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Eine Hündin, die bedingungslos Wärme schenkt
Verein „Tiere helfen Menschen“ koordiniert von Unterfranken aus deutschlandweit Besuchsdienste


Von Michaela Schneider
Unterfranken/Würzburg
Manuel strahlt übers ganze Gesicht, vergräbt seine Nase im weichen Hundefell. Dann sagt er zufrieden „Yes“. Das ist eines der fünf Worte, die der junge Mann im Rollstuhl sprechen kann. Er ist mehrfachbehindert und lebt im Blindeninstitut Würzburg. Einmal pro Woche besucht ihn Graham Ford mit Mischlingshündin Amy. Eine Zeit, die Manuel sichtbar genießt, denn Amy schenkt ihm, was sonst zu kurz kommt: Wärme und bedingungslose Nähe, Berührung und Liebe. Graham Ford aus dem unterfränkischen Dorf Höchberg ist Vorsitzender des Vereins „Tiere helfen Menschen“. Sein Engagement reicht dabei weit über die eigenen Besuchsdienste am Würzburger Blindeninstitut hinaus. Der gebürtige Kanadier koordiniert deutschlandweit die Aktionen von insgesamt 1200 Vereinsmitgliedern in rund 70 Regionalgruppen.


Gegründet wurde der Verein „Tiere helfen Menschen“ im Herbst 1987 in Würzburg von der Tierärztin Dr. Brigitte von Rechenberg. Die Idee der tiergestützten Therapie stammt ursprünglich aus den Vereinigten Staaten von Amerika. Dass Graham Ford bald schon in die Vereinsarbeit einstieg, war Zufall. „Mein Hund war krank, ich ging zur Tierärztin. Sie erzählte mir vom Verein und ich sagte: Falls mein Hund wieder gesund wird, mache ich mit“, erinnert er sich. Dem heute 74-Jährigen gelang es im Laufe der Jahre, die Idee der Tierbesuchsdienste deutschlandweit publik zu machen. 2007 erhielt er für sein Engagement das Bundesverdienstkreuz. Warum sich Graham Ford seit Jahrzehnten derart engagiert, begründet er mit einem einfachen Satz: „Ich wollte und will etwas für Menschen tun.“


Die Vereinsmitglieder besuchen mit ihren Tieren alte und kranke, behinderte und benachteiligte Menschen in sozialen Einrichtungen und unterstützen so Ärzte, Pädagogen, Therapeuten und Pfleger. In den meisten Fällen arbeiten die Ehrenamtlichen mit Hunden, doch gibt es längst auch Wohngruppenkatzen, Ponys im Altenheim oder Stationshasen. Vögel, Meerschweinchen oder Lamas teilen mit Menschen im Zuge der Vereinsarbeit ihre Zeit.


Doch zurück zum Hund. Nicht jeder der Vierbeiner eignet sich laut Graham Ford für die Vereinsarbeit, die Tiere durchlaufen zunächst einen Charaktertest. Sie müssen gut sozialisiert sein sowie ein freundliches Wesen haben und sollten sich gern von fremden Menschen füttern und streicheln lassen. Mischlingshündin Amy  bewies ihr Talent im Umgang mit behinderten Menschen bereits im Alter von zehn Wochen. Seit gut sechs Jahren tritt sie inzwischen zum Besuchsdienst im Blindeninstitut an, die Vorfreude steht ihr ins Hundegesicht geschrieben, als Herrchen Graham Ford das Auto auf dem Gelände parkt und sie endlich aus dem Kofferraum springen darf.


Amy liebt die Extra-Krauleinheiten und verzeiht schnell, wird sie einmal versehentlich ungeschickt angefasst. Und die Hundedame geht unglaublich sensibel auf die jeweiligen Bedürfnisse der Blindeninstitut-Bewohner ein. Während sie bei Manuel eine knappe Stunde lang ganz ruhig auf dem Schoss sitzt, ist sie in der Klasse 5 kaum zu bremsen. Die fünf schwerst- und mehrfachbehinderten Jugendlichen liegen oder sitzen mit Decken in den Rollstühlen. Amy flippt von einem zum anderen - liegt hier auf einem Teenager-Bauch, lässt sich dort eng umschlingen.


Neben den Besuchsdiensten setzen Vereinsmitglieder zudem auf die positive Wirkung von Tieren auf Kinder und Jugendliche.  „Lesehunde“ helfen Kindern mit Lernschwächen, indem sie den Buben und Mädchen beim Geschichten vorlesen einfach nur zuhören statt zu korrigieren. Immer wieder konnte der Verein in der Vergangenheit wissenschaftliche Arbeiten zur tiergestützten Therapie anregen und unterstützen. Forscher im Hunsrück etwa untersuchen derzeit, inwieweit „Lesehunde“ messbare Erfolge bei Schülern mit Leseschwächen bewirken.  


Ebenfalls vom Verein „Tiere helfen Menschen“ angestoßen: das Projekt „Schulhund“. Hierbei verpflichten sich Lehrer, das eigene Tier bei entsprechender Eignung regelmäßig in den regulären Unterricht mitzubringen. 350 Lehrer sind laut Graham Ford derzeit registriert. Auch hier fungiert der Hund als Lernbegleiter, fördert ferner den Klassenzusammenhalt und beeinflusst die Schulatmosphäre positiv.


Graham Ford koordiniert und lenkt den Verein Tiere helfen Menschen inzwischen seit fast einem Vierteljahrhundert. Ans Aufhören denkt er mit seinen 74 Jahren noch lange nicht. Zu schön sei die Erfahrung, wenn ein Seniorenheimbewohner beim Hundebesuch nach monatelangem Schweigen plötzlich wieder redet. Oder wenn ein therapiemüdes, körperlich behindertes Kind mit einem Hund an der Leine plötzlich begeistert zu laufen beginnt.   

Hündin Amy in der Klasse 5 am Blindeninstitut in Würzburg.ja


Alle Fotos: Michaela Schneider


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Der Artikel  ist unter anderem  im Main Echo erschienen.

Infokasten: Über den Verein „Tiere helfen Menschen“


Wer selbst mit seinem Tier an Besuchsprogrammen des Vereins „Tiere helfen Menschen“ teilnehmen möchte, kann sich direkt an Graham Ford wenden unter Email info@thmev.de oder Telefon 0931/4042120. Nähere Informationen auch auf der Internetseite www.thmev.de Ansprechpartnerin in Sachen Schulhunde ist Kathrin Nickel, Email ka.nicel@arcor.de