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Geld gegen Moral

Schauspiel Ibsens Drama „Ein Volksfeind“ im Mainfrankentheater in Würzburg liefert in
einer generalüberholten Inszenierung gute Unterhaltung mit echtem, topaktuellem Tiefgang

 

Von Michaela Schneider

 

Würzburg Geld und Moral passen nicht zusammen.  Das war zu Henrik Ibsens Lebzeiten im Jahr 1882 so – und bis heute hat sich daran nichts geändert. Das merkt, wer derzeit ins Mainfrankentheater in Würzburg geht. Regisseur Andreas von Studnitz hat das Drama „Ein Volksfeind“ des norwegischen Autors gekonnt in die Ist-Zeit projektiert. In gekürzter Fassung und zeitgemäßer Sprache  ist es nun zu sehen und erzählt im modernen Kleid vom Kampf zwischen Ökologie und Ökonomie, Wahrheit und Opportunismus.  Eine überaus gelungene, junge in sich sehr stimmige Inszenierung mit eigenem Charakter. Gekonnt lockert von Studnitz die sehr ernsthafte Thematik mit einigen humoristischen Szenen auf, ohne jedoch vom Kern abzulenken.

 

Die Handlung des Volksfeinds ist dabei rasch erzählt. Kurarzt Dr. Stockmann (Matthias Breitenbach) findet heraus, dass das Wasser in seinem Heimatort verseucht ist – das Kurbad müsste eigentlich geschlossen oder erneuert werden. Zunächst scheint es, als ob der Doktor die örtliche Zeitung auf seiner Seite hat, um die Missstände publik zu machen. Er plant eine Großoffensive gegen die Obrigkeit der Stadt, allen voran gegen seinen Bruder, den örtlichen Bürgermeister (Rainer Appel). Der aber hält wenig von der Wahrheit, denn das Kurbad ist schlichtweg die größte Einnahmequelle des Ortes. Mit Intrigen und sichtbar falschen Fakten zieht er sowohl die Presse als auch die Bürger auf seine Seite. Die Wahrheit will kaum einer mehr sehen. Dr. Stockmann wandelt sich im Laufe des Stücks in einem hoffnungslosen Kampf gegen die Masse zum kompromisslosen Fanatiker, dem es längst nicht mehr nur um das Wohl der Stadt geht und der bereit ist, alles - inklusive Familie - zu opfern. Inzwischen geht es ihm um eine „Revolution gegen die Lüge, dass die Mehrheit die Wahrheit gepachtet hat.“  Stockmann ist jetzt „ein Volksfeind“ und sagt in der modernen Ibsen-Variante selbst: „Gut, dann bin ich eben ein Nazi.“

 

Das minimalistische Bühnenbild ist gut gewählt – ein Wasserbecken, ein paar Stühle, eine Liege sowie projektierte Wasserwellen lenken nicht weiter ab von der ernsten Thematik. Auch bei den Kostümen verzichtet Malve Lippmann auf Experimente – nicht alt und auch nicht ganz modern untermauern sie die zeitlose Aktualität des Dramas. Als Geräuschkulisse genügen das morgendliche Zirpen zu Beginn und die psychodelischen Klänge zwischen den Szenen vollauf. Ein paar Effekte fehlen nach der Pause trotzdem nicht: Ein Boulevard-Filmteam berichtet live von der Bürgerversammlung, die Aufzeichnung flimmert dabei zeitgleich auf der Bühne. Geschickt einbezogen wird dabei das Publikum: Der Verleger Aslaksen spricht jetzt als Vorsitzender der Hausbesitzer selbst mitten im Theatersaal, die Zuschauer werden als Bürger zu Mitwirkenden. Zum Höhepunkt der Eskalation kreist später eine brennende Puppe durch den Garten des Doktors.

 

Das ganze Ensemble überzeugt, schauspielerisch ragt dennoch Matthias Breitenbach in der Rolle des Dr. Stockmann heraus. Schon am Anfang weiß man nicht, ob man den von sich selbst recht überzeugten Arzt nun sympathisch finden soll. Am Ende ist er nicht nur fanatischer Einzelkämpfer. Mit fiepender Stimme scheint er dem Wahn verfallen, ehe er wieder völlig klar feststellt: „Der stärkste Mann ist der, der für sich allein steht.“ Breitenbach verkörpert damit, was so typisch für das Ibsen-Drama ist: Ein reines Schwarz und Weiß, Gut und Böse und echte Helden kann es nicht geben. Für Auflockerung im wahrsten Sinn des Wortes sorgt Kai Christian Moritz als Redakteur des „Volksboten“. Während er die Bürgerversammlung moderiert, versucht er in einer comedyreifen Show, das Mikrofonkabel zu entknoten. Das allerdings scheint genauso unlöslich verworren, wir die Situation selbst. Nett auch Boris Wagner als wortkarger Kapitän von Ehre.

 

Kurzum ist dem Mainfrankentheater eine tolle Inszenierung gelungen, gerade auch wenn man berücksichtigt: Ursprünglich war Grazyna Kania als Regisseurin angedacht, musste die Regiearbeit aber krankheitsbedingt absagen. Regisseur Andreas von Studnitz sprang kurzfristig ein. „Ein Volksfeind“ in Würzburg liefert gute, kurzweilige Unterhaltung mit echtem Tiefgang!   

 

 

 

 

 

Infokasten: Der Bau der MAGIC-Teleskope

 

Um die 150 Astronomen und Physiker waren am Bau des ersten Magic-Teleskops beteiligt, 2003 wurde es fertiggestellt. „Fast alles ist in Eigenarbeit geschehen“, betont der Würzburger Astronomieprofessor Karl Mannheim, veranschaulicht: „Studenten haben die Teleskope selbst mitaufgebaut, Kabel gezogen und die Software zum Laufen gebracht.“ Aus Würzburg stammte dabei unter anderem die komplette Antriebstechnik – und die hat es in sich, denn: Um die 60 Tonnen wiegt ein einzelnes Teleskop, das sich innerhalb von 20 Sekunden auf jeden beliebigen Punkt ausrichten lässt. Auch viele der Fotosensoren und die Software für die Analyse und die Bildgebung kommen aus Unterfranken. 2009 folgte das Zwillingsteleskop, Ende 2011 ein kleineres, drittes Teleskop mit neuer Technik. Zwölf Teams sind derzeit am Projekt MAGIC auf La Palma beteiligt. Um die 13 Publikationen pro Jahr resultieren aus deren Beobachtung des Universums. Rund fünf Millionen Euro sind in Bau und Weiterentwicklung der Magic-Teleskope bislang geflossen, gefördert wird die Arbeit vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

 

Der Artikel wurde unter anderem  im  Fränkischen Tag veröffentlicht.

Letzte Handarbeiten am optischen Teleskop in Hettstadt. Im Bild (von links) Christian Lorey (Friedrich-Koenig-Gymnasium), Dominik Elsässer, Ralf Mündlein.  Das Bild ist kurz vor der Einweihung dieses Jahr im Januar entstanden.       

 Archiv-Foto: Elsässer

Infobox

 

Dauer: Zwei Stunden (mit Pause);

 

nächste Vorstellungen: 11 Uhr: 21.02.; jeweils 15 Uhr: 03.03./ 10.03.; jeweils 19.30 Uhr: 02.02./ 05.02./ 06.02./ 09.02./ 17.02./ 20.02./ 23.02./ 01.03./ 08.03./ 21.03.

Der Artikel ist unter anderem im Main-Echo erschienen.