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„Der Zuschauer kann nichts falsch machen“
Zum Welttag des Tanzes ein Probenbesuch im tanzSpeicher
Würzburg, dem einzigen Theater für zeitgenössischen Tanz in Süddeutschland


Von Michaela Schneider
Würzburg  
Linn und  Rodolfo strecken die Arme suchend nach vorn, bewegen sich hockend rückwärts, gehen zu Boden, wälzen sich. Das alles geschieht unter dem Arbeitstitel „achtmeterimquadrat“ – jener Fläche, die einem Durchschnittskinderzimmer entspricht. Denn in seiner neuen Tanzproduktion wird Choreograph Thomas K. Kopp das Thema „Kindheit“ aufgreifen – ihre glücklichen, aber auch die schwierigen Seiten. Die Proben zu dem Stück haben erst vor wenigen Tagen begonnen, Uraufführung feiern wird es im Herbst im tanzSpeicher Würzburg. Seit 1983 feiern Künstler aus aller Welt alljährlich am 29. April den Welttag des Tanzes. Anlass für einen Besuch im tanzSpeicher.


Als einzigartig in Süddeutschland wird die Bühne gern beschrieben und als bayerisches Modellprojekt. Was die Handschrift des Theaters im Kulturspeicher-Gebäude gleich neben dem Museum für moderne Kunst in Würzburg dabei so besonders macht: Es handelt sich um ein Theater allein  für zeitgenössischen Tanz. Dass das Konzept in Metropolen wie Berlin funktioniert, erstaunt nicht weiter. Mancher Würzburger indes gab dem Projekt des gebürtigen Unterfranken Kopp seinerzeit wenige Chancen. Doch inzwischen leitet Kopp den tanzSpeicher seit mehr als zehn Jahren.  Zu Castings für neue Produktionen kommen Tänzer aus ganz Europa.


Auch bei „„achtmeterimquadrat“ war dies der Fall. 180 Männer und Frauen bewarben sich, um die 40 lud Kopp zum Casting nach Berlin ein. Das Rennen machten am Ende Linn Eriksson aus Schweden und Rodolfo Piazza Pfitscher da Silva aus Portugal. „Ich brauche Tänzer, denen man zwei Stunden zuschauen will“, sagt Kopp - denn eine Besonderheit im tanzSpeicher ist, dass die Zuschauer fast auf der Bühne sitzen.  


Zeitgenössischen Tanz zu definieren ist kaum möglich – zum einen, weil er sich ständig weiterentwickelt, zum anderen, weil jeder Choreograph seine eigene Sprache spricht. Auf die Frage, wie seine eigene Handschrift aussehe, zögert Kopp, verweist dann auf seine Themenauswahl. Denn der Choreograph will mehr als nur Emotionen vermitteln. Er greift Gebiete auf, die auf den ersten Blick kaum tanzbar scheinen. „Mich interessieren medizinische Phänomene wie Autismus oder Alzheimer“, sagt er. In dem Stück „Ausziehen 2.0“ beschäftigte er sich mit sozialen Medien und Datenvorratsspeicherung. Eine Auftragsarbeit handelte von der Kultur- und Kreativwirtschaft, von Geld und Finanzen.


Um seine Anliegen zu vermitteln, setzt Kopp auch Sprache ein, wenn Bewegung nicht genügt oder verkrampft wirkte. Und er arbeitet nach Bedarf mit Kompositionen oder Videosequenzen. Zudem etablierte Kopp schon sehr früh Einführungen zu sämtlichen Vorstellungen. „In der Tanzszene wurden wir dafür belächelt, die Resonanz ist aber seit Jahren sehr groß“, so der Choreograph. Er will den Theaterbesuchern dabei vor allem auch Berührungsängste vor zeitgenössischem Tanz nehmen. „Wichtig ist mir die Botschaft: „Der Zuschauer kann nichts falsch machen, wenn er die Inszenierung einfach wirken lässt und offen ist für Denkanstöße“, sagt der Choreograph.


Zurück zu den Proben zur neuen Produktion. Wie diese am Ende aussehen, auch wie sie heißen wird, steht noch nicht fest. „achtmeterimquadrat“ ist zunächst nur Arbeitstitel. Klar ist, dass es um das Thema Kindheit gehen wird. Kopp will einen Blick in die Historie werfen oder zum Beispiel auch ins heutige Japan auf die „Hikikomori“. So werden dort Jugendliche bezeichnet, die sich freiwillig in ihren Zimmern einschließen und den Kontakt zur Gesellschaft auf ein Minimum reduzieren, um sich vor dem extremen gesellschaftlichen Leistungsdruck zurückzuziehen. Auch das Zitat eines Zwölfjährigen habe ihn nachdenken lassen, erzählt Kopp. Der Teenager habe gesagt: „Ich habe mir meine Kindheit auch anders vorgestellt.“


Auf diesen und weiteren Bausteinen will Kopp das neue Stück aufbauen – übrigens nicht nur in enger Zusammenarbeit mit der Dramaturgin Dr. Brigitte Weinzierl, sondern auch mit den Tänzern. „Es ist supertoll, etwas so Spezielles zu erarbeiten, ins Thema einzutauchen und am Entstehungsprozess beteiligt zu sein“, sagt Linn Eriksson. Rodolfo Piazza Pfitscher da Silva lobt zudem die angenehme, humorvolle Atmosphäre während der Proben. Kopp selbst betrachtet die Trainingsblöcke als Experimentierfeld, als großes Labor. Dass die Tänzer dabei eigene Ideen, eigene Bewegungen einbringen, ist bei seiner Handschrift dabei letztlich unabdingbar, denn: In allen Produktionen des Choreographen bleiben die Tänzer sie selbst. Das heißt: Linn und Rodolfo werden ganz bewusst nicht in die Rollen von Kindern schlüpfen, obwohl es um Kindheit geht.  Uraufführung feiert die Produktion übrigens am 16. Oktober.

Choreograph Thomas Kopp probt mit den Tänzern Linn Eriksson und Rodolfo Piazza Pfitscher da Silva.


Alle Fotos: Michaela Schneider


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Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Zur Person Thomas K. Kopp und seinem tanzSpeicher


Thomas Kopp wollte einst eigentlich Erzieher werden. Während einer Auszeit in New York kam er eher zufällig auf den zeitgenössischen Tanz. An der Münchner Iwanson Schule absolvierte er eine Ausbildung zum Choreografen und Tänzer. „Ich verbrachte viel Zeit im Ausland, wollte wieder in meine Heimat zurück nach Würzburg“, erinnert sich der gebürtige Unterfranke. Zunächst eröffnete er in Würzburg ein Tanzstudio, arbeitete zudem in In- und Ausland als Choreograph. 1998 gründete er die kompanie thomas k. kopp. Die Mitglieder hatte er über die eigene Schule rekrutiert, denn in Würzburg gab es ansonsten schlichtweg keinen zeitgenössischen Tanz – und erst recht keine geeigneten Profitänzer. Als „Bühne“ nutzte er in jener Zeit mal ein Parkhaus, mal eine Lagerhalle oder Fußgängerunterführung.  Als zum Jahrtausendwechsel der Kulturspeicher entstand, bot sich  Kopp eine einzigartige Chance: „Man fragte uns, ob sich die Räume für ein Tanztheater eignen würden“, erzählt der Choreograph. Viele Gespräche, die Planung und der Umbau folgten. 2005 feierte der tanzSpeicher seine Eröffnung.  Pro Saison produziert Kopp ein neues Stück, bietet der Tanzszene ein Forum und organisiert Gastspiele nationaler und internationaler Kompanien.


Termine:


14. Mai: Ausziehen 2.0 (Vorstellung für Jugendliche)


16. Mai: Derniere Ausziehen 2.0


12. und 13. Juni: Alle Zeit der Welt



27. Juni: Desperate Housewifes (Beitrag zur langen Museumsnacht im Kulturspeicher)


16. Oktober: Premiere achtmeterimquadrat (AT)