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Liebe ist Arbeit, Arbeit, Arbeit!
Schauspiel Regisseur Philipp Kugler gibt mit den beiden Anton-Tschechow-Einaktern
„Der Heiratsantrag“ und „Der Bär“ in Würzburg am Mainfranken Theater sein Debüt

 

Von Michaela Schneider

Würzburg/Deutschland Liebe, Zank und Leidenschaft liegen ziemlich nah beieinander, das ist nicht neu. Oder anders ausgedrückt: „Liebe ist Arbeit, Arbeit, Arbeit“, wie Maria Brendel im Prolog zum Anton-Tschechow-Werk in den Kammerspielen des Würzburger Mainfranken Theaters verkündet. Mit den Einaktern „Der Bär“ und „Der Heiratsantrag“ spielt das Dreier-Team Brendel, Claudia Kraus und Alexander Hetterle zwei komödiantische Einakter, die auf der Bühne eher selten zu sehen sind. Tschechow selbst betitelte seine Stücke einst als „Scherze“ – da ist es gut und recht, dass sich das Bühnenteam selbst nicht ganz ernst nimmt und die an sich schon starken Charaktere noch einen Tick weiter überzeichnet.

 

Beide Werke handeln – wie stets bei Tschechow - auf einem Landgut in der russischen Provinz. Im „Heiratsantrag“ erscheint der überaus nervöse Nachbar Iwan Lomow bei Gutsherr Stepan Tschubukow, um um die Hand von dessen Tochter Natalja anzuhalten. Doch noch vor dem Heiratsantrag geraten Natalja und Iwan in einen heftigen Streit um Nichtigkeiten. Es geht halt ums Prinzip. Herausragend: Maria Brendel als alter, lüsterner Gutsherr mit Bierbauch, riesigem Zinken und Schnauzer. Sie rollt die aufgerissenen Augen, spricht mit heißerer Stimme, kratzt sich am Bauch, furzt hemmungslos.

 

Sehr gelungen: die pantomimische Überleitung zum „Bär“, dank der die zwei Einakter zu einem einzigen Werk verschmelzen. Intelligent auch die Bühnenbildverwandlung. Mit wenigen weißen Strichen aufgezeichnete Möbel auf schwarzem Tuch verwandeln sich durch einige Handgriffe in echtes Mobiliar. Claudia Kraus wird nun zur jungen, schönen Witwe Jelena Iwanowna Popowa, die in Trauer um ihren Mann das Haus nicht mehr verlässt. Maria Brendel in der Rolle des Dieners Luká findet’s nicht gut. Sie schlüpft hier fast schon nach Art eines Oleg Popow in die Rolle des Bühnenclowns, der die Geschicke zum Guten lenken will. Nur die rote Nase sitzt nicht auf selbiger, sondern mal auf der Stirn, mal auf der Wange. Und so freut sich Luká über ein bisschen Abwechslung für seine Herrin, als Gutsbesitzer Grigori Stepanowitsch Smirnoff unangemeldet auftaucht. Jelena freut sich nicht – der ungeladene, rüpelhafte Gast will nämlich Geld eintreiben, das der verstorbene Gatte schuldig blieb. Ein herrlicher Schlagabtausch folgt. Und am Ende, wie könnte es anders sein, steht die Liebe. Die aber bedeutet bis dahin: Arbeit, Arbeit, Arbeit.

 

Alexander Hetterle und Claudia Kraus stehen in den beiden Hauptrollen zum ersten Mal auf der Mainfranken-Theater-Bühne – eine gelungene Premiere für die Beiden. Hetterle spielt auf Teufel komm raus: Erst den hypochondrischen, cholerischen Nachbarn, der stolpert, leidet, ausflippt und schwitzt, dann den rüpelhaft-coolen Gläubiger und Frauenhelden. Auch Claudia Kraus beweist vor dem unterfränkischen Publikum Wandlungsfähigkeit – von der süßen Natalja hin zur sexy-arroganten, heißblütigen Jelena. Bei beiden Theater-Neuzugängen darf man sich auf mehr freuen!

 

Auch Philipp Kugler gibt mit dem Tschechow-Werk in Würzburg sein Regie-Debüt. Dabei orientiert er sich vor allem beim „Heiratsantrag“ an der frühen Burlesque mit parodierenden und grotesken Elementen, baut daneben marionettenhafte Pantomime-Passagen ein. Die Stimmung spiegelt sich auch im anfänglichen Schwarz-Weiß-Bühnenbild von Kristopher Kempf und der Maske der Schauspieler wieder mit clownhaften Tränchen wie beim weinenden Pierrot.  

 

Eine schöne Idee – zu albern, zu klamaukig   könnten die beiden Einakter sonst wirken. Auf die Art aber gewinnen sie an charmant-theatralem Charakter. Der possenhaft-groteske, schwankhafte Humor eines Anton Tschechow wird gut transportiert. Wer tiefsinnig-anspruchsvolle Abendunterhaltung erwartet, ist diesmal in den Kammerspielen im Mainfranken Theater verkehrt. Wer herzhaft lachen will über gute Dialoge und wunderbar überzeichnete Charaktere, ist goldrichtig.

 

Dauer: 90 Minuten; Nächste Vorstellungen, jeweils um 20 Uhr: 25.09./ 02.10./ 09.10./ 15.10./ 17.10./ 22.10./ 31.10./ 07.11./ 16.11.

 

Der Artikel ist unter anderem im  Main-Echo erschienen.

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