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Sie fliegen, klettern, stehen oder baden sich: Hildegard Jansons Weihnachtsmänner.


Fotos: Michaela Schneider

Schottische Weihnachtsmänner tragen Karo

Eine Sammlerin im Gramschatzer Wald hat über die Jahrzehnte mehr als 3700
Weihnachtsmänner in allen Größen, Formen, Materialien und Lebenssituationen zusammengetragen


Von Michaela Schneider

Erbshausen Weihnachtsmänner haben Bedürfnisse wie Du und ich. Sie nehmen ein Bad und rauchen. Sie gönnen sich ein Spielchen und trinken. Singen können sie auch – fast so gut wie Elvis Presley. Und manchmal kuscheln Sie mit einer sexy Weihnachtsfrau. Das weiß spätestens, wer einmal bei Hildegard Jansson zu Besuch war. Seit gut 30 Jahren sammelt die gebürtige Kölnerin Weihnachtsmänner und Nikoläuse in allen Größen, Formen, Materialien und Lebenssituationen. 3730 Einzelstücke umfasst die stattliche Sammlung derzeit, Jahr für Jahr wächst sie weiter. Besichtigt werden kann sie auf Voranmeldung in dem kleinen unterfränkischen Örtchen Erbshausen im Gramschatzer Wald.


Tatsächlich herrscht in Hildegard Janssons “Weihnachtshaus Feliz Natal“  das ganze Jahr über Advent. Ein Plastik-Weihnachtsmann grüßt schon vom Holzzaun aus, im Garten tummeln sich zwischen den Büschen allerlei Tierchen und Zauberwesen – unter anderem ein lebensgroßer, mit Tannenzweigen geschmückter Hirsch. „Bitte fröhlich klingeln“ fordert ein verblasster, rot-weiß-gekleideter Geselle auf einem Aufkleber an der Haustüre auf. Im Keller schaltet Hildegard Jansson Weihnachten dann per Lichtschalter an: Da leuchten Lichterketten und klettern Weihnachtsmänner. Es duftet nach Vanille, aus Lautsprechern tönt Jingle Bells und der Weihnachts-Elvis bittet gen Himmel „Let it snow“.


Erst schweift der Blick, man weiß kaum, wohin man zuerst schauen möchte bei so viel Weihnachten. Sobald man sich in Vitrinen, auf Regalen, zwischen Deckengehängen und Fußbodendekoration in Details vertieft, will man nicht mehr aufhören zu gucken und zu staunen. Da kann man einem schottischen Nikolaus unter den Rock blicken – er trägt Boxershorts in Karo. Ein Superman-Weihnachtsmann schwebt im Raum, um die Welt zu retten. Gleich daneben sitzt ein Geselle auf seinem fliegenden Teppich. Edle Stücke wie Weihnachtsszenen aus Marmor stehen nicht weit entfernt von Gestalten, vor denen man sich fast schon gruseln möchte. Auch Hildegard Jansson geht mit letzteren nicht zimperlich um. Sie deutet auf einen Plastikgesellen aus DDR-Zeiten und sagt: „Der hier ist hässlich wie die Nacht. Trotzdem ist er ein Sammlerstück.“


Und tatsächlich ist es die Sammelleidenschaft, die die Wahlfränkin aus Köln vorantreibt. Schon als Kind habe sie Bonbonpapierchen gesammelt, als Büttenrednerin später dann zum Beispiel Karnevalsorden und bis heute Glanzbilder. Wie aber kam sie auf den Weihnachtsmann? „Der hier ist schuld“, sagt Hildegard Jansson und deutet auf einen sehr klassischen, bärtigen Gesellen.  Auf einem Schildchen davor steht in Handschrift „Brasilien“.


Dort nämlich lebten die Janssons Anfang der 80er ein Jahr lang. „In Brasilien war an Weihnachten Sommer, trotzdem liefen überall Weihnachtsmänner mit dicken Mänteln herum. Das hat mich sehr beeindruckt“, erzählt die Erbshausenerin.  In einem Kaufhaus entdeckte sie den Deko-Weihnachtsmann, als Erinnerungsstück durfte er nach dem Jahr in Brasilien mit nach Deutschland umziehen. „Er stand bei mir in einer Vitrine. Eine Freundin sagte eines Tages: So einen hab ich auch, den bring ich mit, dann ist Deiner nicht so allein.“  Aus einem wurden zwei – und eines Tages war die ganze Vitrine voller Weihnachtsmänner.  Heute langt eine Vitrine längst nicht mehr, im gesamten Keller regiert eine 3730-Mann starke Weihnachtsarmee. Eine außergewöhnliche Sammlung? Hildegard Jansson zuckt mit den Schultern, sagt: „Andere Leute sammeln Tassen.“


Eines Tages stand dann die Idee im Raum: Könnte es die Erbshausenerin mit ihren Weihnachtsmännern vielleicht ins Guinessbuch der Rekorde schaffen? Rekordrichter  wurden im Jahr 2002 geladen, das Fernsehen rückte an, der ganze Schriftkram wurde erledigt. Zum Eintrag allerdings kam es nie: Die Originalunterlagen gingen auf dem Postweg verloren.  

Rekordhalterin der Herzen ist Hildegard Jansson für Weihnachtsliebhaber trotzdem, regelmäßig bekommt sie Geschenke aus aller Welt geschickt: Neben Deko-Weihnachtsmännern auch Postkarten, Tassen, Schneekugeln, sogar Schuhe, verkleidete Plüschtiere – natürlich immer in Weihnachtsmannoptik. Eines Abends stand zum Beispiel plötzlich ein Weihnachtsmann mit Laterne vor der Haustür – wer ihn dort abgestellt hat, weiß die Sammlerin bis heute nicht. Und auch, wenn sie eigentlich nur klassische Deko-Gesellen sammelt, bekommt im ständig wachsenden Weihnachtsmuseum jedes neue Objekt sein Plätzchen, egal ob hübsch oder hässlich – Hauptsache von Sammlerwert. Trotzdem hat die Erbshausenerin ein persönliches Lieblingsstück, spricht von ihrem  „Dornröschen“. Im rosafarbenen Mantel, geschmückt mit Rosen und Ranken, steht der edle Weihnachtsmann leicht erhöht auf einem Ehrenplatz an der Wand. „Wenn er keinen Bart hätte, wäre er eine wunderschöne Prinzessin“, sagt Hildegard Jansson.


Ihr Alter verrät sie übrigens nicht. Macht nichts, im Internet kann man nachlesen: Auch der Weihnachtsmann könne sich selbst nicht mehr so genau an sein Alter erinnern. Als er nachzählen wollte, wie viele Weihnachten er selbst schon erlebt habe, sei er müde eingeschlafen.

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Der Artikel ist unter anderem in „Franken. Magazin für Land und Leute“ erschienen.

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Infokasten: Das Weihnachtshaus „Feliz Natale“


Wer Hildegard Janssons Weihnachtsmann-Sammlung in Erbshausen, Ringstraße 30, im Gramschatzer Wald anschauen möchte, kann telefonisch einen Termin vereinbaren unter der 09367/2498. Im November und Dezember öffnet die Sammlerin zudem einen Weihnachtsverkauf mit Deko-Artikeln rund um Weihnachten im Obergeschoß des Weihnachtshauses „Feliz Natal“.