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Von bitterbösen Geschwistern und missratenen Geburtstagen
Kammerspiele des Mainfranken Theaters in Würzburg zeigen derzeit Rebekka Kricheldorfs „Villa
Dolorosa“ – eine sehr freie, hochunterhaltsame Adaption des Tschechow-Klassikers „Drei Schwestern“


Von Michaela Schneider
Würzburg
Sie zoffen sich und lieben sich. Sie werfen sich Boshaftigkeiten an den Kopf und können doch nicht ohne die anderen. Geschwisterliebe ist etwas Eigenartiges – das weiß, wer selbst Geschwister hat, und erfährt, wer derzeit die Würzburger Kammerspiele im Mainfranken Theater besucht. Zu sehen: Rebekka Kricheldorfs „Villa Dolorosa“, eine moderne, sehr freie Adaption des Tschechow-Klassikers „Drei Schwestern“, inszeniert von dem freien Regisseur Axel Stöcker. Das Publikum darf zwei knappe, sehr kurzweilige Stunden lang über Wortwitz, Schlagfertigkeit, bitterböse Dialoge und Situationskomik lachen. Und doch birgt die schwarze Tiefgang. Sie öffnet den Blick auf Konzepte von Liebe und Beziehung, Arbeit und Sinn, auf Lebenswirklichkeiten und unerfüllte Wünsche in der modernen Gesellschaft.


Die Eltern sind tot, die Geschwister Olga (Maria Brendel), Mascha (Petra Hartung), Irina (Marianne Kittel) und Andrej (Uwe Fischer) leben in einer Provinzstadt in der maroden Familienvilla. Jedes Jahr passiert es an Irinas Geburtstag aufs Neue: Die Partys geraten zum Desaster, die Geschwister werden mit ihrem eintönigen Leben konfrontiert. Eine Endlosschlaufe, so komisch wie tragisch. Irina will nur arbeiten, wenn es die Menschheit weiterbringt. Der Reihe nach studiert sie Philosophie, Soziologie, Mikrobiologie, doch nichts taugt dafür. Was also stattdessen tun? Das Familienerbe verprassen sowie in Comics und Kinderbüchern schmökern. Und auch kein Mann ist Irina gut genug: „Jens oder Sven oder Jan oder Gerd: Das ist doch immer dasselbe öde Modell!“ Marianne Kittel gibt der Figur der Irina etwas Naives, man nimmt ihr in aller Absurdität tatsächlich ab, dass irgendeine Arbeit für die junge Frau keine Option wäre.


Olga dagegen arbeitet als Lehrerin, der Direktorinnenposten fällt ihr in den Schoß. Doch frustriert ist auch sie, muss sie doch tagein tagaus in der Schulklasse wie im Lehrerzimmer in die gleichen „Schafsgesichter“ schauen: „Jeden Tag dieselben Gesichter, die mit leeren Augen in ihre glanzlose Zukunft starren!“ Maria Brendel tritt im Kostüm auf – so rabenschwarz wie ihr herrlich fieser Zynismus in der Rolle der Olga.  Raus aus den gesellschaftlichen Zwängen schafft sie`s nicht, auch wenn sie sich im Wodkarausch alle Mühe gibt, aus dem einengenden Kostüm zu schlüpfen.


Mascha ist verheiratet, beichtet den Geschwistern aber: Jeden Morgen auf der Toilette nimmt sie heimlich die Pille, weil sie kein Kind von einem Mann will, den sie nicht liebt. Als sie den verheirateten Georg (Timo Ben Schöfer) trifft, lässt sie sich auf eine Affäre ein. Arbeiten allerdings gibt sie ziemlich schnell wieder auf – der Job als Wurstverkäuferin berge „zu wenig Poesie“. Apropos Georg: Timo Ben Schöfer sorgt mit seiner wunderbar trockenen, beherzten Art für die meisten Pointen und Lacher des Theaterabends.


Und schließlich ist da noch der Bruder Andrej. Der heiratet die spießbürgerliche, wenig intellektuelle Janine (Theresa Palfi), die bald schon die Macht in der Familienvilla an sich reißt. Uwe Fischer schafft es gut, die innere Zerrissenheit Andrejs herauszuarbeiten, Theresa Palfi konzentriert sich auf die Entwicklung von der Partymaus und dem Naivchen zur herrischen, kleinkarierten Hausfrau.  


Das Bühnenbild hält Tanja Hoffmann eher schlicht. Weiße Bänder versinnbildlichen anfangs noch die Wünsche und Hoffnungen, Ideen und Träume der Villabewohner. Im Laufe des Abends fallen sie zur Erde und öffnen den Blick auf rabenschwarze Wände und Tristesse. Die zunächst leeren Bilderrahmen indes füllen sich, als Janine ein Kind nach dem anderen  zur Welt bringt. Die Kostüme hält Hoffmann unaufdringlich und zeitgenössisch.


Fazit: Die „Villa Dolorosa“ ist eine überaus unterhaltsame Tragikomödie, ein beherztes Kammerspielteam gibt ihr am Mainfranken Theater den nötigen, bitterbösen Biss.


Dauer: 110 Minuten (ohne Pause); nächste Vorstellungen: jeweils 20 Uhr: 07.01./ 14.01./ 21.01./ 24.01./ 08.02./ 14.02./ 19.02./ 26.02./ 03.03./ 12.03./ 21.03.; 19 Uhr: 30.01.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

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Infokasten: Podiumsdiskussion zu „Villa Dolorosa“


Die Katholische Akademie Domschule veranstaltet am 30. Januar im Anschluss an die Vorstellung der „Villa Dolorosa“ in den Kammerspielen des Mainfranken Theaters eine Podiumsdiskussion zur Tschechow-Adaption. Gesprächsteilnehmer sind der Philosoph Prof. Dr. Gerhard Schweppenhäuser, Regisseur Axel Weber, Schauspieldramaturg Roland Marzinowski und Mitglieder des Würzburger Schauspielensembles. Die Theatervorstellung beginnt an dem Abend bereits um 19 Uhr, die Podiumsdiskussion schließt sich direkt um 21 Uhr an.