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Den Männern fehlt der Mut, den Frauen die Grausamkeit
Komödie „Trennung für Feiglinge“ des französischen Autors Clément Michel in der Spessartgrotte


Von Michaela Schneider
Gemünden-Langenprozelten
Um jemanden zu verlassen, braucht es eine Eigenschaft, die bei heutigen Männern vom Aussterben bedroht ist: Mut. Und auch Paul fehlt selbiger, obwohl er inzwischen ganz gruselige Fantasien ersinnt, wie ihn das Schicksal von der einstmals geliebten Freundin befreien könnte. Und so heckt er den perfiden Plan einer skurrilen Menage-á-trois aus, um Sophie in den „freiwilligen“ Auszug aus der gemeinsamen Wohnung zu treiben. Mit „Trennung für Feiglinge“ steht auf dem Spielplan der Spessartgrotte in Gemünden-Langenprozelten zurzeit eine überaus unterhaltsame Beziehungskomödie aus der Feder des 1974 in Paris geborenen Autors Clément Michel. Das Publikum begegnet unter der Regie von Helga Hartmann einem Bühnen-Trio, das die rasant-bissigen Dialoge ebenso auf die Spitze zu treiben weiß wie punktgenaue Situationskomik. Ein Theaterbesuch der sich lohnt, so man schwarzhumorige Komödien mag.   


Über manche Dinge sollte man lieber nicht sprechen. Etwa, wenn man Nacht für Nacht träumt, wie die eigene Freundin von Lastwagen geköpft oder Häckslern zu Hackfleisch verarbeitet wird. Paul  (Michel Schäfer) allerdings spricht darüber – und zwar mit seinem besten Kumpel Martin (Paul Seeger). Pauls Problem: Eigentlich ist seine Freundin Sophie (Anne Liebisch) hübsch, klug, lieb und ganz reizend - trotzdem erträgt er ihre Anwesenheit keine Sekunde länger. Was also tun? Angebracht wäre eine Trennung, dafür aber fehlt Paul der Mut. Stattdessen überredet er seinen Kumpel Martin, bei ihm und Sophie einzuziehen und tischt der Freundin auf, Martins Mutter sei – oh Wunder – von einem Lastwagen geköpft  worden. Sophie allerdings denkt gar nicht daran, die von Paul ersehnten Worte „Entweder er geht. Oder ich“ auszusprechen. Zum einen ist Martin viel zu nett, zum anderen hat sich Sophie auch noch in den Kopf gesetzt, ihn zu therapieren.  Ein herrliches Verwirrspiel nimmt seinen Lauf, scheint zunächst durchsichtig, um das Publikum am Ende doch zu überraschen.


Für Andy Hartmanns Bühnenbild genügen eine Couch, eine Essecke, ein paar Bilder und ein Stuhl – übrigens das einzige Möbelstück, das Paul in die Beziehung mitgebracht hat. Hinzu kommen jede Menge Utensilien, die sich später wild durchs Wohnzimmer werfen lassen, und drei Türen für jede Menge dramatische Auftritte und Abgänge.  


Vor allem für Michel Schäfer ist die Rolle des Paul wie geschaffen: Am Rande des Wahnsinns darf er sich immer absurdere Tricks einfallen lassen, um Sophie zum Auszug zu bewegen. Er rauft sich die Haare und wütet, ringt im eigenen Lügennetz der Absurditäten mit krächziger Stimme nach Worten, reißt die Augen auf, gestikuliert wild, lässt das Kinn verzweifelt Zittern. Paul Seeger spielt indes mit dem Kontrast. Zunächst tritt er in spießiger Korrektheit auf, kann nicht anders als aufrecht sitzen und den höflichen Gentleman geben. Hemd und Krawatte passen perfekt, die Lackschuhe glänzen. Nachdem Paul ihm aufgetragen hat „sei richtig vulgär“ und das auch noch mit dem Freund trainiert, von hier auf jetzt der herrliche Umschwung: Paul Seeger mutiert zum Bilderbuch-Proleten. Bleibt noch die dritte im Bühnenbunde, Anne Liebisch als Sophie. Eigentlich Musicaldarstellerin, zeigt die 25-Jährige, dass sie auch das reine Schauspiel beherrscht, kokettiert mit Blicken zwischen fürsorglich und skeptisch, und verkörpert, was sie später in Worte fasst: Für eine Trennung fehlt Frauen eine sehr spezielle Eigenschaft, die vom Aussterben bedroht ist: Grausamkeit.

Ménage-á-trois der besonderen Art. Von links: Anne Liebisch als Sophie, Paul Seeger als Martin und Michel Schäfer als Paul.


Fotos: Michaela Schneider


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Der Artikel  ist unter anderem  im Main Echo erschienen.