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Zündstoff in der Familiengeschichte
Spessartgrotten-Ensemble in Langenprozelten spielt das französische Salonstück „Der Vorname“


Von Michaela Schneider
Gemünden-Langenprozelten
Nicht nur in der Weltgeschichte lagert Zündstoff, sondern auch in der Familienhistorie: Darum dreht sich das Kultstück der Autoren Matthias Delaporte und Alexandre de la Patelliére. Zu sehen ist es jetzt in der Spessartgrotte in Gemünden-Langenprozelten. Regisseurin Helga Hartmann und Regieassistenz Gusti Sommer geben der Komödie vielleicht nicht die intellektuelle Tiefe, wie manch andere Bühne. Aber das rasante Salonstück unterhält.  Bei der Premiere dauert es ein wenig, bis sich das Publikum mit der Komödie erwärmt. Nach der Pause aber wird herzhaft gelacht und mitgefiebert.   


Guter Wein und Häppchen aus aller Welt, liberal-intellektuelle Gespräche und fröhliche Schlagabtausche: Eigentlich steht bei den Garauds ein gemütlicher Abend mit Familie und Freunden auf dem Plan.  Doch der Abend eskaliert, als Vincent verrät, wie er sein Baby nennen möchte. Der Vorname „Adolphe“ sorgt im Akademikerkreis für Entsetzen. Romantischer Romanheld par excellence oder aber ein Bekenntnis zum Faschismus?  Alphatiere prallen aufeinander, eine Schlacht der Argumente beginnt: Hat das Baby schon auf dem Ultraschallbild einen Rechtsdrall wie der Vater? Vincent hält gegen, Hitler habe den Franzosen schon Elsass und Lothringen genommen, aber die Vornamen werde er nicht auch noch stehlen. Doch ist die Namensdiskussion nur die Spitze des Eisbergs. Bald schon kommen noch viel düsterere Geheimnisse ans Tageslicht - angefangen beim ermordeten Hund bis zur heimlichen Liaison.

Regisseurin Helga Hartmann setzt etwas zu stark auf offensichtliche Komik, zu wenig auf Feinsinn.  Es ist zu laut auf der Bühne, dadurch bleiben die Charaktere anfangs blass und der Komödie fehlt ein Stück weit die Tiefe. Der Wortwitz – und davon lebt das französische Salonstück eigentlich -  kommt beim Publikum vor der Pause nicht voll an. Das ändert sich zum Glück im zweiten Part, denn jetzt geht es nicht mehr nur ums Sprachduell. Ein düsteres Familiengeheimnis nach dem anderen kommt ans Tageslicht – das bietet dem Ensemble mehr Raum für Überraschungsmomente und Situationskomik.


Moritz Mühleck spielt die Rolle des erfolgreichen Self-Made-Geschäftsmanns Vincent sehr glaubhaft. Die selbstbewussten Gesten, die breitbeinige Sitzhaltung, das unsympathisch hohe Lachen: Das alles passt zum Immobilienmakler. Und ja, eigentlich steckt tief im Businessmann immer noch ein kleiner Junge. Auch Iris Katzer als schwangere Lebensgefährtin Anna Caravati fügt sich sehr gut in ihre Rolle. Sie spielt sich nicht in den Vordergrund, aber ist präsent wenn nötig.


Michel Schäfer gibt als Pierre Garaud wie immer alles – das Publikum erlebt zitternde Lippen, Wutausbrüche, fassungslose Blicke. Allerdings wäre diesmal etwas weniger mehr, denn den intellektuellen Literaturprofessor will man ihm nicht so recht glauben. Weniger Wut und Lautstärke, dafür mehr intellektuelle Arroganz täten der Rolle gut. Paul Seeger hält sich auf der Bühne dezent zurück, passend zum sensiblen Claude. Tanja Green überdreht die Rolle der frustrierten, zickigen Ehefrau Elisabeth. Das wirkt zum Teil etwas zu gespielt.  Greens wunderbarer, hochemotionaler Wutmonolog auf die ganze Familientruppe  reißt`s aber am Ende wieder raus.


Andy Hartmanns Bühnenbild ist nett:  farbige Wände, moderne Kunst, Bücher und eine helle Sitzgruppe passen wunderbar ins intellektuelle Milieu.  Und schließlich gibt`s da noch einen Tisch mit Sollbruchstelle, der für echte Bühnenaction sorgt.


Zusammengefasst: Etwas weniger wäre diesmal mehr in der Spessartgrotte. Aber die Hauptsache ist: Die Komödie macht Spaß und das Publikum fühlt sich gut unterhalten. Das zeigt der eifrige Applaus am Ende des Premierenabends.  

Manchmal will Elisabeth lieber nicht hören, was der Ehemann zu sagen hat. Michel Schäfer als Pierre und Tanja Green als Elisabeth.

Alle Fotos: Michaela Schneider


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Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.