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Von zechenden Studenten und ungeliebten Feen
Musikgeschichte Als 19-Jähriger kam Richard Wagner nach Würzburg und arbeitete

als „Choreinstudierer“ am Stadttheater – In jener Zeit entstand seine erste, erhaltene Oper

 

Von Michaela Schneider

Würzburg Der „Letzte Hieb“ sei fast allabendlich Zeuge seiner enthusiastischen Lustigkeit gewesen, schreibt Richard Wagner in seiner Autobiographie. Denn wo heute städtische Wohnhäuser und eine Dönerverkauf stehen, trafen sich zu Lebzeiten des Komponisten Studenten hoch über Würzburg mitten im Grünen  in dem Biergarten „Zum letzten Hieb“. Allerdings lag Wagners Studentenzeit schon viele Jahre zurück, als der Komponist sein Werk „Mein Leben“ verfasste. Und so nimmt der Würzburger Professor Dr. Ulrich Konrad, Inhaber des Lehrstuhl für Musikwissenschaft I an der Würzburger Universität, die späten Erinnerungen Wagners an seine Würzburgzeit nicht als bare Münze. Was aber weiß man tatsächlich über Richard Wagner in der Bischofsstadt?

 

Die Passagen in der Autobiographie läsen sich wie die späten, nostalgischen Erinnerungen eines alten Mannes, sagt Konrad. Sie erzählen vom Zechen im Biergarten und von Mädchen, in die sich der junge Mann verliebte. Dass er in jenen Tagen zudem seine erste Oper schrieb, lässt der Komponist indes unerwähnt. Denn das Werk „Mein Leben“ diente ihm zur Selbstinszenierung und als idealisierte Selbstdarstellung – und die Oper „Die Feen“ war ihm, wie auch sein übriges frühes Werk, in späteren Jahren wohl peinlich.  Allerdings völlig zu Unrecht, merkt Professor Konrad an.

 

Das Problem ist: Lässt man die Autobiographie außen vor, sind die Quellen rar zu Wagners Zeit in Würzburg – nur zwei Briefe aus seiner Feder sind aus dem Jahr 1833 erhalten. Damals war Wagner erst 19 Jahre jung– und damit selbst noch nicht geschäftstüchtig. So mussten, als er nach Würzburg kam, seine Geschwister Rosalie und Albert  für ihn bürgen. Albert arbeitete in jenen Tagen am Würzburger Stadttheater als Tenor und verhalf seinem Bruder zum ersten Engagement. Der 19-Jährige wurde für ein Jahr als „Choreinstudierer“ angestellt, wie es im bis heute erhaltenen Vertrag heißt.  Er selbst betitelte sich später in „Mein Leben“ als „Chordirektor“.

 

Faktisch arbeitete der junge Musiker allerdings nur  wenige Monate am Theater – nämlich ab Februar 1833 bis zum Ende der laufenden Spielzeit im April oder Mai desselben Jahres. Reich machte ihn diese Zeit nicht: Wagner erhielt gerade einmal zehn Gulden im Monat. „Das war wenig Geld – er bekam mehr als die Putzfrau, aber weniger als der Theaterfriseur“, sagt Professor Konrad. Laut Vertrag war der junge Richard übrigens nicht nur, damit beauftragt, für laufende Produktionen die Chorszenen einzustudieren. Auch hatte er sich mit seiner Unterschrift verpflichtet, als Schauspieler oder Balletttänzer einzuspringen, sollte Not am Mann herrschen. Ob er tatsächlich Statistenjobs übernahm, weiß man nicht. Auf dem Spielplan stand in jener Zeit auch Heinrich Marschners romantische Oper „Der Vampyr“ – Wagners Bruder Albert sang die Hauptrolle des Aubry. Dies ist insofern spannend, als Richard deshalb die Arie „Wie ein schöner Frühlingsmorgen“ mit einem neuen, effektvollen Schlussteil versah.

 

Seine kompositorische Hauptarbeit in jener Zeit galt allerdings seiner ersten Oper „Die Feen“ – eine Anschlagstafel an Wagners Würzburger Wohnhaus zwischen Theater und Residenz erinnert daran. Wobei Professor Konrad darauf hinweist, dass „erste Oper“ nicht ganz richtig ist, denn der Komponist hatte, als er nach Franken kam seine Komposition „Die Hochzeit“ im Gepäck. Seine Schwester Rosalie fand das Werk allerdings so schrecklich, dass Wagner es weit gehend vernichtete – nur die Eröffnungsszene blieb ausgerechnet in Würzburg erhalten. Auch „Die Feen“  verleugnete Wagner später und die Oper wurde erst nach seinem Tod uraufgeführt. 2004 stand das Frühwerk übrigens erstmals auch im Mainfrankentheater auf dem Spielplan. Konrad betont: Für einen jungen Musiker spricht aus dem abendfüllenden Werk bereits eine extreme Leistung. Immerhin hatte der inzwischen 20-Jährige eine 600 Seiten starke Partitur im Gepäck, als er nach einem Jahr Würzburg wieder verließ.

 

Doch war dies nicht Wagners einzige Begegnung mit der mainfränkischen Stadt – nicht zuletzt, weil seine Nichte Franziska sich mit Musikdirektor Alexander Ritter nach Würzburg verheiratet hatte. Dem Schwager schrieb er so auch eines Tages, dass er den Rheinwein nicht mehr vertrage - und bestellte deshalb Würzburger Wein. Er habe gehört, dieser sei ein leichter, bekömmlicher Tischwein.

Und auch als sich Richard Wagner Ende 1872 auf die Suche machte nach einem geeigneten Ort für sein künftiges Festspielhaus, richtete sich sein Blick nach Würzburg. Er traf sich mit Bürgermeister Zürn, um auszuloten, ob die Bischofsstadt in Frage käme. „Wagner sucht eine kleine Stadt, wo nichts ablenken sollte von seiner Festspielhaus-Idee“, merkt Konrad an. Die Hanglange oberhalb der Stadt Richtung „Zum letzten Hieb“ hätte er sich dafür gut vorstellen können. Bürgermeister Zürn allerdings stellte klar: Würzburg habe schon ein Theater – ein zweites brauche es nicht.  

Der Artikel ist im Main-Echo erschienen.

Linkes Bild: Professor Ulrich Konrad. Oberes Bild rechts: Nahe dem Theater komponierte Richard Wagner seine Oper „Die Feen“. Unteres Bild rechts: Am Letzten Hieb befand sich zu Wagners Studentenzeit ein gerade auch bei Studenten beliebter Biergarten. Auch der junge Komponist hielt sich dort gern auf.

Fotos: Michaela Schneider

 

Infokasten: Vortrag „Wagner in Würzburg“

 

Wer mehr über „Richard Wagner in Würzburg“ erfahren möchte, kann dies am Dienstag, 2. Juli, im Zuge der Ringvorlesung „Kulturstadt Würzburg II“ der Universität. In seinem Vortrag um 19.30 Uhr an der Neuen Universität am Sanderring im Hörsaal 166 wird Professor Ulrich Konrad unter anderem der Frage nachgehen, Warum Wagners Würzburg-Episode in der Literatur kaum Beachtung findet, obwohl der Komponist hier fast ein Jahr lang gelebt hatte.