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Eckart Hahns „Anbetung“ aus dem Jahr 2011 ist die jüngste Darstellung der Weihnachtsszene im Museum am Dom.


Adolf Hölzels abstrakte Anbetungsszene mit den drei Königen stammt aus dem Jahr 1920.


Johann Zicks „Anbetung der Könige“ aus dem Jahre 1749 stammt aus dem Nachlass von Prälat Ernst Rösser aus Volkach.


Fotos: Michaela Schneider

Komet und Kindengel, Magier und ein kochender Josef
 Die darstellende Kunst hat über viele hundert Jahre die Vorstellung der Menschen von
der Geburt Christ geprägt – Moderne Interpretationen der Weihnachtsszene im Museum am Dom


Von Michaela Schneider

Würzburg Maria und Josef, ein Kind in der Krippe, der Stern von Bethlehem und die Magier aus dem Morgenland: Die heutigen Vorstellung von der Geburt Christi wurde über Jahrhunderte stark geprägt durch die darstellende Kunst. Und auch moderne Künstler finden ihre Ausdrucksform für das Weihnachtsgeschehen. Einblicke in die Kunstgeschichte auf der einen,  Bildbetrachtungen im Museum am Dom in Würzburg auf der anderen Seite.

Bei der ältesten bildhaften Weihnachtsdarstellung handelt es sich um eine Malerei in einer römischen Katakombe. Die Szene aus dem Jahr200 nach Christus zeigt die Anbetung der Magier.  Oft tauchten in dieser Zeit zudem Szenen der Weihnachtsereignisse auf Sarkophagen auf. Auch die älteste erhaltene Darstellung von Christi Geburt findet sich auf einem Sarkophag, datiert wird er auf die Jahre 320/325. Zu sehen sind auf frühen Werken meist: Das Jesuskind in einer Krippe, Ochs und Esel sowie die Hirten als die ersten Menschen, denen die Geburt des Heilands verkündet wurde. Ab dem 4. Jahrhundert erscheint auch der Stall und immer häufiger wird die Szenerie mit der Magieranbetung verknüpft.


Maria und Josef indes fehlen meist. Dies ändert sich erst, als das Konzil von Ephesus 431 Maria als „Gottesgebärerin“ bezeichnet. Maria wird nun auf frühen Darstellungen oft liegend gezeigt, um die Geburt anzudeuten, Josef steht meist schützend im Hintergrund. Auch die Kunst des frühen Mittelalters orientiert sich stark an den frühchristlichen Werken.


Etwa ab der Hochgotik weichen die gestellten Szenen natürlicheren Darstellungen. Seit dem Anfang des 14. Jahrhunderts wird zudem der Stern von Bethlehem – zunächst auf italienischen Kunstwerken - mit Schweif dargestellt. Das verwundert nicht: 1301 war der Halley’sche Komet über Italien gut zu sehen gewesen. Ab der Mitte des 14. Jahrhunderts entstehen genrehafte Motive. Maria hält das Kind im Arm, Josef bereitet Essen oder ein Bad zu oder trocknet zum Beispiel Windeln. Statt Magiern huldigen nun Könige in drei Lebensaltern dem Kind und bringen ihre Gaben dar. Der so genannte Anbetungstypus setzt sich spätestens mit der Renaissance voll durch – das hat sich bis heute nicht geändert. Dafür drei Bildbetrachtungen im Museum am Dom in Würzburg.


Die „Anbetung der Könige“ des süddeutschen Freskomalers Johann Zick entstand im Jahr 1749. In der Region sei der Künstler vor allem auch bekannt für die Ausmalung der Gartenfresken in der Würzburger Residenz, erzählt Yvonne Lemke. Im Museum am Dom ist sie für die museumspädagogische Vermittlung zuständig. Neben Maria und den Königen zeigt das Werk zwei Kindengel, einen Mann – vermutlich Josef – und eine Schäferin in felsiger Landschaft. Im Hintergrund ist ein Heuschober angedeutet. Lemke spricht von einer „ganz typischen Darstellung der Szene im Barock“.    


Viel abstrakter indes kommt Adolf Hölzels „Anbetung“ aus dem Jahr 1920 daher. Hölzl gilt als früher Protagonist der Abstraktion und als Wegbereiter der Moderne. Formen wie Kreise oder Dreiecke und leuchtende Farben fügen sich zur Weihnachtsszene. Interessant ist bei dem Werk aber vor allem auch ein Blick auf den dunkel gehaltenen, unscheinbaren Hintergrund. Denn dreht man das Werk gedanklich um 90 Grad, taucht hier eine angedeutete Landschaft im Dachauer Moos auf – einer Region, in der Hölzel viel unterwegs war. Anzunehmen ist, dass der Künstler  schlichtweg teure Leinwand sparen wollte und deshalb seine Landschaftsstudie wieder übermalte. „Hölzel war damals extrem modern, die Menschen hatten noch ganz andere Vorstellungen von Malerei. Gewürdigt wurde der Künstler erst nach seinem Tod“, sagt Lemke.


Zuletzt ein Blick auf die neueste Anbetungsszene im Museum am Dom: auf Eckart Hahns konsumkritisches Werk „Anbetung“ aus dem Jahr 2011. Sämtliche Figuren sind hier von Kopf bis Fuß in Plastiktüten gehüllt. Statt auf Gesichter fällt der Blick auf Markennamen wie Edeka oder DM. Die Krippe steckt in einer Adidastüte. Hahn wolle mit dem Werk Fragen aufwerfen, sagt Museumsmitarbeiterin Lemke. Zählen an Weihnachten nur noch Konsum und Geschenke? Welche Rolle spielt Christi Geburt überhaupt noch? Ist das Jesuskind gesichts- und substanzlos geworden? Will es niemand mehr auspacken und an sich heranlassen? Eine Weihnachtsszene aus heutiger Zeit. Und doch ist auch hier die jahrhundertelange Darstellungstradition gewahrt: Maria hält das Jesuskind im Arm, Josef steht schützend im Hintergrund und die Magier bringen ihre Gaben dar.

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Der Artikel ist unter anderem im Main-Echo erschienen.

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