Ich schreibe für Sie!
Guten Tag!. Journalismus. Schwerpunkte. Pressetexte. Fotografie. Schöne Literatur. Veröffentlichungen. Kontakt. Michaela Schneider - Freie Journalistin in Würzburg
Hier finden Sie eine Auswahl
an Verlagen und Agenturen,
für die ich schreibe:

Impressum

Meine AGB

Fränkischer Tag

Franken.Das Magazin für Land und Leute

Presse & Kommunikation Saremba GmbH

KulturGut

Museumsmagazin ZeitenRaum

Tanner Werbung GmbH

Ideeologen - Gesellschaft für neue Ideen

Main-Echo

Heragon Verlag

Augsburger Allgemeine

Fränkische Nachrichten

Journalismus

Pressetexte

Fotografie


Kurzgeschichten

                                          Chroniken


Auf Facebook posten
Auf Twitter posten
Auf Google Lesezeichen posten
Per E-Mail senden

Immer schon ein Theater der Bürger


Von Michaela Schneider

1898 gründete sich in Fürth ein Theaterkomitee. Eine feste Spielstätte gab es zu jener Zeit bereits, doch den Bürgern war der Bau zu schmucklos und zu klein. An die Bevölkerung erging ein Spendenaufruf. Innerhalb einer einzigen Woche kamen 283.873 Reichsmark zusammen.  Die Grundlage für einen neuen Theaterbau war gelegt.  Mehr als hundert Jahre sind seitdem vergangen, doch das heutige Stadttheater Fürth war und ist ein Bürgertheater. Heute gilt es als dynamische Bühne mit einer Mischung aus Eigenproduktionen und Gastspielen quer durch alle Sparten. Steckenpferd: Tanztheater. Kompanien aus New York und Brasilien, Frankreich oder Italien reisen dafür regelmäßig nach Fürth an, Tanztheater-Abonnements sind restlos ausverkauft.  Bespielt werden mittlerweile zwei Spielstätten: Das Theater aus den Jahr 1902 als Bühne für große Inszenierungen und das Kulturforum, vor allem auch als Plattform für Experimentelles.


Den Reiz eines Theaterbesuchs in Fürth machen dabei nicht allein die Inszenierungen, sondern auch das Neo-Rokoko-Gebäude selbst aus. Erbaut wurde es zwischen 1900 und 1902 von den damals angesagten Architekten Ferdinand Fellner und Hermann Helmer. Angelehnt an italienische Renaissance und Barock tummeln sich hier Putten und Büsten zwischen schwerem roten Samt und Golddekor. Tatsächlich sieht das Theater heute wieder nahezu exakt aus wie vor mehr als 100 Jahren. Und das, obwohl  man bei der ersten Renovierung  manche Bau- und Dekorsünde der 70er Jahre beging. Zurück zu den Ursprüngen lautete daher das Motto der zweiten Renovierung zu Beginn des 21. Jahrhunderts.


Nicht so einfach, will man meinen. Woher wissen, wie genau zum Beispiel die Teppiche und Tapeten ein Jahrhundert zuvor ausgesehen hatten? Hier kam den Restauratoren laut Christof Goger, Pressesprecher des Theaters, eine kuriose Geschichte zugute. Tatsächlich waren die Herren Fellner und Helmer einst eigentlich mit dem Bau eines Theaters in Czernowitz in der heutigen Ukraine beauftragt. Den dortigen Bauherren ging allerdings noch während der Planungen das Geld aus. Kurzerhand verkauften die Architekten die Theaterpläne ins fränkische Fürth.  Zwei Jahre später hatte auch Czernowitz das Geld für seinen Theaterbau beisammen. Resultat: In den beiden Städten in Franken und der Ukraine stehen zwei nahezu identische Gebäude. Das Theater in Czernowitz wurde nie saniert – und so konnten sich die Fürther Anfang des neuen Jahrtausends in der Ukraine ein exaktes Bild davon machen, wie ihr Theater einst ausgesehen hatte.


Apropos Generalsanierung: Begonnen wurden sie im Jahr 2002, endgültig abgeschlossen sein wird sie erst in diesem Sommer. Dann nämlich wird als letzter Baustein die Neubestuhlung im zweiten Rang und im Parket umgesetzt.  Wie schon vor mehr als 100 Jahren baut das Haus dabei erneut auf seinen Status in der Bevölkerung als Bürgertheater, denn gut ein Viertel der Kosten in einer Höhe von gesamt 800000 Euro wird wieder einmal über Spenden finanziert.


„Das Theater war immer schon verankert in der Bürgerschaft“, sagt Intendant Werner Müller. Ein Blick auf die Besucherzusammensetzung bestätigt dies: 50 Prozent der Zuschauer kommen aus Fürth und Umland, 30 Prozent aus Nürnberg. Und spricht man mit Fürthern, so reden diese in der Regel nicht vom Stadttheater, sondern von „unserem Theater“. Die Nähe zu den Bühnen in Nürnberg und Erlangen sieht Müller übrigens nicht als Konkurrenz, vielmehr spricht er von einem lebendigen Austausch. Tatsächlich seien sogar schon Schauspieler auf anderen Bühnen eingesprungen, wenn wichtige Besetzungen plötzlich erkrankten.  


Seinem Status als Bürgertheater wird Fürth vor allem auch im so genannten „Community-Projekt Brückenbau“ gerecht. Erwachsene aller Altersstufen können Theater in unterschiedlichen Formen am eigenen Leib erfahren.  In verschiedenen Werkstätten setzen sich die Fürther selbst mittels Ausdrucksformen wie Stimme, Mimik oder Bewegung mit dem jeweiligen Spielzeitmotto auseinander. 2014 geht es dabei um das Thema „Der Mensch als Rohstoff“.  Workshops ermöglichen Blicke hinter die Theaterkulissen und beschäftigen sich kreativ mit aktuellen Inszenierungen. Viel Eigendynamik hat vor allem der Community-Dance entwickelt. Jeden Montag treffen sich hier zwischen 60 und 90 Tanzbegeisterte. Vorkenntnisse sind keine nötig, das Motto lautet „Jeder Mensch ist ein Tänzer“. Heuer feiert das Brückenbau-Projekt sein fünfjähriges Bestehen – und zwar am Sonntag, 4. Mai. Und auch bei anderen Aktionen verlässt das Stadttheater Fürth die herkömmliche Theaterbühne – zum Beispiel bei Theatergottesdiensten in der Auferstehungskirche. Nächster Termin: 9. März zur Inszenierung „Die Vermessung der Welt“.


Finanziert wird das Stadttheater Fürth zu 50 Prozent über die Stadt und zu zehn Prozent vom Land Bayern. 40 Prozent des Gesamtbudgets erwirtschaftet das Theater selbst. Eine Zahl, von der viele andere Bühnen träumen, die sich aber auch aus der besonderen Struktur des Stadttheaters Fürth erklärt, denn: Die Personalstruktur ist extrem schlank gehalten. Das fest angestellte „Ensemble“ besteht mit Jutta Czurda aus exakt einer Person. Dazu erneut ein Blick in die Historie. Bis zu Beginn der 90er Jahre war das Theater ein reiner Gastspielbetrieb. 1990 übernahm Intendant Werner Müller die Leitung des Hauses. Sein Ziel: Ein Drei-Stufen-Modell, das sich aus Gastspielen, Ko-Produktionen sowie eigenen Werken zusammensetzt.   Dieses Konzept hat sich erfolgreich etabliert, Pressesprecher Christof Goger spricht von einer Gesamtauslastung von fast 90 Prozent.


Wie aber verwirklicht das Theater Eigenproduktionen ohne Ensemble? Es greift auf einen Pool von rund 120 freiberuflichen Schauspielern, Sängern und Tänzern zurück. „Natürlich wäre es kein wünschenswerter Vorgang, dass Theater etablierte Ensembles abbauen“, sagt Intendant Müller. Doch Theatern ohne Ensemble biete das Modell die Möglichkeit, sich dynamisch weiterzuentwickeln mit zwei Vorteilen: Zum einen wird den Zuschauern viel Abwechslung auf der Bühne geboten. Zum anderen können Inszenierungen sehr stückgerecht besetzt werden – und es kann auch einmal auf die europaweit vorderste Riege zugegriffen werden. In der Spielzeit 2014/15 etwa wird wie einst bei der deutschsprachigen Erstaufführung 1995 auch in Fürth keine geringere als die US-amerikanische Sängerin und Schauspielerin Helen Schneider in die Rolle der Norma Desmond schlüpfen.


Davor werden allerdings zunächst noch in der aktuellen Saison in der Sparte Schauspiel zwei weitere eigene Produktionen Premiere feiern: „Die Vermessung der Welt“ nach dem gleichnamigen Roman von Daniel Kehlmann (8. März) sowie Moliéres Komödie „Die Lästigen“ (26. April). Hinzu kommt als Wiederaufnahme „Der Golem“ (1. Juli) – eine Co-Produktion des Stadttheaters Fürth mit dem Theater Mummpitz. Spannend in Sachen Co-Produktionen ist zudem das Projekt junge MET als eine gemeinsame Aktion des privaten Theaters Pfütze in Nürnberg und des Stadttheaters Fürth. Zielsetzung: zeitgenössisches Musiktheater für Kinder und Jugendliche in der Metropolregion Nürnberg. Dafür werden vielfach neue Texte und Partituren geschaffen.


Weit über Fürth hinaus einen Namen gemacht hat sich das Stadttheater Fürth vor allem aber in der Sparte Tanztheater.  Abonnenten sitzen längst nicht nur in Fürth und Nürnberg, sondern zum Beispiel auch in Würzburg oder Regensburg. Als nächstes wird die Compagnia Aterbaletto vom 19. bis 22. März zu sehen sein  - Italiens erste fest etablierte Tanzkompanie, der es gelang, sich außerhalb der Opernhäuser zu behaupten. Weitere große Gastspiele: Gauthier Dance aus Stuttgart (8. bis 12. April) und das „Cedar Lake Contemporary Ballet“ (15. bis 18. Mai) Die Gruppierung gilt derzeit als angesagtestes Tanzensemble in New York. In Fürth zu Gast waren die Tänzer auch schon 2009 – und gaben damals ihr Deutschland-Debüt.  Die Ballettspielzeit schließt am 18. und 19. Juli mit einer Koproduktion des Balletts Dortmund und des Stadttheater Fürth im Zuge der Internationalen Gluck-Opern-Festspiele: Uraufgeführt wird „Orpheus“ mit Musik von Igor Strawinsky und aus der altchinesischen Ming-Dynastie.  

Der Artikel  wurde in „Franken. Magazin für Land und Leute“ veröffentlicht.

Ihre Unterstützung:


Hat Ihnen mein Artikel gefallen? Dann würde ich mich freuen, wenn Sie mich mit einem Klick  „flattern“, um mir ein kleines Zeichen der Anerkennung zu schicken. Herzlichen Dank!


Flattr this