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Kneippland und barocke Kleinode

Eine sanfte Hügellandschaft, historische Baukunst und lebendiger Brauchtum prägen das Unterallgäu


Von Michaela Schneider


Er dürfte zu den prominentesten Unterallgäuern zählen: Der bayerische Pfarrer und Hydrotherapeut Sebastian Anton Kneipp, der nicht nur die Wasserkur bekannt machte, sondern selbst zum Namensgeber der Kneipp-Medizin wurde. Und so erstaunt es nicht, dass der Gesundheitstourismus im Landkreis Unterallgäu heute eine zentrale Rolle spielt. Doch haben die 52 kreisangehörigen Gemeinden im Herzen Bayerisch-Schwabens weit mehr zu bieten – von barocker Baukunst über eine liebenswert-heimelige Museumslandschaft bis hin zum lebendigen Brauchtum. Bis heute prägt die Milchviehwirtschaft das Landschaftsbild, wenn sich auch in den vergangenen Jahren ein wirtschaftlicher Wandel vollzogen hat mit einem starken Mittelstand in zukunftsorientierten Branchen.


Die Landschaft des Unterallgäus zwischen der Wertach im Osten und der Iller im Westen gehört zur Iller-Lechplatte. Die Schotterlandschaft wurde dabei in ihrer heutigen Erscheinung von Gletschern am Ende des Quartärs geformt. Eine sanfte, abwechslungsreiche Hügellandschaft und zahlreiche Flüsse prägen das voralpine Bild. Mehrere Naturschutzgebiete, Landschaftsschutzgebiete und Biotope tragen zum Erhalt ökologisch wertvoller Flächen und dem Schutz gefährdeter Tierarten bei. Bekannte Naturdenkmale im Unterallgäu sind unter anderem die 600000 Jahre alten und bis zu 15 Meter hohen „Geologischen Orgeln“ bei Bossarts, die der Wind regelmäßig zum „Singen“ bringt. Im Frühjahr lohnt  zum Beispiel auch der Ausflug in die Aurikelschlucht bei Engetried, wenn seltene Aurikel die Schlucht in leuchtendem Gelb erstrahlen lassen. Zudem noch der Blick auf eine tierische Attraktion: Jahr für Jahr kommen Störche nach Pfaffenhausen, um auf dem Dach des Blindenheims zu brüten. Das an sich ist noch nicht ungewöhnlich, aber: Per Videokamera und Direktübertragung können Besucher den Vögeln auf einer großen Leinwand im Ort beim Brüten und der Aufzucht der Jungen zuschauen.


Die Hügellandschaft der Region lockt dabei vor allem auch gesundheitsorientierte Gäste: Als Teil des Wanderwegenetzes „Allgäuer Wandertrilogie“ wirbt das Unterallgäu mit sanftem Wiesenwandern. Ein gut ausgebautes, rund 300 Kilometer langes und seit 2009 einheitlich ausgeschildertes Radwegenetz ergänzt das Bewegungsangebot. Jede Menge Tourenvorschläge liefert das zentrale Internetportal www.radportal-unterallgaeu.de Der so genannte „Aktiv Park Kneippland Unterallgäu“ erstreckt sich über sieben Erlebnisstationen und zahlreiche Kneippanlagen in verschiedenen Kommunen. Zentrale Anlaufstelle für Erholungssuchende Aktivurlauber dürfte vor allem auch das Thermal- und Gesundheitsbad in Bad Wörishofen sein. Eine riesige, zu öffnende Glaskuppel überspannt hier mehr als 2500 Quadratmeter palmengesäumte Thermenlandschaft. Hinzu kommt eine 2000 Quadratmeter große Saunawelt. Ein weiteres, junges Ausflugsziel bildet seit dem Frühjahr 2007 die Natur-Therme Bedernau.


Zudem ein Blick auf die Historie der Region. Tatsächlich reichen die kulturellen Spuren im Unterallgäu zurück bis in die Zeit der Römer: 15 vor Christi Geburt waren römische Legionen über die Alpen gezogen und hatten Augusta Vindelicorum – das heutige Augsburg - zur Hauptstadt der Provinz Rätien erklärt. Den heutigen Landkreis Unterallgäu sollten bald darauf von Mailand und von Bregenz aus zwei wichtige Römerstraßen gen Augsburg durchziehen. Und so sind Scherben- und Münzfunde auf manchem Unterallgäuer Acker nach wie vor keine Seltenheit. Auf die Römer folgten die Alamannen, bzw. Schwaben. Die spätere Herrschaftsgeschichte der Region lässt sich gut vom Wappen ablesen. Im südlichen Teil des Landkreises hatte die Reichsabtei Ottobeuren das Sagen, im Wappen symbolisiert durch eine goldene Rosette auf schwarzem Grund. Unter den weltlichen Herrschern dominierten die Fugger mit Babenhausen und Kirchheim als Zentren, davon zeugt die blaue Fuggerlilie auf gelbem Untergrund. In der gesenkten Spitze des Wappens schließlich befinden sich die bayerischen Rauten, denn bereits im 17. Jahrhundert standen die Herrschaften Türkheim und Mindelheim in engem Kontakt mit Bayern. Im frühen 19. Jahrhundert wurde der Landkreis Unterallgäu der bayerischen Verwaltung unterstellt.


Kirchen und Klöster, Burgen und Schlösser, Patrizierhäuser und stattliche Bauernhöfe halten dabei die Historie des Landkreises lebendig. Darunter weit über die Grenzen Europas hinaus bekannt: die fast 1250 Jahre alte Benediktinerabtei Ottobeuren mit ihrer barocken Basilika. Jahr für Jahr zieht es Musik- und Kulturliebhaber aus aller Welt zu den Ottobeurer Konzerten, Jahr für Jahr geben sich hier hochkarätige Musiker und bekannte Dirigenten die Ehre, Jahr für Jahr erfüllen die Rieporgeln das Gotteshaus mit Festtagsklängen. Und nicht nur die Fahrt nach Ottobeuren lohnt: Als attraktive, kulturelle Ausflugsziele locken zum Beispiel auch das Fuggerschloss in Babenhausen, Schloss Kirchheim mit seinem Zedernsaal, die trutzig-romanische Mindelburg, das Schloss zu Bad Grönenbach und kleine Kostbarkeiten wie die St.-Magnus-Kirche in Ammerding, die gerne auch als „kleine Wies“ betitelt wird.


Wer den Allgäuer Literatur-Kommissar Kluftinger des Autorenduos Kobr/Klüpfel kennt und liebt, dem sei zudem ein Abstecher nach Buxheim empfohlen, denn: Der „bußfertige Sünder“ im Chorgestühl der dortigen Kartause spielt im Roman „Erntedank“ eine zentrale Rolle.  Weniger bekannt, aber eine echte Kuriosität ist im Unterallgäu ein anderer Sakralbau. Die Rede ist vom schiefen Kirchturm von Köngetried, einem Ortsteil der Gemeinde Apfeltrach. Der im 13. Jahrhundert erbaute, 36 Meter hohe Kirchturm von St. Stephan neigt sich dabei gleich doppelt nach Osten und nach Norden. Statiker stellt er vor Rätsel, denn: Auf wasserreichem Untergrund errichtet, hätte der schiefe Turm längst umkippen müssen. Das mag im 13. Jahrhundert auch sein Baumeister befürchtet haben und nahm sich das Leben.


Ein beliebtes Ausflugsziel im Unterallgäu bildet zudem Mindelheim, die Kreisstadt des schwäbischen Landkreises mit einer hübschen Innenstadt, sehenswerten Museen wie etwa dem Schwäbischen Turmuhrenmuseum mit rund 50 Turmuhren aus mehr als fünf Jahrhunderten und zahlreichen weiteren Zeugen der Uhrmacherkunst. Wer hier auf kuriosen Spuren wandeln möchte, dem sei eine Fahrt zum Heinzenhof bei Pfaffenhausen empfohlen. Das Gut – auch heute noch in Privatbesitz - hatte im frühen 18. Jahrhundert einem Franz Xaver Rauch gehört, der im betagteren Alter ein 17-jähriges Mädchen heiratete. Weil er die junge Braut beeindrucken wollte, ließ er teures Salz aus Salzburg bringen und den sechs Kilometer langen Weg zwischen Mindelheim und dem Heinzenhof komplett bestreuen. Warum der Aufwand? Nun, so konnte er mit seiner Braut mitten im Sommer im Schlitten zum Gut fahren. Die Geldverschwendung kam dem Gutsbesitzer allerdings teuer zu stehen: Am Ende seines Lebens soll er derart verarmt gewesen sein, dass er Zündhölzer verkaufen musste.


Das Unterallgäu heute: Ländlich geprägt spielen Ackerbau und Milchviehwirtschaft in der Region immer noch eine zentrale Rolle. Mit rund 70000 Kühen handelt es sich um den milchstärksten Landkreis in Deutschland. Wer sich für die landwirtschaftliche Vergangenheit der Region interessiert, sollte einen Ausflug ins Schwäbische Bauernhofmuseum  nach Illerbeuren unternehmen. Dabei handelt es sich um das älteste Freilichtmuseum in Bayern – mehr als 20 umgesiedelte Gebäude erzählen von früheren Lebens- und Arbeitswelten des schwäbischen Landvolks.  Doch auch wenn die Landwirtschaft immer noch ihre Daseinsberechtigung behauptet, konnte das Unterallgäu in den letzten Jahrzehnten einen wirtschaftlichen Wandel durchlaufen. Viele mittelständische Unternehmen vom Maschinenbau und der Metallverarbeitung bis hin zu zukunftsorientierten Branchen aller Couleur konnten Fuß fassen. Ein zentraler Grund dürfte dabei die gute infrastrukturelle Anbindung der Region sein: Bei der kreisfreien Stadt Memmingen kreuzen sich die Autobahnen 7 und 96, Mitte 2007 starteten die ersten Linienflüge vom „Allgäu Airport“ bei Memmingerberg.


Bei aller Zukunftsorientierung bleiben die Menschen in der Region dennoch ihrer Wurzeln treu, Brauchtum und Tradition werden im Unterallgäu bis heute authentisch gelebt: So lodern zum Beispiel seit Jahrhunderten die Funkenfeuer, um im Februar den Winter zu verabschieden. In Leonhardi-, Ruperti- und Georgiritten vereinen sich Glaubens- und Heimattreue. Und alle drei Jahre lässt Mindelheim das Mittelalter wiederaufleben: Beim so genannten Frundsbergfest regiert dann eineinhalb Wochen lang das einstige Mindelheimer Herrscherpaar Georg von Frundsberg und Anna von Lodron die Stadt aufs Neue. Herzstück der Feierlichkeiten ist ein großer historischer Festzug: 2500 Bürger in historischer Kleidung, 200 Pferde und mehr als 30 Kutschen und Festwagen lassen die vergangene Epoche dann vor der malerischen Altstadt-Kulisse aufleben. Das nächste Frundsbergfest steht im Jahr 2015 an.

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Der Artikel  wurde unter anderem im Magazin „Schönes Schwaben“ veröffentlicht.