich ungestraft davonkommen lässt. Barbara Lenz‘ neueste Figur: eine unermüdliche Feldmaus, die „trotz aller Schwierigkeiten gekommen (war) um zu bohren“, angelehnt an eine Zeichnung des französischen Künstlers Grandville (1803 – 1847). Darüber steht der schlichte Titel „Ich“.  „Ich identifiziere mich mit dieser Maus“, sagt die Künstlerin und zuckt fast entschuldigend mit den Schultern.


Die Fantasie auf der einen, die künstlerische Begabung auf der anderen Seite. Lenz‘ Handwerkszeug: lediglich eine Pinzette, eine Schere und eine Einwegspritze mit Klebstoff. Das Material: Blätter, Disteln oder Muscheln, die Reste eines Kugelfischs oder Hummers, eine Stachelschweinborste und vor allem unzählige Federn verschiedenster Vögel. Die Künstlerin arbeitet zudem mit Drahtstücken oder Papier, ein Stück altes Ballkleid wird zum edlen Dromedar-Sattel. Die Materialkosten sind gering, an Wert gewinnen die „fabelhaften Wesen“ durch Arbeitszeit und künstlerisches Können.


Gebogene Stangen im Inneren dienen zur Fixierung der Haltung, anschließend modelliert Barbara Lenz die Figur. Die Kleidung entsteht aus hauchdünnem Papier, das immer wieder mit Kleister bestrichen wird, luftig-leicht wirkt und doch am Ende hart wie Karton ist. Am Ende beklebt die Künstlerin die Wesen mit Federn, um Stoff- und Felloptiken zu erschaffen, verziert und schmückt. Wie ausgeklügelt manche Figur tatsächlich ist, erfährt übrigens nur, wer sich einer Führung mit der Künstlerin anschließt, Beispiel Seiltänzer. n den Händen hält dieser beim Drahtseilakt eine Stange mit zwei turnenden Akrobatinnen. Das Unglaubliche: Die Figur ist nicht festgeklebt, sondern balanciert tatsächlich auf dem hauchdünnen Seil.       


Dessen nicht genug, sind etliche Figuren mit Spieluhren und Mechanik bestückt, hier kommt der Künstlerin die Feinmechaniklehre nach dem Abitur zugute. Mäuschen tanzen auf Schlittschuhen um eine Katze, ein Pudel dreht sich zu Geigenklängen, ein Drache qualmt und raucht aus Nase, Maul und Ohren, ein Seifenbläser erschafft schillernde Schönheiten. Wie das funktioniert? Nun, im Inneren sei ein Fön eingebaut, erklärt Barbara Lenz, als gäbe es nichts Naheliegenderes. In den Vitrinen im Mainfränkischen Museum können die fabelhaften Wesen übrigens nicht in Gang gesetzt werden, auf Tablet-PCs aber dürfen die Ausstellungsbesucher kurze Filmsequenzen antippen.  Doch auch ohne Bewegung könnte man Stunden vor den Vitrinen verweilen - und würde wohl trotzdem nur einen Bruchteil der liebenswerten Details entdecken, die den fabelhaften Wesen Charakter geben.

Dieser Hund modelliert sich aus einem Eisblock selbst.


Alle Fotos: Michaela Schneider


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Der Artikel  ist unter anderem  im Main Echo erschienen.

Infokasten: Sonderausstellung „Fabelhafte Wesen“ und Rahmenprogramm


Öffnungszeiten: Die Ausstellung „Fabelhafte Wesen“ mit Federfiguren von der Würzburger Künstlerin Barbara Lenz in der Kelterhalle des Mainfränkischen Museums ist bis einschließlich 1. März 2015 zu sehen. Das Museum ist Dienstag bis Sonntag zwischen 10 und 16 Uhr geöffnet. Die Ausstellung wie auch das Rahmenprogramm sind bewusst auf Familien ausgerichtet.


Sonderführungen: Am 5. Dezember und 18. Januar jeweils um 11 Uhr wird Barbara Lenz selbst durch die Ausstellung führen und einige der Wesen „zum Leben“ erwecken. Am 25. Januar, 11  Uhr, geht es bei einem Museumsrundgang mit Museumsleiterin Dr. Claudia Lichte um das Verhältnis von Kunst und Natur in den  Sammlungen des Mainfränkischen Museums. Familiennachmittage ab 5 Jahren jeweils sonntags, 13 bis 16 Uhr, am 30. November, 28. Dezember, 1. Februar und 1. März. Spezielle Kinder- und Schulprogramme sowie Fortbildungen für Pädagogen sind möglich.

 

Neujahrskonzert: Thema des Neujahrskonzertes in der Schönbornhalle am 11. Januar um 18 Uhr: „Das Tier in mir“ mit dem Damensalonorchester „Bella Donna“. In der Pause kann die Sonderausstellung besichtigt werden.


Märchen und Tänze: Passend zur Ausstellung entführt Erzählerin Gesine Kleinwächter am Freitag, 6. Februar, um 19 Uhr mit Märchen und Geschichten in eine Phantasiewelt. Zudem verzaubert Choreographin und Tänzerin Moona mit exotischen Tänzen und traumhaften Kostümen.