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Verrückte Roadmovie-Reise zweier Teenager
Mainfranken Theater Würzburg spielt in den Kammerspielen „Tschick“,
 basierend auf dem gleichnamigen, preisgekrönten Jugendroman von Wolfgang Herrndorf


Von Michaela Schneider

Würzburg Eine intellektuelle Ökofamilie, ein mathematikbegabtes Mädchen auf der Müllhalde, ein kommunistischer Kriegsveteran oder eine dauerplappernde Sprachtherapeutin: Skurriler könnten die Charaktere kaum sein, denen Maik und Tschick während ihrer Spritztour im Lada (geliehen natürlich, nicht geklaut!) begegnen.  Charaktere, die der inzwischen verstorbene Autor Wolfgang Herrndorf in seinem preisgekrönten Jugendroman „Tschick“ großartig zeichnete. Charaktere, die nun das Mainfranken Theater Würzburg ganz wunderbar in den Kammerspielen  zum Leben erweckt. Das Publikum lacht in Nele Neitzkes Inszenierung herzhaft über absurd-komische Episoden. Es sinniert mit den Protagonisten über den Sinn von Leben und Tod, die Weite des Weltalls und das Gute und Böse im Menschen. Und es taucht ein in die Welt der kleinen und großen Sorgen zweier Teenager.


Mit Maik und Tschick begegnen sich zwei Außenseiter. Maik ist der schüchterne Schüler ohne Spitznamen – weil er zu langweilig ist und keine Freunde hat, wie er meint. Tschick ist der Neue in der Klasse, ein wortkarger Draufgänger aus der Walachei. Beide haben ihren Platz in der Welt noch nicht gefunden.  Und Beide haben eigentlich nichts gemein, mal abgesehen davon, dass sie als einzige nicht zu Tatjanas Geburtstag eingeladen sind. Im geklauten Lada starten sie zu einer waghalsigen Odyssee Richtung Walachei. „Kein Unfall, keine Behörde und kein physikalisches Gesetz konnte uns aufhalten“, erzählt Maik. Kurze, verrückte Bekanntschaften verändern Maiks Weltbild. Er erfährt, was Freundschaft bedeutet und er lernt die Liebe kennen. Und auch, wenn alle sagen, 99 Prozent der Welt seien schlecht: Auf ihrer Reise begegnen Maik und Tschick just dem einen Restprozent.


 „Tschick“ ist prädestiniert für die kleine Kammerspielbühne. Maik erzählt rückblickend von der verrückten Reise, damit bleibt viel Raum, um Wolfgang Herrndorfs großartige Vorlage zu würdigen, der Roman lebt auch als Theaterstück von der Kraft der Sprache: mal poetisch, mal politisch inkorrekt; wunderbar einfach und schnoddrig, trotzdem tiefsinnig und urkomisch. Zwischen Erzählpassagen schlüpfen das dreiköpfige Bühnenteam und die Zuschauer mitten hinein in die Welt der beiden Jungs.


Sven Mattke als Maik, Robin Bohn als Tschick und Claudia Kraus in sämtlichen anderen Rollen geben alles. Sie spielen so gut, so authentisch, dass man vergisst, dass auf der Bühne keine Teenager, sondern erwachsene Männer stehen. Sven Mattke darf schmachten und schmollen,  lachen und stottern. Kleine Bühnenpannen verwandelt er in zusätzliche Gags. Robin Bohn begeistert mit aufgerissen Augen, trotteligem Grinsen, aufgeblasenen Backen. Die urkomischen Slapstick-Autofahrten der Beiden lohnt das Publikum mit Zwischenapplaus. Mal geht es dabei rasant über die Autobahn, mal über einen holperigen Feldweg, mal in Zeitlupe zur Ballade pour Adeline in den Sonnenuntergang. Claudia Kraus glänzt durch Wandlungsfähigkeit, man will sich nicht festlegen, wer mehr schmunzeln lässt: der kommunistische Veteran oder die skurrile Sprachtherapeutin.  


Aufwändiges Bühnenbild braucht es nicht, Elvira Ulmer hat eine schwarze Rampe geschaffen, die Rückwand der Bühne dient als Schultafel, ein paar Blumentöpfe hängen herum. Mit sparsam eingesetzten Requisiten spielt das Kammerspiele-Team mit der Imagination: Ein Blumensprüher dient mal als Gartenschlauch, mal als Regen.  Auch die Kostüme hat Veronika Silva-Klug schlicht gehalten.


Mit „Tschick“ hat nun die zweite Schauspielproduktion des Jungen Theaters  in der Inszenierung von Nele Neitzke Premiere gefeiert. „Tschick“ ist ein Roadmovie über das Erwachsenwerden zum Lachen, Weinen und zum Nachdenken. Das Schauspiel taugt für Schulklassen, bereitet aber auch Erwachsenen sehr viel Spaß. Und: „Tschick“ macht ganz viel Lust auf die Kammerspiele des Mainfranken Theaters.



Der Artikel  wurde unter anderem im Main-Echo veröffentlicht.

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