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Wachmänner in U-Boot-Kammern
Uraufführung
Gewinnerstück des Leonhard-Frank-Preises in den Würzburger Kammerspielen

 

Von Michaela Schneider

Würzburg Wachmann Herr Voigt (Isaaka Zoungrana) bleibt beim Kontrollgang auf dem Rathausdach stehen und blickt aufs Lichtermeer seiner nächtlichen Stadt. Wie Spielzeugmännchen bewegen sich unter ihm in der Tiefe ein paar Nachteulen. Herr Voigt spuckt. Daneben. „Ich und die Weltmeere. Weil die Tür vom U-Boot klemmte“ hat Sarah Trilsch ihren dokumentarischen Theatertext betitelt. Dieser wurde jetzt in den Würzburger Kammerspielen des Mainfrankentheaters in der Inszenierung von Marcus Rehberger uraufgeführt.  

 

Am Anfang fällt’s schwer, den Stücktitel mit dem Gewinnerstück des Leonhard-Frank-Preises in Einklang zu bringen – jene Geschichte dreier stinknormaler Wachmänner, deren Arbeit geprägt ist von Isoliertheit, Langeweile und zu wenig Schlaf. Doch spätestens als Herr Lehmann spuckt ist klar:  Alle drei haben sich trotz biografischer Brüche mit ihrer Situation arrangiert, das Beste daraus gemacht. Drei Männer haben jeder für sich ein eigenes, kleines Weltmeer außerhalb ihrer U-Boot-Wachdienstkammer erobert.  

 

2012 war das dokumentarische Theaterstück bei den Autorentheatertagen  vom Mainfrankentheater in Zusammenarbeit mit der Leonhard-Frank-Gesellschaft mit dem Leonhard-Frank-Preis für Dramatiker ausgezeichnet worden. Das Motto: „Macht Spiele!“. Neben einem Preisgeld erhält der jeweilige Gewinner alljährlich die Chance einer Uraufführung in den Würzburger Kammerspielen.  Auf die Idee zu „Ich und die Weltmeere“  kam die Dresdner Autorin Sarah Trilsch, Jahrgang 1986, als sie in einem Museumsbuchladen arbeitete und sich mit einem Wachmann unterhielt. Absurd, dass ein Mensch die Alarmanlage bewacht, so ihr Fazit des Gesprächs. Im Folgenden begleitete sie insgesamt  fünf Sicherheitsdienstleiter bei der nächtlichen Arbeit. Ganz normale Menschen, die bereit waren über Arbeit, Träume, Ängste und Privatleben zu erzählen. Menschen, die ihren Garten nur noch durch den Blick aus dem Wohnzimmerfenster kennen – und die Nachbarn gar nicht mehr.

 

Das Ergebnis der Recherchen bündelt Trilsch auf der Bühne in drei älteren Männern: Herr Voigt (Issaka Zoungrana) im Rathaus, der eigentlich gern Fußballprofi geworden wäre und seinen Traum als Trainer einer Kindermannschaft doch noch lebt; im reiselustigen Herrn Matz (Rainer Appel) im Museum; und in DDR-Nostalgiker Herr Lehmann in der Oper, dessen Herzen eigentlich für Militär, Ordnung und Korrektheit schlägt. Und der im Winter, wenn seine Frau nicht da ist, die Heizung „auf Fünf“ dreht, um „den Blumen beim Verrecken“ zuzuschauen. Für die Rolle des Herrn Lehmann war eigentlich Kai Markus Brecklinghaus vorgesehen, doch fiel dieser krankheitsbedingt aus – Georg Zeies sprang innerhalb von nur drei Tagen ein. Eine echte Leistung – hätte man’s nicht gewusst, hätte man’s nicht gemerkt.

Von Bühnenbildner Kristopher Kempf gut gewählt sind die unaufgeregten Alltagsklamotten und das realistische Bühnenbild: Drei Sicherheitskabinen stehen Wand an Wand, unter Leuchtstoffröhren sitzen die drei älteren Herren wie in U-Booten isoliert zwischen Papierkram, Monitoren und Technik. Eigentlich völlig allein, erzählen sie aus ihrem Leben – und kommentieren doch hin und wieder, was die nächtlichen Kollegen in Museum, Oper und Rathaus tun. Zwischendurch, da begegnen sie sich sogar, teilen sich ein Stück Kuchen. Und verschwinden dann wieder in ihrer Stille und Isoliertheit. Die fiktive Interaktion ermöglicht immer wieder komische Momente, um die zwangsläufig fehlende Handlung aufzulockern.

 

Doch geht es ja im Wesentlichen um die Monotonie der nächtlichen Dienste bei Sarah Trilschs Stück „Ich und die Weltmeere. Weil die Tür vom U-Boot klemmte“ – und die kam in den Kammerspielen anschaulich rüber. Eine gute, sehr anschauliche Charakterstudie dreier ganz normaler Menschen, die die Nacht zum Tag machen müssen. Und doch war man nach 75 Minuten irgendwie froh, aus den Wachmänner-U-Booten wieder in seine eigene Welt flüchten zu dürfen. Raus aus dem gleichen Rhythmus Nacht für Nacht: Kontrollen, Türen, Monitore, Schlüssel, Licht, Kreuzworträtsel, Zeitung, Sudoku. Schleichende Sekunden, die wie nervende Töne Gottseidank nur einen Theaterabend über im Kopf klingen.

 

Dauer: 75 Minuten; nächste Vorstellung, jeweils um 20 Uhr: 26.06./ 29.06./ 03.07./ 10.07./ 13.07./ 16.07.

 

Der Artikel ist im Main-Echo erschienen.