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Von Michaela Schneider

Würzburg Als der Maler Giovanni Battista Tiepolo das Deckengemälde im Treppenhaus der Würzburger Residenz Ende des 18. Jahrhunderts schuf, waren er und seine europäischen Zeitgenossen überzeugt: Europa sei das geistige und kulturelle Zentrum der Welt. Und so gehen die Erdteile in dem weltberühmten Fresko zwar ineinander über, doch erhebt der venezianische Maler Europa in Gestalt des Würzburger Musenhofs zur Wiege von Kultur und Wissenschaft. „Kunst ohne Grenzen. Tiepolo und seine Welt“ haben Studenten aus vier Ländern ihr Programm betitelt, das sich künstlerisch mit dem Gemälde auseinandersetzt, von der Vorstellung eines dominierenden Europas löst und Geschichte modern interpretiert. Stehende Ovationen für eine intelligente, künstlerisch wertvolle und kurzweilig-unterhaltsame Uraufführung im Kaisersaal der Residenz - und für eine Hommage an den interkulturellen Austausch.


Von den 48 Studenten aus Deutschland, Österreich, Tschechien und der Türkei kann sich dabei auch manches Profitheater Inspiration holen – vor allem mit Blick auf den kurzen Entstehungshintergrund der Inszenierung.  Vor nicht einmal einem Monat trafen sich die Studenten sowie zehn Dozenten von sechs Universitäten im Rahmen des Erasmus-Intensivprogramms zum ersten Mal. Klar war zu diesem Zeitpunkt nur: Ein abendfüllendes Programm soll sich um Tiepolos Deckenfresko drehen. Ein Konzept gab es nicht. „Das haben wir mit allen Beteiligten demokratisch, auf Augenhöhe erarbeitet“, erzählt Jonas Beckmann. Der 23-jährige Student der Kulturwissenschaften aus Hildesheim war dabei für Moderation und Koordination zuständig. Das Faszinierende: Wie der Initiator des Projekts, der Hildesheimer Dozent Helmut Rocholl, erzählt, befand sich unter den Teilnehmer nur eine Hand voll angehender Profikünstler, die meisten Studenten indes studieren Fächer wie Lehramt oder Kulturwissenschaften.



„Jeder Student findet sich
mit seinen Ideen im Konzept wieder.“

(Jonas Beckmann, Student der Kulturwissenschaften und ästhetischen Praxis in Hildesheim)




Trotzdem spielten sie Strawinsky, Bach, Händel und Haydn inklusive jazziger Interpretationen professionell, ertanzten die Besonderheiten der Kontinente ästhetisch schön und sangen überaus Abwechslungsreiches – angefangen beim Händel-Oratorium bis hin zu Spirituals und Folklore. Literarische Texte setzten sie schauspielerisch mit Charme und Witz um – um das Problem der Lessingschen Ringparabel zu lösen, zogen sie kurzerhand einen Hütchenspieler zu Rate. Was im Kaisersaal zu sehen war, hatte allemal Proficharakter, vor allem auch durch ein intelligentes, schlüssiges Konzept, das gleichermaßen unterhielt wie zum Nachdenken anregte.


Die Idee: eine Reise über die zu Tiepolos Zeit bekannten Kontinente. Sie beginnt mit Strawinski, Lessing und Händel im klassischen Europa der Aufklärung - und der Eroberer und Kolonialherren.  Zu selbst komponierten sphärischen Klängen auf Trommel, Violine und Klavier heben die Tänzer dann ab – erspähen mit Amerika Neuland. Hier treffen sie auf die Einwanderer aus dem Westen und die indigenen Völker. Sie thematisieren mit dem Song „Summertime“ die Konflikte zwischen Schwarz und Weiß, stellen klar: Das Thema ist heute das Gleiche wie zu Gershwins Zeit, die Hoffnung auf Gleichberechtigung bleibt in einer neuen Welt, in der die Unabhängigkeitserklärung klarstellt, dass alle Menschen gleich erschaffen sind. Die Studenten beschäftigen sich mit der Rolle Lateinamerikas und schildern im Spiritual die Sehnsucht der Afro-Amerikaner nach ihrer einstigen Heimat.


Dann geht der Flug weiter. Afrikanische Lebensfreude ebenso wie der harte Alltag, Unterjochung und die Befreiung aus der Sklaverei hören und sehen die Zuschauer nun im Kaisersaal.  Asien folgt als Kontinent unterschiedlichster Kulturen und Landschaften, aber auch als Ursprungskontinent des Christentums. Herausragend: die klangliche Umsetzung der Passionsgeschichte mit Bachschem Choral in moderner Interpretation. Dann führt die geschichtlich-philosophische Reise zurück nach Europa. Die Tänzerinnen karikieren einen Kontinent, gefangen in seiner Kleingeistigkeit – bis eine Frau ausbricht aus dem öden Kolonialherrendenken. Langeweile verschwindet, Esprit kehrt zurück beim Blick über Europas Grenzen. Die Reise endet nicht, ein neuer sphärisch-tänzerischer Flug beginnt. Das Ziel ist offen.



Infokasten: Tiepolos Deckenfresko in der Residenz


Der venezianische Maler Giovanni Battista Tiepolo schuf das Deckengemälde in der Würzburger Residenz in den Jahren 1752 und 1753. Er stellt die zu seiner Zeit bekannten vier Kontinente Europa, Amerika, Afrika und Asien dar. Neben Menschen, Tieren und Pflanzen setzt er geschichtliche Motive um. Europa galt zum damaligen Zeitpunkt – in europäischen Kreisen – als geistiges und kulturelles Zentrum der Welt.


Der Artikel ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Kunstreise über Tiepolos Kontinente


Studenten aus vier Ländern deuten das weltberühmte Deckenfresko in der Würzburger
Residenz mit Musik, Tanz und Literatur – Stehende Ovationen für eine intelligente Interpretation


           

Studenten aus vier Ländern warfen einen künstlerischer Blick auf Giovanni Battista Tiepolos Deckengemälde in der Würzburger Residenz und interpretieren es neu: Europa bleibt nicht länger der geistige und kulturelle Mittelpunkt der Welt.                                                    Fotos: Michaela Schneider