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Sonnenzeit, Weckzeit, Bahnerzeit
Zur Umstellung auf die Winterzeit ein Besuch in der Uhrensammlung
des Mainfränkischen Museums auf der Festung Marienberg in Würzburg


Von Michaela Schneider
Würzburg  
„Keine Zeit, keine Zeit, ich hab doch keine Zeit, keine Zeit“ sagt das weiße Kaninchen, blickt hektisch auf seine Uhr und rennt und rennt und rennt.  Jene Figur, die Lewis Carroll im Kinderbuchklassiker „Alice im Wunderland“ schuf, steht symptomatisch für unsere Zeit. Die Uhr ist unser unverzichtbarer Begleiter, ob als Armbanduhr oder digitale Anzeige auf dem Handy. Das war nicht immer so, die exakte, synchronisierte Zeit wurde tatsächlich erst wichtig mit dem Eisenbahnverkehr und öffentlichen Fahrplänen.  Wie aber sahen die Uhren unserer Vorläufer aus? Zer Zeitumstellung von der Sommer- auf die Winterzeit ein Besuch mit Frauke van der Wall in der Uhrensammlung des Mainfränkischen Museums auf der Festung Marienberg in Würzburg. Die Kunsthistorikerin hält hier die historischen Uhren am Laufen. Nur, wenn Reparaturen nötig sind, greift das Museum auf einen Uhrmacher zurück.


Zugegeben: Versuche, die Zeit einzufangen gibt es schon seit Jahrtausenden – ob mit Sonnenuhren, Wasseruhren oder Schattenuhren der Antike oder Astrolabien und Kerzenuhren des Mittelalters. Den eigentlichen Vorläufern unserer exakten Zeitmessung begegnen wir aber erst im 14. Jahrhundert, als die Epoche der Räderwerke schlägt.  Die Neuerung machen sich seinerzeit vor allem Türmer zunutze – jene Männer, die fürs pünktliche Läuten der Turmglocken verantwortlich zeichnen. Eine wichtige Aufgabe, denn das städtische Leben im Mittelalter und danach wird durch die regelmäßigen Glockenzeichen geregelt. Eine der ältesten, erhaltenen Räderuhren überhaupt befindet sich im Besitz des Mainfränkischen Museums. Der Türmer muss ihr Weckerwerk stündlich neu aufziehen.  Justiert werden mechanische Uhren übrigens bis ins beginnende 20. Jahrhundert mittels Sonnenuhren – schlichtweg, weil diese am exaktesten funktionierten.


Während die Türmeruhr nur aus Räderwerk und Ziffernblatt besteht, erhalten Uhren in etwa ab der Renaissance Gehäuse, die aus Nutzgegenständen echte Schmuckstücke machen. Ein schönes Beispiel ist dabei eine Bodenstanduhr im Museum aus der Zeit um 1745 aus einer Würzburger Werkstatt – vielleicht gar von Hofschreiner Carl Maximilian Mattern. Doch außen hui und innen pfui: Die hochwertigen Schreiner- und Bildhauerarbeiten  stehen – für den Laien nicht sichtbar - im überraschenden Kontrast zu einem Werk und Ziffernblatt von minderer Qualität.


Dabei vollbringen Uhrmacher längst echte Meisterleistungen, spielen mit und tüfteln an Neuem. So entwickelt der Würzburger Caspar Bollermann zum Beispiel eine Bodenstanduhr mit Kegelpendel. Für ein Musik- oder Schlafzimmer wäre dies an sich eine tolle Sache, denn die Uhr arbeitet leise, kommt ohne Dauerticken aus. In der Praxis bewährt sie sich trotzdem nicht, denn sämtliche Teile - Werk, Antrieb und Pendel – sind nur lose aufeinandergestellt und verrutschen bei der kleinsten Erschütterung. Ein Unding in Häusern mit Holzboden, wie sie früher üblich waren.  


Ein weiteres ungewöhnliches Sammlerstück im Mainfränkischen Museum stellt die Franklinuhr dar, die tatsächlich auf einen Entwurf von Benjamin Franklin zurückgeht. Das Besondere: Der amerikanische Erfinder und Staatsmann teilt das Ziffernblatt neu auf und versieht es mit vier mal 60 Minuten und einem zusätzlichen Stundenzeiger. Pro Stunde bewegt sich der große Zeiger um nur 90 Grad, und braucht damit für eine komplette Umdrehung vier Stunden. Auch diese Erfindung setzt sich nicht durch – und führt dazu, dass es heute nur noch eine Hand voll Franklinuhren weltweit gibt, unter anderem in Würzburg.  

Neben der Uhrzeit informieren etliche Uhren über jede Menge weitere Details – vom Wochentag bis  zur Mondphase. Als ein besonders komplexes Objekt gilt dabei die so genannte Gutweinuhr aus der Zeit um 1755 bis 1765 - eine astronomisch-geographische Bodenstanduhr mit Äquation. Eine Erdkarte im Zentrum des Ziffernblattes rotiert einmal am Tag gegen den Uhrzeigersinn innerhalb des 24-Stunden-Rings. Dadurch lässt sich die Zeit in allen Ländern der nördlichen Hemisphäre ablesen. Das Manko: Der Uhrmacher hatte wohl den Kupferstich einer auch schon zu seiner Zeit veralteten Weltkarte als Vorlage verwendet.


Neben den großen Zeitanzeigern, werden Uhren kleiner und tauglich für den Alltag als ständiger Begleiter, anfangs übrigens noch als Sonnenuhren, wie in einer Vitrine im Museum zu sehen ist. Mit der Ära der Eisenbahn ergibt sich jedoch ein Problem: Sonnenuhren messen zwar an ihrem Standort exakt, aber sie sind vom Wetter abhängig, funktionieren nur tagsüber und die Uhrzeit variiert je nach geographischer Lage. Sonnenzeit entspricht nicht Bahnerzeit. Die Stunde der synchronisierten  Mitteleuropäischen Zeitrechnung schlägt. Und noch etwas erlauben Sonnenuhren nicht: Ihnen fehlt das Schräubchen, um von der Sommer- auf die Winterzeit umzustellen, wie erstmals im Jahr 1916 geschehen. Heuer ist es wieder soweit in der Nacht vom 24. auf den 25. Oktober, um drei Uhr wird der Zeiger um eine Stunde zurück gestellt.

Uhr auf einer schiefen Ebene aus Straßburg um 1660. Hier bewegt sich nicht der Zeiger, sondern die Uhrdose selbst, indem sie sehr langsam die Ebene hinunter rollte.


Fotos: Michaela Schneider


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Der Artikel  ist unter anderem  im Main Echo erschienen.

Infokasten: Über die Uhrensammlung des Mainfränkischen Museums


Wir schreiben das Jahr 1933. Der Regierungs- und Finanzrat Gustav Frischholz tritt anlässlich seiner Pensionierung ans Fränkische Luitpoldmuseum (1939 umbenannt in Mainfränkisches Museum) heran. Denn neben seiner Begeisterung für Geld- und Wirtschaftsthemen treibt den Würzburger seit Jahren eine zweite Leidenschaft um: Er ist begeisterter Uhrensammler. Kinderlos stellt sich für ihn die Frage: Was tun, um die wertvollen Sammlerstücke für die Nachwelt zu erhalten? Und so bietet er sie dem Museum zum Erwerb an. En Angebot, das dieses kaum ausschlagen kann, immerhin zählt die Sammlung zu diesem Zeitpunkt zu den wertvollsten überhaupt in privater Hand. Frischholz hatte den konzentrierte sich beim Sammeln nicht auf die schöne und kostbare Ausstattung der Uhrgehäuse, sondern wollte vor allem auch die geschichtliche Entwicklung der Herstellungstechnik der Uhr zugrunde legen. Bei der Übergabe umfasst die Frischholz-Sammlung 466 Objekte, etliche gehen allerdings bei der Bombardierung Würzburgs am 16. März 1945 verloren. Erhalten bleiben das komplette Inventarverzeichnis sowie 34 der wertvollsten Objekte. Heute umfasst die Sammlung des Mainfränkischen Museums wieder gut 500 Uhren – Kleinuhren und Sonnenuhren dazu gerechnet. Im Museum ausgestellt sind um die 20 Objekte.