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Rhythmisch, modern, atonal
Ausnahmetalent David Vorraber studiert seit drei Jahren an der Hochschule für Musik – Für
seine Komposition „Toccata“ erhielt er beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ einen Förderpreis


Von Michaela Schneider

Würzburg/Retzbach  Ein Wunderkind? Nein, das sei er nicht, sagt David Vorraber. Das klinge viel zu mozartmäßig, vielleicht sei er ein Ausnahmetalent, fügt der zwölfjährige Schüler aus dem unterfränkischen Retzbach selbst an. Mit neun Jahren begann der junge Pianist ein Vorstudium an der Hochschule für Musik in Würzburg. Im Frühjahr gewann er einen Förderpreis bei dem Bundeswettbewerb „Jugend komponiert“ für seine Toccata.


Davids Begabung, vor allem seine Musikbegeisterung, dürfte nicht von ungefähr kommen, beide Eltern arbeiten als Profimusiker. Den ersten Klavierunterricht erhielt der Junge mit vier Jahren, mit sechs Jahren kam die Blockflöte dazu. Und während andere Kinder in seinem Alter gerade erst schreiben lernten, schrieb David Mozartwerke ab, weil er verstehen wollte, wie Musik, wie Komposition funktioniert. Über seinen ersten eigenen Zweizeiler sagt er heute mit einem Schulterzucken: „Das kann man vielleicht nochmal verwursten.“


Sein Opus – also sein eigenes offizielles Werk - beginnt allerdings erst im Jahr 2014. „Vorher waren ganz gute Sachen dabei, aber die Zeit ist vorbei“, sagt er. Auch jene Werke, die er beim Bundeswettbewerb „Jugend komponiert“ einreichte, stammen aus jüngerer Zeit. Das Gewinnerstück „Toccata“, die „Fantasie über George Gershwin“ oder das Form- und Farbspiel zum Beispiel. Auch fürs Schulorchester ist schon eine Auftragsarbeit entstanden.


Bach, Beethoven, Mozart, Romantiker wie Rachmaninow oder Gershwin sieht David als Vorbilder, betont aber: „Man kann von allen lernen, muss aber einen eigenen Stil entwickeln.“ Und den hat David für sich längst definiert: rhythmisch, modern, atonal. Er gebe bewusst keine Tonart vor, schräge Klänge dürften und sollten vorkommen. Nur selten komponiert er klassisch tonal. „Das ist mir zu alt, zu abgenutzt“, sagt der 12-Jährige. Hinzu kämen ausgefallene Besetzungen, zum Beispiel wenige Bläser oder auch nur eine Trompete oder ein Horn.    


Komponieren ist für David dabei ein hochkreativer Prozess – oft kommen ihm plötzlich Ideen. „Blöd ist es, wenn ich in der Schule einen Einfall habe. Kann ich diesen nicht gleich aufschreiben, verliere ich ihn vielleicht wieder“, sagt der Gymnasiast. Aus vielen einzelnen Ideen, von denen er nach eigener Aussage oft Dreiviertel wieder verwerfe, entstünden seine Stücke. Dabei komponiere er erst am Klavier, übertrage dann auf den Computer.


Seit drei Jahren studiert David nun zudem an der Hochschule für Musik. Jede Woche fährt er zum Klavierunterricht nach Würzburg, hinzu kommen Kurse zu Theorie, Gehörbildung, zu Komposition. An der Hochschule spielte er auch seine ersten Konzerte. Zehn bis zwölf Mal pro Jahr tritt er mittlerweile auf, meistens in Würzburg und Umgebung oder im Raum Main-Spessart. Seine erste eigene Komposition präsentierte der Jungstudent dem Publikum im Sommer 2014 an der Hochschule für Musik in Würzburg. Ob er damals besonders aufgeregt gewesen sei? David winkt ab. „Die Leute kennen's nicht. Du kannst also eigentlich spielen, was Du willst. Bei bekannten Werken ist das anders.“ Und dann stellt der 12-Jährige noch eine generelle Sache klar. Aufgeregt sei er eigentlich nie, denn: „Entweder man hat Angst oder man ist einer von den Coolen.“ Und Letzterer ist David wohl selbst bei Wettbewerben wie „Jugend musiziert“ oder dem Steinway-Wettbewerb, bei denen der Schüler schon mehrfach sein Talent unter Beweis stellte und den Pokal holte.  


Ungewohnt war für den jungen Musiker, als beim Kompositionswettbewerb im Frühjahr dieses Jahres sein eigenes Werk von einer anderen Pianistin gespielt wurde. „Man merkt erst dann, wo es hakt, was man anders machen sollte, in welchen Fällen die Legende noch genauer geschrieben werden muss“, stellte David fest. Für den Sieg in seiner Altersklasse reichte es trotzdem. Als Gewinn winkte ein sechstägiger Kompositionskurs mit den 15 Preisträgern aller Altersklassen bis einschließlich 22 Jahre.  Insgesamt hatten zuvor 105 Teilnehmer 220 Kompositionen eingereicht.


Ein hochtalentierter Jungpianist und Komponist – da liegt die Vermutung nahe, dass nicht viel Zeit für andere Hobbys und Interessen bleibt. David schüttelt den Kopf. Er liest gern, trifft sich mit Freunden, spielt mit ihnen Fußball und Badminton. Klavier übe er eine Stunde am Tag, Horn eine halbe Stunde. Und fürs Komponieren gebe es keine festen Zeiten, das mache er, wenn er Lust habe.


Und wie stellt sich der Jugendliche seine weitere Zukunft vor? Nach dem Abitur, nach dem Jungstudium wolle er „richtig“ studieren. Und danach? Nur vom Komponieren zu leben, sei kaum möglich. Und Pianisten verdienten ihr Geld hart, müssten ständig herumreisen, reflektiert der Zwölfjährige. Vorstellen könne er sich, als Dirigent zu arbeiten. Und Klavier, Horn und Komponieren werden auf jeden Fall Hobby bleiben.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Komponiert mit zwölf Jahren eigene Werke: Pianist und Ausnahmetalent David Vorraber.  


Foto: Michaela Schneider