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Viel Applaus in einer divenhaften Glitzerwelt
Musical
Stehende Ovationen für Andrew Lloyd Webbers „Sunset Boulevard“ am
Würzburger Mainfranken Theater – Barbara Schöller herausragend in der Rolle der Norma Desmond


Von Michaela Schneider

Würzburg Mit aufwändigem Kopfputz, schmuckbehängt und in wehenden Stoffen erscheint Norma Desmond. Als Diva in Perfektion schreitet sie die Treppe hinunter, ihr Arm hebt sich. In ausholender Geste, den Blick in die Ferne gerichtet, scheint sie längst vergangene Zeiten zu greifen. Die Kameras blitzen auf. Kurz darauf fällt der Vorhang: Norma Desmond hat die Tragik ihres Lebens eingeholt. Dann öffnet sich der Vorhang für Barbara Schöller und ihre Mitstreiter: Die „Sunset-Boulevard“-Premiere im Mainfranken Theater in der ersten Inszenierung von Ivan Alboresi ist vorbei, das Publikum begeistert. Nach wenigen Augenblicken Applaus steht der Saal und fordert immer neue Vorhänge für eine divenhafte Glitzerwelt.


Die Geschichte in Kürze: Die Glamourzeiten des Stummfilmstars Norma Desmond (Barbara Schöller) sind vergangen. „Ich bin groß, es sind die Filme, die klein geworden sind“, ist die gealterte Diva überzeugt. Während sie um ihren toten Schimpansen trauert, verirrt sich der junge Drehbuchautor Joe Gillis (Robert D. Marx) in ihre düstere, angestaubte Welt. Norma will den jungen Mann nicht gehen lassen, beschenkt ihn, droht mit Selbstmord, sollte er sie verlassen. Er genießt den Luxus in der Villa, verliebt sich aber zugleich in die junge Autorin Betty Schäfer (Anja Gutgesell). Das Drama ist vorprogrammiert: Während Joe und Betty ausgelassen Silvester feiern, schneidet sich Norma die Pulsadern auf. Joe kehrt zu ihr zurück, liebt aber weiterhin Betty. In rasender Eifersucht erschießt die Diva den Autor mit drei Schuss „Niemand verlässt einen Star“, ertönt ihre Stimme im Wahn.


Es dauert bei der Premiere in Würzburg nicht lang bis zu den ersten Bravorufen und begeistertem Zwischenapplaus: Barbara Schöller als Norma gelingt gleich beim ersten Solo mit „Nur ein Blick“ ein echter Gänsehaut-Auftritt, untermalt vom verhärmten Ausdruck im blass-knochigen Gesicht und ausholenden Divagesten. Und sie seufzt und glänzt den ganzen Abend über, mal strahlt sie, mal wirkt sie gebrochen. In der einen Minute ein herrischer Star, in der nächsten eine verzweifelte, einsame Frau. Ihr zur Seite steht mit Robert D. Marx in der Rolle des Joe Gillis ein Musicalprofi, der Göttinger ist seit mehr als 15 Jahren auf großen Musicalbühnen von Stuttgart über Berlin bis Wien unterwegs. Sehr schön: Die Süffisanz und der spöttisch hochgezogene Mundwinkel, während der Drehbuchautor die Geschichte seiner eigenen Ermordung erzählt. Ein klarer gesanglicher Höhepunkt des Abends: Marx‘ „Sunset Boulevard“ vor dem großen dramatischen Finale.


Anja Gutgesell begeistert mit ihrer wunderbar frechen Art und einem perlenden, frischen Sopran. Daniel Fiolka hat als der Butler Max von Mayerling nur wenige Gesangsauftritte, in denen aber gibt er alles. Dchade, dass seiner voluminösen Stimmkraft der Verstärker zeitweise nicht Stand hält…  Ein weiterer kleiner Wermutstropfen bei der Musicalpremiere: Der Chor unter Leitung von Michal Clark ist zwar in gemeinsamen Passagen gut, in verschiedenen Soli sind einzelne Chormitglieder allerdings textlich kaum zu verstehen.


Das Philharmonische Orchester spielt an diesem Abend unter dem Dirigat eines Musicalkenners: Frank Obermair gibt mit „Sunset Boulevard“ sein Debüt in Würzburg. Unter anderem arbeitete der Salzburger als Chefdirigent und Musical-Direktor im Festspielhaus Neuschwanstein, die letzten fünf Jahre war er Erster Kapellmeister am Landestheater Neustrelitz. In mancher  schneller Passage zeigt das Orchester kleine Schwächen, stark präsentieren sich die Musiker an diesem Abend aber vor allem in den leisen Soli und schwermütigen-getragenen, emotionalen Passagen wie der Ouvertüre nach der Pause.


Schließlich ein Blick auf das Bühnenbild. Hier lehnt sich Sandra Dehler teilweise eng an die Sunset-Boulevard-Verfilmung von 1950: Eine geschwungene Treppe mit filigran-geschwungenem Geländer wie im Paramount-Streifen dominiert den Salon von Norma Desmond und verschafft Barbara Schöller die Möglichkeit zu ihren grandiosen Diva-Auftritten. Nebelschwaden liegen wie jahrzehntelanger Staub über der Bühne. Durch hohe Arkaden fällt gleisendes Licht und lässt den Salon kühl und vergessen wirken. Auch die anderen Szenarien sind aufwändig und ansprechend gestaltet – die ägyptische Studioszene zum Beispiel. Eine hübsche Idee: kurze, erzählende Filmpassagen in flimmerigem Schwarz-Weiß aus fast vergessenen Zeiten. Auch Kostümbildner Kristopher Kempf greift an diesem Abend vor allem bei der Garderobe der Diva in die Vollen.


Sicher, Musicals sind massentauglich und funktionieren auf Theaterbühnen  – aber in Würzburg stimmt bei „Sunset Boulevard“ (fast) alles: Ivan Alboresi kann stolz sein auf seine Regie-Premiere. Mit Barbara Schöller, Robert D. Marx, Anja Gutgesell und Daniel Fiolka sind an diesem Abend vier herausragende Sänger und mitreißende Schauspieler auf der Bühne zu erleben. Hinzu kommen wunderbare Melodien des Musicalmeisters Andrew Lloyd Webber, aufwändige Bühnenbilder und herrliche Kostüme. Und nicht zuletzt Hollywood-Glamour, leidenschaftliche Bühnenküsse, süffisante Ironie, fesselnde Dramatik und Mord aus Liebe.


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Der Artikel ist unter anderem im Main-Echo erschienen.