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Einblicke in die Wasserunterwelt

Neue Themenführungen in Rothenburg drehen sich um die komplexe
Wasserversorgung der Stadt in der frühen Neuzeit – Brunnentouren lohnen gerade auch in der Osterzeit

 

von Michaela Schneider

Rothenburg ob der Tauber - Wasser ist lebenswichtig – das wissen vor allem jene, denen es daran mangelt. Eine Stadt, die seit Jahrhunderten mit Grundwassermangel kämpft, ist die mittelfränkische Kommune Rothenburg ob der Tauber. Doch machte und macht man hier aus der Not eine Tugend: In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts ließ der Stadtrat eine seinerzeit topmoderne Wasserversorgung aufbauen und kam dadurch nicht nur seiner Fürsorge für die Bürgerschaft nach, sondern setzte sich auch ein Denkmal zum Nachruhm. Heute profitiert die Kommune nun von den hübschen, kunstvollen Rennaisancebrunnen, die das Stadtbild prägen und verschönern. Ab dieser Saison werden sich spezielle Stadtführungen um die komplexe Technik der einstigen Rothenburger Wasserversorgung, aber auch um ihre kunsthistorische Bedeutung drehen.

 

Der Baseler Sebastian Münster berichtet schon 1544 in seinem Buch Cosmographia: „Rothenburg ob der Tauber. Diese Stadt hat Mangel an Trinkwasser wegen ihrer hohen Lage.“ Doch ist damit nur ein Teil des Dilemmas beschrieben. Das eigentliche Problem ist: Der Grund, auf dem das Städtchen einst im Taubertal errichtet wurde, besteht aus einer Mischung aus Muschelkalk und Sandstein. Regnet es, versickert das Wasser und tritt erst im Tal wieder aus. Aus heutiger Sicht nur bedingt ein Problem, lässt sich doch mit moderner Technik Wasser recht unproblematisch wieder zurück auf den Hügel transportieren. Anders sah dies in Zeiten aus, als Strom und Elektrizität noch längst nicht entdeckt waren. Einer, der sich in jüngster Zeit intensiv mit der Rothenburger Wasserversorgung in der frühen Neuzeit beschäftigt hat, ist Dr. Karl-Heinz Schneider, Vorsitzender des Vereins Alt-Rothenburg. Ein zentrales Vereinsziel: die Erforschung der Stadtgeschichte. Schneider war es auch, der angeregt hatte, das Thema Wasser touristisch aufzugreifen, mit Führungen zu kunsthistorisch bedeutsamen Brunnen, dem Einstiegen in die Wasserunterwelt und zum Pumpwerk.

 

Was aber hat es historisch mit der Rothenburger Wasserversorgung auf sich? Dafür ein Blick ins 16. Jahrhundert. Rothenburg ist zur bedeutenden Reichsstadt herangewachsen. Ab etwa 1550 beginnt eine rege Bautätigkeit, die das bis dato mittelalterlich geprägte Stadtbild in den kommenden Jahren deutlich verändern soll - größer, repräsentativer und in sich stimmiger. Da werden Wege zusammengeführt um einen einheitlichen Straßenzug zu schaffen, Prunkbauten werden umgebaut und prachtvoller gestaltet. Und mit Beginn der 60er Jahre gerät auch die Wasserversorgung in den Stadtrats-Blick. Hierfür hat Dr. Schneider auch den Schriftverkehr des Rates mit dem Münchner Bürger Georg Freymüller von Newstein ausgewertet – daraus geht für ihn hervor: Jetzt standen keine Einzelmaßnahmen mehr im Vordergrund, sondern das komplette Brunnensystem sollte in einem Großprojekt instand gesetzt und erweitert werden. Ein mehr als aufwändiges Unterfangen – bis nach München nahm der Rat Kontakt zu Handwerkern auf, jedoch ohne Erfolg. Warum weiß man laut Schneider nicht, doch kam das Projekt zunächst wieder zum Erliegen. Erst 1565/66 kam neue Bewegung hinein –neue Quellen wurden erschlossen und in die Stadt geleitet, Springbrunnen errichtet. Trotzdem sollte es bis in die 90er Jahre dauern, ehe die Wasserversorgung rundum erneuert war. Der Plan eines Nürnberger Brunnenbauers kam damals nicht zur Ausführung– dieser hatte zwei große Pumpwerke jeweils im Bereich des Wildbads und der Bronnenmühle vorgesehen. Schneider spricht von „Knatsch“, weil zum einen das Wasser des Wildbads wohl für den täglichen Bedarf nicht gut genug war aber auch weil die Müller zum anderen fürchteten, ihre Mühlräder würden durch die wegen der Pumpwerke veränderte Stauhöhe nicht mehr so gut laufen wie zuvor.

 

Jetzt kam ein gewisser Hans Sommer aus Kempten im Allgäu ins Spiel. Er legte den Druckbehälter auf den Klingenturm und errichtete ein Pumpwerk, eine „Wasserkunst“ im Taubertal nördlich der Stadt. Den Plan, Quellwasser aus dem Wildbad zu erschließen, verwarf er nun ganz. Die Anlage war zur damaligen Zeit eine echte technische Meisterleistung, mussten doch immerhin 80 Höhenmeter von der Quelle bis auf den Hügel in der Stadt überwunden werden. Zudem wurden weitere Brunnen gebaut. Sämtliche Brunnen waren über unterirdisch verlegte Bleileitungen miteinander verbunden – einige Einstiege in das komplexe unterirdische Wassersystem sind heute noch zu sehen, etwa am Marktplatz beim St. Georgsbrunnen. Im Stadtarchiv liegt ein Verzeichnis der städtischen Brunnen aus den Jahren 1605/1607. Daraus geht hervor: Zu jener Zeit gab es innerhalb der Stadtmauern sage und schreibe 25 städtische Grund- sowie acht Fließwasserbrunnen. Das Brunnenkonzept mit Pumpwerk, Leitungen und zwei Brunnen ließ sich der Stadtrat dabei mit 5000 Gulden einiges kosten. Zum Vergleich: Der Neubau des gesamten Rathauses als bedeutendstem innerstädtischem Gebäude kostete rund 20000 Gulden. Ein Dokument belegt laut Schneider übrigens zudem, dass bereits Anfang des 16. Jahrhunderts Wasserleitungen in Privathäuser der Patrizierfamilien führten. Wasser aus der Leitung war für manchen Rothenburger also schon in der frühen Neuzeit Alltag.

 

Aus heutiger Sicht sehr begrüßenswert ist, dass die Wasserversorgung einst für den Stadtrat letztlich vor allem auch Prestigeobjekt war. Entsprechend prunkvoll fiel der Bau manches Brunnens aus – wenn sich auch deren Erscheinungsbild immer mal wieder veränderte. „Ein Brunnen war ein Gebrauchsgegenstand, es ist klar, dass er gelegentlich restauriert werden musste“, sagt Dr. Schneider. Und dann wurden die kleinen Bauwerke gern auch dem jeweiligen Zeitgeschmack angepasst. Bedauerlich ist, dass sie heute in der Winterzeit schutzlos den Unbilden der Witterung ausgesetzt sind. Eine Ausnahme ist der kunsthistorisch am wertvollsten geltende Herterich- oder St. Georgsbrunnen. Zwar steht er schon seit 1446 am Marktplatz, die kunstvolle Säule mit der Gestalt des Ritters St. Georg mit dem Drachen krönt ihn aber „erst“ seit etwa 400 Jahren. Ein Brunnen der indes tatsächlich aus der Zeit um 1590 stammt und der wohl nahezu aussieht wie bei seiner Erbauung, ist der Herrnbrunnen in der Herrngasse.

 

Übrigens: Eine private Brunnentour lohnt in Rothenburg gerade auch in der Osterzeit – dann allerdings nicht allein mit Blick auf die technische und kunsthistorische Bedeutung. Denn: Vor Ostern ist es im Fränkischen üblich, Brunnen mit grünen Girlanden aus Buchs, bunten Bändern, unzähligen farbenfrohen Ostereiern sowie einer prachtvollen Krone zu schmücken. In Rothenburg verwandeln sich dann alljährlich die Brunnen in der Herrngasse, der Rödergasse und der unteren Schmiedgasse in farbenfrohe Osterboten.

Der Artikel wurde verfasst für die „Presse & Kommunikation Saremba GmbH“