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Winnie wittert Trüffeln
Tierisches
Mit seinem Mischlingsrüden dokumentiert ein Würzburger
die süddeutschen Trüffelvorkommen und stößt dabei auf große Bestände


Von Michaela Schneider

Würzburg Winnie ist keine 200 Meter in den Wald im Würzburger Ortsteil Zell getrabt, da beginnt er im Laub am Waldrand zu schnüffeln und zu scharren. Herrchen Christian Gold eilt zu seinem Rüden – und tatsächlich hält er kurz darauf eine Trüffel in der Hand. „Vermutlich eine Blasentrüffel“, murmelt er, während er den kleinen, pilzig riechenden Klumpen betrachtet. Um eine genaue Bestimmung wird sich der 39-jährige Trüffelexperte daheim unterm Mikroskop kümmern.


Mit vierbeinigem Begleiter auf Trüffelsuche: Das ist hierzulande eher ungewöhnlich, denn Trüffeln stehen unter Naturschutz, das heißt, das Sammeln ist verboten. Doch nicht für Christian Gold. Er hat als Mitglied der Forschungsgruppe Hypogäen eine Sondergenehmigung beantragt, um die süddeutschen Trüffelvorkommen zu erforschen.  Inzwischen vertritt er die These: Trüffeln seien gerade im Unterfränkischen alles andere als selten – nicht nur, was die Menge an sich, sondern auch, was die Artenvielfalt angeht. Das kommt nicht von ungefähr: Trüffeln lieben kalkhaltige Böden. Anfang Januar 2013 hatte sich Gold erstmals mit Winnie auf die Suche begeben, seitdem konnte das Team sage und schreibe rund 400 Stellen mit zusammen etwa 600 Trüffeln ausfindig machen sowie bislang 28 unterschiedliche Arten. Eine davon – Elaphomyces Papillatus - galt bis dato in Deutschland als ausgestorben.  Jeden Fund untersucht Gold unterm Mikroskop, zieht manchmal Experten zurate. In einem Plastikwerkzeugkoffer bewahrt der 39-Jährige getrocknete Trüffeln nach Arten sortiert auf. Der neueste Erfolg, die vermutliche Blasentrüffel,  könnte Platz 29 einnehmen.


„Burgundertrüffel werden tonnenweise aus Italien

importiert, dabei liegen sie bei uns im Wald herum.“
 

(Trüffelexperte Christian Gold)



Doch woher kommt Golds Interesse an Trüffeln? Der Gymnasiallehrer entschied 2012, ein Sabbatjahr einzulegen. Schon seit Jahren hatte er gern Pilze gesammelt – und so nutzte er die freie Zeit, um im Herbst 2012 die mobile Pilzschule von Dieter Honstraß zu besuchen. Der gilt als Deutschlands Trüffelexperte schlechthin und bot bis dato als einziger in Deutschland Trüffelhundkurse an. Das ändert sich nun:  Christian Gold wird als zweiter Anbieter hierzulande Herrchen und Hunde zu Trüffelsuchteams ausbilden, sein erster Kurs startete die Tage. Zielgruppe: Menschen, die mithelfen möchten, die hiesigen Trüffelbestände zu erforschen und zu dokumentieren.  


Dass sich Christian Golds eineinhalbjähriger Rüde zum hervorragenden Trüffelhund entwickeln würde, war übrigens anfangs im Kurs nicht abzusehen – Winnie schnitt mit Abstand am schlechtesten ab.  Eigentlich mögen Hunde Trüffeln, bei der Suche besteht Gefahr, dass die Tiere die Funde auffressen. So ist für viele Tiere schon der Trüffelduft Motivation. Nicht so für Winnie. Der Rüde hasst Trüffeln und spuckt sie, sobald gefunden, angewidert aus. Dafür ist der Mischling umso verspielter. Nach dem Kurs trainierte Christian Gold mit Winnie weiter – und belohnte ihn statt mit Futter mit Spielen. „Wichtig ist, den Trüffelgeruch mit etwas für den Hund Positivem zu verknüpfen“, betont Gold. Ungewöhnlich ist dabei, dass Winnie eine immense Vielfalt an Trüffelarten aufspürt, während die meisten Hunde sich auf bekannte Arten konzentrieren.  Faszinierend ist für Gold bei der täglichen Suche auch das Verhältnis zwischen Mensch und Tier. Man lernt, mit seinem Hund zu kommunizieren und ihn zu lesen“, sagt er. Sehr genau erkennt der 39-Jährige inzwischen, ob Winnie Trüffelgeruch in der Nase hat oder ein Eichhörnchen.


Seine Erfahrungen will Christian Gold nun in Kursen weitergeben. Und: Er spielt mit dem Gedanken, ein Trüffelhandbuch auf Deutsch zu schreiben - das letzte stammt aus dem Jahr 1890. Klar, und vor allem hofft der Würzburger, eines Tages mit Winnie eine unbekannte Trüffel aufzuspüren und damit als Entdeckerteam in die deutsche Trüffelgeschichte einzugehen.

Mehr über Christian Golds Arbeit und seine Trüffelkurse unter www.trueffelsuche.de


 Fotos: Michaela Schneider




Der Artikel ist unter anderem in Main-Echo erschienen.

Infokasten: Trüffelvorkommen in Deutschland


Im 19. Jahrhundert galt Deutschland laut Fachmann Christian Gold tatsächlich einst als Trüffelhochburg. „Expertise und Wissen gingen dann aber verloren, warum auch immer“, sagt der 39-jährige Würzburger. 1986 startete man hierzulande eine Umfrage, welche Pilze schützenswert seien – unter anderem ins Naturschutzgesetz aufgenommen wurden daraufhin Trüffeln der Gattung Tuba, sprich gern verzehrte Sommertrüffeln. Eine Überprüfung der tatsächlichen Vorkommen fand nicht statt. „Meiner Ansicht nach sind Sommertrüffeln jedoch einer der häufigsten Pilze bei uns überhaupt“, betont Gold. Um das alte Wissen um das einstige Trüffelland Deutschland zurückzugewinnen, hat es sich die so genannte Forschungsgruppe Hypogäen – ein loser Verbund von rund 50 Leuten – zum Ziel gesetzt, im gesamten Bundesgebiet Trüffelvorkommen zu dokumentieren. In Bayern ist Christian Gold bislang das einzige aktive Mitglied.