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Von Michaela Schneider

 

Würzburg Wenn in früheren Jahrhunderten der Rektor der Würzburger Universität in offizieller Funktion das Haus verließ, war es seine Pflicht, das Universitätsszepter zu tragen. Professoren waren leicht zu erkennen am Talar und auch Studenten hoben sich optisch von der übrigen Bevölkerung ab. Heute indes leben in Würzburg sage und schreibe fast 30000 Studenten – doch von der übrigen Bevölkerung unterscheiden sie sich in den seltensten Fällen. „Vom Siegel, Szepter und Talar zur Corporate Identity“ ist eine Sonderausstellung in der Gemäldegalerie des Würzburger Martin-von-Wagner-Museums betitelt. Sie ermöglicht einen spannenden, konzentrierten Blick auf die Geschichte der Würzburger Universität und ihr öffentliches Erscheinungsbild über die Jahrhunderte.

 

Zwar beschränkt sich die Ausstellung auf zwei Räume, doch sollte man sich Zeit für einen Rundgang nehmen: Zahlreiche Texttafeln und liebevoll ausgewählte Objekte liefern spannende, sehr anschauliche und überraschende Einblicke ins Universitätsleben der „Alma Mater Julia“ über die Jahrhunderte. Zudem sind in den Vitrinen einige echte Kostbarkeiten zu sehen – allen voran zwei Szepter aus dem Jahr 1665.

 

Dass sie in Würzburg ausgestellt sind, bezeichnet Professor Dieter Salch, Honorarprofessor und Autor des 2012 erschienenen Buches „Symbole und Insignien der Würzburger Universität“ als kleine Sensation, denn: Sie gehörten und gehören eigentlich der Salzburger Universität. Als Salzburg 1810 für sechs Jahre ins Königreich Bayern eingegliedert wurde, eignete sich dieses die Szepter jedoch an und gab sie – Jahre später – als Leihgabe nach Würzburg. Man bedankte sich für die „Schenkung“ und verdrängte oder vergaß, woher die guten Stücke stammten. Erst in den 1930er Jahren sollten sie unter dem Druck des Gauleiters und Reichsstatthalters von Salzburg dorthin zurück gebracht werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wollten die Würzburger Salzburg immer wieder zur Rückgabe bewegen, erhielten jedoch regelmäßig ein entschiedenes Nein, bis sie laut Salch 1955 schweren Herzens offiziell den Verzicht erklärten. Erstmals nach fast 80 Jahren sind die Szepter aus dem 17. Jahrhundert nun als Leihgabe wieder in Würzburg zu sehen.

 

Weitere wertvolle Stücke: drei Originalurkunden. Die älteste stammt aus dem Jahr 1402 - es handelt sich dabei um kein geringeres Schriftstück als die Gründungsurkunde der Universität mit dem päpstlichen Bleisiegel an seidenen Fäden. Zweites wichtiges Schriftstück: Eine Urkunde von 1410, mit dem sich Rektor, Professoren und Studenten sämtlicher verliehener Privilegien verpflichten. Mit Blick auf die Universitätsgeschichte ist das Originaldokument vor allem auch bedeutend, weil es das älteste Würzburger Universitätssiegel überhaupt zeigt.  Das dritte Schriftstück ist jünger und an sich unbedeutend: Es handelt sich um ein schlichtes Studentenzeugnis inklusive Sittenzeugnis für einen Johann Andreas Ganzhorn von 1595. Auffallend ist laut Dr. Marcus Holtz, Leiter des Universitätsarchivs, dass es sehr positiv ausfällt. Dass just 1595 ein Herr Ganzhorn Rektor der Universität war, mag hier hineingespielt haben…

 

Und jede Menge weitere Themen werden in der Sonderausstellung angerissen: So verfügte die Universität einst nicht nur über ein sattes Stiftungsvermögen und großen Grundbesitz, sondern auch über eine eigene Gerichtsbarkeit. In einer Aquarellskizze von 1894 thematisiert: der Karzer – sprich die Arrestzelle der Universität. Zwei Vitrinen drehen sich um das studentische Erscheinungsbild und zeigen unter anderem mit einem „Tönnchen“ eine einstmals typische studentische Kopfbedeckung. Auf einer Fotografie des Stiftungsfests von 1897 kann man Wilhelm Conrad Röntgen entdecken.

 

Die schwere Rektorenkette in einer eigenen Vitrine ist kein Original mehr – sie wurde während des ersten Weltkriegs eingeschmolzen. Nicht so die zugehörige Medaille, sie stammt aus dem Jahr 1834. Interessant ist: Während König Ludwig I. der Münchner Universität eine Rektorenkette finanzierte, forderte er, dass die Universitäten Würzburg und Erlangen vergleichbare Stücke auf eigene Kosten einführen – doch die beiden Hochschulen weigerten sich zunächst standhaft. 1834 verpflichtete der König sie schließlich. Ebenfalls schmuck aber tatsächlich um einiges jünger ist der Rektortalar aus rotem Samt. Er wurde 1952 nach dem Vorbild der Freiburger Universität gefertigt, nachdem die Würzburger Talare am 16. März 1945 dem Feuer zum Opfer gefallen waren.

 

Studentenunruhen beendeten das Insignien-Zeitalter endgültig: 1968 beugten sich die Universitäten den Parolen „Unter den Talaren der Muff von 1000 Jahren“. Talare wurden nicht länger getragen – abgeschafft sind sie bis heute nicht. Doch gibt es neue identitätsstiftende Objekte: Eine letzte Vitrine zeigt Produkte aus dem Universitätsshop – von der Uni-Krawatte bis zum Plüschbär im Talar.

 

Als der Rektor noch ein Szepter trug

Ausstellung Martin-von-Wagner-Museum ermöglicht einen konzentrierten Blick auf die
Geschichte der Würzburger Universität, auf ihre Symbole und Insignien sowie auf den studentischen Alltag

 


Forschungsverbund setzt sich mit den Ursachen und Folgen für Mensch und Natur auseinander

          

Blickfang des kaiserlichen Szepters aus dem Jahr 1665 sind drei radial angeordnete, schreitende Löwen.  

 Foto: Michaela Schneider

 

Auf Bitten des Würzburger Bischofs Johann von Egloffstein stellt Papst Bonifaz IX. am 10. Dezember das Privileg zur Gründung einer Hochschule aus. Hier: die Original-Urkunde.    

 

Foto: Michaela Schneider

Das päpstliche Szepter von 1665 zeigt Emaillenbilder von Schutzheiligen.

 

Fotos: Michaela Schneider

Der Artikel ist unter anderem in Main-Echo erschienen.

Der Rektortalar aus rotem Samt stammt aus dem Jahr 1952. Ältere bayerische Talare fielen dem Brand am 16. März 1945 zum Opfer.

     

Foto: Michaela Schneider

Einen Galafrack trugen Professoren beim Empfang des Königs – und bei der Beerdigung eines Kollegen.   

    

Foto: Michaela Schneider

Über die Ausstellung

 

Die Sonderausstellung „Von Siegel, Szepter und Talar zur Corporate Identity“ in der Gemäldegalerie des Martin-von-Wagner-Museums ist bis einschließlich 2. Februar 2013 zu sehen. Das Museum ist Dienstag bis Samstag von 10 bis 13.30 Uhr und jeden zweiten Sonntag im Monat geöffnet.

Fakultätssiegel aus dem Jahr 1804.    

 

Foto: Michaela Schneider