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Von Frauen an der Heimatfront und grinsenden Leichen
Ausstellung an der Würzburger Universität hinterfragt, wie sich der erste Weltkrieg
im Ausland in Literatur, Kunst, Medien und persönlichen Schriftstücken niedergeschlagen hat


Von Michaela Schneider

Würzburg „Ich hoffe, Du denkst jetzt nicht schlecht von mir“, schreibt Lil ihrem Ehemann Harry an die Front. Sie fürchte um Haus und Lebensunterhalt und wolle mit den Kindern und einem anderen Mann in die USA auswandern. „Du bist ein Mann und ich nur ein Mädchen und eine Mutter“, schreibt die Engländerin weiter. Sie bittet den Ehemann, sie nicht zu suchen. Harry Nelson wird dies nach dem Krieg trotzdem tun – ob mit Erfolg, ist nicht bekannt. Zu lesen ist der Brief 100 Jahre nach dem Ausbruch des 1. Weltkriegs bis in den Juli in der Plakatausstellung „Representing World War I“ der Würzburger Julius-Maximilians-Universität. Erarbeitet wurde sie federführend von Studenten der englischen Literatur- und Kulturwissenschaft, Studierende der Romanistik ergänzten das Projekt zudem um die französische und italienische Perspektive.


Im Zentrum steht dabei nicht der historisch-faktische Blick auf die Kriegsereignisse zwischen 1914 und 1918. Die angehenden Geisteswissenschaftler beleuchten vielmehr, wie sich die Erfahrungen des ersten Weltkriegs im Ausland in Literatur und Kunst, Medien und Propaganda, aber auch in ganz persönlichen Schriftstücken wie Lils Brief wiederspiegelten. Dass dabei die deutsche Perspektive in der Ausstellung außen vor bleibt, kommt laut der Würzburger Anglistin Isabel Karremann, Inhaberin des Lehrstuhls für Englische Literatur- und Kulturwissenschaft, nicht von ungefähr. Tatsächlich seien die Spuren des Ersten Weltkriegs im englischen und französischen Raum wesentlich präsenter als in Deutschland. „Ist in England die Rede von ‚The Great War‘, geht es um den Ersten Weltkrieg“, sagt Karremann. Wesentlicher Referenzpunkt im historischen Gedächtnis der Deutschen indes sei der Zweite Weltkrieg.


In der Ausstellung geht es nun in sechs Themenblöcken um die Erfahrungen der kolonialen Truppen und die Eindrücke an der Heimatfront; um den Krieg der Frauen sowie den Grabenkrieg mit Blick auf Grabendichter; um Propaganda und Patriotismus, aber auch um posttraumatische Belastungsstörungen, die der Krieg auslöste. „Der erste Weltkrieg war nicht nur der erste Medienkrieg, sondern erstmals wurden Massenvernichtungswaffen eingesetzt“, sagt Karremann. Explodierende Granaten und Explosionen, das Kreischen und Knallen der Waffen hinterließen dabei dramatische Spuren.


Aufbereitet haben die Studenten diesen Aspekt unter anderem anhand  von zwei Gedichten. In dem patriotischen Zeilen „The Soldier“ von Rupert Brooke aus dem Jahr 1914 geht es um die englische Idylle und tapfere Soldaten, die bereit sind fürs Vaterland zu sterben. In „Mental Cases“ indes beschreibt Wilfried Owen im Kriegsjahr 1918 Soldaten als leere Hüllen und Särge, Schatten aus der Unterwelt, grinsende Leichen oder zerfetztes Fleisch. Umrahmt sind die beiden Gedichte von Fotografien: Auf der einen Seite sind heldenhafte Soldatenporträts zu sehen, auf der anderen Seite zeigen desillusionierende Bilder, was von einstigen Helden nach den Kriegserlebnissen übrig blieb.


Erarbeitet wurde die Ausstellung von rund 40 Bachelorstudenten in Seminaren und viel eigenständiger Arbeit über ein Semester. Gemeinsam wurden große Datenbanken durchforstet wie zum Beispiel das Portal www.operationwardiary.org – eine Plattform, auf der Privatpersonen Kriegstagebücher, Briefe & Co veröffentlichen können. Die Anglisten arbeiteten sich in die Historie des ersten Weltkriegs ein und werteten Studien zum Themenfeld der Repräsentation aus.  „Ich wollte den Studenten die Möglichkeit geben, ihre Seminararbeit der Öffentlichkeit zu präsentieren“, sagt Karremann. Und sie hofft, mit der Ausstellung an der Universität eine Grundlage für eine gemeinsame Debatte zu legen 100 Jahre nach dem Ausbruch des 1.Weltkriegs. Veröffentlicht werden soll deshalb wohl auch eine Broschüre zum Thema, die Ausstellung soll uniintern weiterwandern und die erarbeiteten Plakate werden laut Karremann online verfügbar gemacht.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

„Representing World War I“ ist eine Plakatausstellung in der Würzburger Universität betitelt.


Foto: Michaela Schneider

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Infokasten: Ausstellung „Representing World War I“


Die Plakatausstellung „Representing World War I“ kann bis einschließlich 10. Juli im Philosophiegebäude der Würzburger Universität am Hubland besichtig werden. Zu sehen ist sie im ersten Stock im Gang zwischen den Teilgebäuden zwei und fünf. Sie befasst sich mit der Darstellung des Ersten Weltkriegs in Literatur, Kunst, Medien und privaten Schriftstücken.