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Liebe: Wenn`s im Bauch kribbelt, arbeitet der Kopf
Der Aschaffenburger Chefarzt Professor Schneider erklärt zum

Valentinstag, was aus neurologischer Sicht passiert, wenn sich ein Mensch verliebt  


Von Michaela Schneider
Aschaffenburg/Unterfranken
Wer kennt das nicht: Es kribbelt im Bauch, man schwebt auf Wolke sieben, die Welt leuchtet in rosaroten Farben.  Noch dazu neigen frisch Verliebte gelegentlich zu so mancher  unbedachten Handlung. Aber woher kommen diese Gefühle eigentlich? Herzensangelegenheit, Bauchgefühl oder aber reine Kopfsache? Professor Dr. Rolf Schneider  ist Chefarzt der Neurologischen Klinik am Klinikum Aschaffenburg. Er erklärt zum Valentinstag, was mit uns passiert, wenn sich der menschliche Körper im Ausnahmezustand der Verliebtheit befindet.


Verliebt sein – was ist`s denn nun? Bauchgefühl oder Kopfsache?

Prof. Dr. Rolf Schneider:  Sowohl als auch, denn unser Kopf und unser Bauch stehen in enger Verbindung. Was sich im Kopf neuronal  abspielt, hat Auswirkung auf unser gesamtes Nervensystem und wird vom Kopf unter anderem an den Bauch weitergegeben. So nimmt das Kribbeln im Bauch letztendlich seinen Anfang im Kopf. Das funktioniert ganz ähnlich wie zum Beispiel Hungergefühl. Das Gehirn meldet: Der Körper hat Hunger, daraufhin knurrt der Magen.


Neurobiologen haben herausgefunden, dass Verliebte verstärkt Dopamin ausschütten. Was bewirkt der Botenstoff?

Schneider: Dopamin ist ein Belohnungsstoff. Auch wenn wir Schokolade essen, kommt es zum Beispiel zur verstärkten Ausschüttung. Das Resultat: Wir fühlen uns glücklich. Psychologen haben festgestellt, dass der Mensch mehr Dopamin produziert, wenn er jemanden sieht, den er attraktiv findet; wenn er jemandem begegnet, der ihm ähnelt; und wenn er jemanden trifft, der einen für ihn angenehmen Geruch verströmt.


Dopamin ist nicht der einzige Botenstoff, der Glücksgefühle auslöst. Spielt denn beim Verliebt sein auch das Glückshormon Serotonin eine Rolle?   

Schneider: Hier hat sich etwas auf den ersten Blick Erstaunliches  gezeigt: Die Serotonin-Ausschüttung nimmt bei vielen frisch Verliebten erst einmal ab, so paradox das klingt. Den tatsächlichen Grund kennen wir nicht, denn zu wenig Serotonin kann im Ernstfall zu Depressionen führen. Umgekehrt ist auch ein Zuviel an Serotonin problematisch, Neurobiologen  und Psychiater haben inzwischen einen Zusammenhang zwischen dem Serotonin-Stoffwechsel im Hirn und dem Auftreten von Zwangsstörungen ausgemacht. Bei Verliebten überkompensiert wohl die erhöhte Dopamin-Ausschüttung den Serotonin-Mangel.


Verliebte neigen ja gelegentlich zu irrationalen Handlungen. Liegt die Ursache ebenfalls im Gehirn?

Schneider (lacht):  Das ist das Phänomen aus Shakespeares Mittsommernachttraum, in dem sich die Protagonistin in einen Esel verliebt. Psychiater diskutieren ja zum Beispiel auch, ob ein Übermaß an Verliebt sein nicht sogar der Glückspsychose ähnelt – also jenem Zustand, in dem das Glücksgefühl  extreme Zustände bis zur rauschhaften Verzückung und entrückten Begeisterung erreicht. Ich vermute, dass etwas dran ist, sonst hätten Heiratsschwindler wohl kein so leichtes Spiel.  Aus neurologischer Sicht spielt der Neurotrophin-Stoffwechsel eine Rolle.  Neurotrophin ist im Gehirn für den Auf-, aber auch für den Abbau von Nervennetzen verantwortlich.


Und dann gibt es da auch noch das Oxytocin. Warum wird es umgangssprachlich als „Schmusehormon“ bezeichnet?

Schneider: Eine höhere Oxytocin-Konzentration bewirkt wohl, dass ich mein Gegenüber sympathischer finde. Experten haben dies untersucht, indem sie den Probanden Bilder unbekannter Personen zeigten. Bei höherer Oxytocin-Konzentration empfanden diese mehr Menschen als sympathisch.  Neurologen konnten auch bei Verliebten eine verstärkte Produktion des „Schmusehormons“, wie Sie`s bezeichnen, feststellen. Dabei stellt sich allerdings die Frage nach der Henne und dem Ei. Bewirkt mehr Oxytocin, dass sich ein Mensch verliebt? Oder aber kommt es zu einer verstärkten Konzentration, wen ich mich verliebe, und ich finde den anderen dadurch noch sympathischer? Vielleicht ist das Hormon auch Mitursache für so manchen Fehlgriff. Die Tochter blickt verliebt durch die Oxytocin-Brille, während die Eltern klar sehen und verständnislos den Kopf schütteln.


Und was passiert mit dem Sexualhormon Testosteron, wenn wir uns verlieben?

Schneider: Das ist ebenfalls eine spannende Angelegenheit, denn beim Mann sinkt der Testosteron-Spiegel, bei der Frau steigt er. Die Hypothese dahinter: Es kommt zu einer hormonalen Angleichung von Mann und Frau. Anders gesagt. Das sexuelle Verlangen der Frau steigt, der Mann ist nicht mehr ganz so scharf.


Ist`s als Neurologe nicht schrecklich unromantisch, wenn man sich Verliebtheit mit so vielen logischen Fakten erklären kann?

Schneider (lacht): Ein bisschen unromantisch ist das tatsächlich. Aber die gute Nachricht ist: Auch Neurologen und Psychiater verlieren hin und wieder den Kopf.


Alles Gute zum Valentinstag, Schatz!

     

Foto: Michaela Schneider


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Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.