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Große Brüder und neue Väter
Familienforschung Zum Vatertag beschäftigt sich der
Pädagoge Martin R. Textor mit der Rolle der Väter einst, heute und in der Zukunft

 

Von Michaela Schneider

Würzburg Am Donnerstag ist Vatertag. Anlass, zu betrachten, wie sich die Rolle der Väter in der Gesellschaft verändert. Im Interview spricht der Würzburger Autor und Pädagoge Martin Textor über den gesellschaftlichen Wandel und verrät, was ihm selbst als Vater wichtig wäre.

 

Wodurch sind unser heutigen Vaterbilder vor allem geprägt?

Martin Textor: In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die Frau in sämtlichen Schichten aus dem Arbeitsprozess ausgegliedert und in die reine Mutter- und Hausfrauenrolle gedrängt. Dadurch kam es zu einer ganz starken Rollenteilung.

 

Und in Folge zu feministischer Kritik: Der Vater ist weder als Erzieher, noch als Ernährer oder Beschützer mehr nötig…

Textor: Genau. Dass sich bei Frauen Unzufriedenheit aufbaute und sie sich von der Mutter- und Hausfrauenrolle emanzipierten, war ebenso logische Konsequenz wie der Vorwurf, der Mann übernehme sowieso keine Vateraufgaben.

 

Und wie steht es heute um die Rollenteilung?

Textor: Tatsächlich ist es vielen Vätern nicht gelungen, aus dieser Rollenteilung wieder herauszukommen, sie betrachten sich nach wie vor als Ernährer der Familie. Zum einen ist das Einstellungssache, zum anderen aufgezwungen durch die zunehmenden Anforderungen der Arbeitswelt. Viele Väter kommen schlichtweg erst heim, wenn die Kinder schon schlafen.

 

Wie gehen Väter damit um?

Textor: Es gibt Väter, die dies als naturgemäß ansehen und damit kein Problem haben.  Auf der anderen Seite leiden Väter mit postmaterieller Orientierung teilweise sehr darunter, dass sie wenig Zeit für ihre Kinder haben.

 

Damit sind wir mittendrin in den heutigen Vaterbildern. Welche beobachten Sie noch?

Textor: Wir sehen Väter, die sich als große Brüder der Kinder fühlen, aber wenig Autorität ins Vater-Kind-Verhältnis einbringen. Heißt in der Praxis: Sie spielen viel mit den Kindern, die Hausaufgabenbetreuung ist indes nicht so wichtig. Und dann gibt es die „neuen Väter“, die sich bewusst und intensiv an der Erziehung beteiligen und zum Beispiel länger Erziehungsurlaub nehmen als die Mutter.

 

Wie wirkt es sich auf die Entwicklung des Kindes aus, wenn sich der Vater intensiv in die Erziehung einbringt?

Textor: Wissenschaftler betrachten dies als rundum positiv. Der Vorteil: Kinder bekommen zwei Geschlechterrollen vorgelebt. Das ist für die vorsexuelle Entwicklung wichtig, zumal Kindergärten und Grundschulen weitgehend von Frauen geprägt werden. Die Buben haben in ihren Vätern echte Vorbilder und suchen sich diese nicht nur über die Medien. Und auch die kognitive Entwicklung von Buben wie Mädchen wird erwiesenermaßen gefördert, wenn sie zwei Kommunikationspartner haben.

 

Allerdings schrumpft durch die Anforderungen der Berufswelt die Zeit für Kindererziehung massiv…

Textor: Beide Eltern sind berufstätig, die Arbeitszeiten sind lang, der Stress am Arbeitsplatz nimmt zu und manch einer nimmt Arbeit mit nach Hause. In Folge kommt es zu einer Vergesellschaftung von Familie und Bildung. Erziehungs- und Bildungsfunktionen werden an Staat und Institutionen delegiert. Und das nimmt mit Kinderkrippen und Nachmittagsbetreuung in Zukunft weiter zu.

 

Eine gute oder schlechte Entwicklung?

Textor: Ich sehe diese Entwicklung differenziert. Befürworter sagen, es sei gut, wenn Kinder möglichst bald von Fachkräften gefördert werden.  Allerdings wird dabei vernachlässigt, dass zwei Drittel des Schulerfolgs durch Familienfaktoren bedingt sind. Für Kinder, die aus einem guten Milieu stammen, ist die Vergesellschaftung deshalb eine eher negative Entwicklung. Auf Kinder aus problematischen Milieus wirkt sie sich positiv aus.

 

Sie haben selbst keine Kinder. Trotzdem die Frage: Was für ein Vater wären Sie gern geworden?

Textor: Ich wäre gern ein Vater geworden, der viel Qualitätszeit mit seinen Kindern verbringt. Darunter verstehe ich Zeit, die man ganz bewusst  mit jedem einzelnen Kind verbringt. Dabei geht es nicht um Stunden, das können auch bewusste Minuten sein. Das schafft also auch ein Vater, der sehr stark eingespannt ist! Das Problem ist: Eltern fehlt heute leider schlichtweg oft das Handwerkszeug im Umgang mit Kindern, weil  diese schon früh in Betreuungseinrichtungen kommen. Gut wäre, wenn gemeinsame Aktivitäten etwa durch Familienbildungseinrichtungen bewusst gefördert würden.

Der Artikel  ist im Main-Echo erschienen.

Infokasten: Zur Person Martin Textor

Der Pädagoge, Publizist und Autor Martin R. Textor wurde 1954 in Paderborn geboren. An der Würzburger Universität studierte er Pädagogik, Psychologie und Soziologie, Counselling and Guidance  an der State University in New York sowie Sozialarbeit an der Universität Kapstadt. Er arbeitete als wissenschaftlicher Angestellter am Staatsinstitut für Frühpädagogik, übernahm Anfang der 90er Jahre fürs Bayerische Staatsministerium für Familie die Redaktion des „Familienberichts der Bayerischen Staatsregierung“  und schrieb als Redakteur für den IFP-Infodienst „Bildung, Erziehung, Betreuung“.Textor veröffentlichte zahlreiche Fachbücher und mehrere hundert Aufsätze. 2006 gründete er gemeinsam mit seiner Frau Ingeborg Becker-Textor in Würzburg das nicht universitäre Institut für Pädagogik und Zukunftsforschung (IPZF).                          

 

www.ipzf.de