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Tibetische Gebete, Mayaspiritualität und Friedenstauben
Sonderausstellung „den anderen wahrnehmen“ zeigt im Museum am Dom in Würzburg
Werke der mongolischen Künstlerin Bat-Amgalan Orsoo und schlägt Brücke zwischen Kulturen und Religionen


Von Michaela Schneider
Würzburg
Das kleine mongolische Kind sitzt zwischen Wölfen, hält die Augen geschlossen. Vielleicht soll die Szenerie auf dem Ölgemälde „Einsam“ ein Traum sein, vielleicht bedrohliche Wirklichkeit.  Vielleicht ist das Kind in seiner meditativen Buddhahaltung aber auch so eng mit der Natur verbunden, dass es von den Wölfen akzeptiert wird. In dem Ölgemälde drückt die Künstlerin Bat-Amgalan Orsoo aus, was sie beim Besuch in ihrer mongolischen Heimat fühlte. Sie begegnete der politischen Sorge eines kleinen Landes zwischen Großmächten. Doch viel intensiver nahm sie die individuellen Gefühle der Menschen wahr, die sich sorgten, sich bedroht fühlten. „Sie sind arm dran wie das Kind. Dieses Gefühl hatte ich in der Mongolei“, erzählt Bat-Amgalan Orsoo.


Ihre Werke sind jetzt in einer Sonderausstellung im Museum am Dom im unterfränkischen Würzburg unter dem Motto „Den anderen wahrnehmen“ zu sehen. Diese ist Teil des Kulturprojekts „Im Gegenüber“ der Diözese Würzburg – einer Veranstaltungsreihe mit Ausstellungen, Musik, Vorträgen und mehr. Zunächst lässt die Ausstellung auf zwei Ebenen an diesem Ort staunen, denn der Besucher begegnet in direkter Nachbarschaft zum Dom fremden Kulturen, fremden Religionen. Doch genau darum soll es laut Dr. Jürgen Lenssen, Kunstreferent der Diözese, gehen: Um ein respektvolles Überschreiten von Grenzen. „Wo Absolutheitsansprüche gestellt werden, geht immer auch ein Stück Würde verloren“, sagt er. Und Würde will Bat-Amgalan Orsoo den Menschen mit ihren Werken zurückschenken.


Viel Biografisches spricht  dabei aus den Gemälden. Einige Jahre lebte Bat-Amgalan Orsoo mit ihrer Großmutter in Tibet, daran erinnern Gebete auf manchem Gemälde. Mit 20 Jahren verließ sie – das Vordiplom als Kunststudentin bereits in der Tasche – die Mongolei und ging zum Studium an die Kunsthochschule nach Nürnberg. Anschließend zog sie auf siebenjährige Wanderschaft, lernte in Guatemala die Mayakultur, aber zum Beispiel auch Bandenkriminalität und die Unterdrückung einer Ureinwohnermehrheit kennen. In Peking begegnete sie einer Gesellschaft mit starken Familienwurzeln. Und auch ihre eigenen Wurzeln drücken sich im altmongolischen Text eines Dichters, in Selbstporträts oder im Wölfewerk „Einsam“ aus.


 „Maske – Guatemala – Tibet“ ist das Ölgemälde betitelt, das auch auf den Ausstellungsplakaten zu sehen ist. Es zeigt eine Maskenverkäuferin, die durch Übermalungen in die Ferne zu rücken scheint. Nur das Gesicht, die Hände und die Füße liegen frei als Symbol für ihre harte Arbeit. Ganz bewusst hat sich Bat-Amgalan Orsoo für ein großflächiges Werk entschieden, so dass der Ausstellungsbesucher nun zu der Frau aufschaut und ihr damit ein Stück menschliche Würde zurückschenkt. Zum Ölgemälde inspiriert wurde die Künstlerin seinerzeit bei einem Besuch einer Einkaufshalle mit Masken in Guatemala. Als sie diese betrat, habe sie Furcht empfunden, sich aber gleichzeitig an ein traditionelles tibetisches Gebet erinnert, das um die Hilfe von 21 Gottheiten bittet. Ihre Großmutter habe ihr einst gesagt: „Wenn Du Angst hast, sollst Du das beten!“ Doch mit den traditionellen Worten in tibetischer Schrift drückt Bat-Amgalan Orsoo nicht nur eigene Gefühle aus, sondern verbindet den Wunsch, den Frauen in Guatemala ihre Bürden ein Stück weit abzunehmen.


Bat-Amgalan Orsoos Werke sind unglaublich vielschichtig – nicht nur künstlerisch, sondern auch inhaltlich, laden zum Entdecken ein. Ihr ältestes Werk „Selbstporträt“ spielt mit Farbauftrag, Pinselstrich - und intensiven Gefühlsregungen. Ihr jüngstes Werk zeigt die Künstlerin ebenfalls, nun aber im stillen Hilfeschrei, wie ein Strudel ziehen ihre Haare sie in die Tiefe. Eine abstrakte Bild-Trilogie befasst sich mit dem Frausein heute. Man begegnet Mayavölkern, die durch Übermalungen und Verwaschenes in die Vergangenheit rücken. Man trifft auf die guatemaltekische Gesellschaft heute. Um Goldfische als Symbole des Glücks wirbeln Licht und Wasser. Der Ausstellungsbesucher erkennt die tibetischen Wurzeln der Künstlerin in Bat-Amgalan Orsoos Mutter.


Schließlich erreicht er eine Wand mit Gottheiten und Figuren, die jedoch nur auf den ersten Blick allein der buddhistischen Welt entstammen: Friedenstauben und Fische bilden den Brückenschlag zur christliche Kultur. „Im Gegenüber“ mit fremden Kulturen und Religionen erfährt man in der Ausstellung „den anderen wahrnehmen“, dass eben doch grenzüberschreitend sehr ähnliche Dinge bewegen: die Suche nach Erfüllung, Antworten auf die Fragen nach dem Sinn des Lebens, das Sehnen nach menschlicher Würde.

„Maske – Guatemala – Tibet“, 2011, Ölfarben auf Leinwand.

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Fotos: Michaela Schneider


Infokasten: Sonderausstellung „Den anderen wahrnehmen“


Die Sonderausstellung „Den anderen wahrnehmen“ mit Werken der mongolischen Künstlerin Bat-Amgalan Orsoo ist im Museum am Dom bis einschließlich 3. April zu sehen. Die Werke der Künstlerin zeichnen sich durch die intensive Beschäftigung mit dem Menschen und seiner Intensität aus. Deshalb ist die Ausstellung Teil des Kunstprojekts „im Gegenüber“ der Diözese Würzburg. Das Museum am Dom ist  zwischen dem 1. November und 31. März Dienstag bis Sonntag zwischen 10 und 17 Uhr geöffnet und vom 1. April bis 31. Oktober Dienstag bis Sonntag zwischen 10 und 18 Uhr.

Der Artikel ist unter anderem im Main Echo erschienen.