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Diplom-Bibliothekar Wilhelm Hörner hat sämtliche bekannten Landesverordnungen der Würzburger Fürstbischöfe gesichtet.


Foto: Michaela Schneider

Von Spatzenköpfen, Henkerslöhnen und „nächtlichen Gassengehen“
Historisches Diplom-Bibliothekar hat die rund 2000 Landesverordnungen der
Würzburger Fürstbischöfe gesichtet und ist dabei auf allerlei Kuriositäten gestoßen – Führung am 8.November


Von Michaela Schneider

Würzburg Die Regelungswut der Europäischen Union ist kein neues Phänomen, sagt einer, der es wissen muss: Diplom-Bibliothekar Wilhelm Hörner hat sämtliche bekannten Landesverordnungen der Würzburger Fürstbischöfe durchforstet. Insgesamt sind dies um die 2000, die erste gedruckte Verordnung stammt dabei aus dem Jahr 1546. Wie aber kam der Würzburger auf die zum Teil recht eigenwilligen Verordnungen? Hörner arbeitet in der  Abteilung Fränkische Landeskunde der Würzburger Universitätsbibliothek, diese besitzt die gesammelten Landesverordnungen in drei Ausgaben und auch den  Nachdruck der Landesverordnungen aus den Jahren 1776-1800. Am 8. November wird Hörner in einer Bibliotheksführung unter dem Motto „Stümpler, Störer, Rörenschieber“ von der Regelungswut der Würzburger Fürstbischöfe erzählen.


Die Verordnungen sind fein säuberlich gedruckt und in Schweinslederbänden gesammelt, denn es gab explizite Anweisungen, sämtliche Texte aufzuheben. Seit dem 16. Jahrhundert beschäftigten die Würzburger Fürstbischöfe dafür eigens einen Hofdrucker. Vollständig ist trotzdem keine der Sammlungen, das zeigt sich beim direkten Vergleich, denn: Manche Texte finden sich in allen Ausgaben, andere nur in einer. Teilweise fügten Beamte zudem noch Handschriftliches in die Bände mit ein. Heute ermöglichen die Gesetzestexte detaillierte Einblicke in die Gesellschaft der frühen Neuzeit: Sie erzählen zum Beispiel von der gewieften Finanzpolitik der Fürstbischöfe und vom Merkantilismus. Sie beleuchten verschiedenste Berufsgruppen und berichten von Nöten und Plagen. Kurioses wird lesbar – etwa, dass sich die Würzburger einst in der Seidenraupenzucht probierten. Und die Verordnungen reichen weit hinein ins Private, wenn sie auf Hochzeiten und Trauerfeiern oder das nächtliche „Gassengehen“ Einfluss nehmen.


„Der Versuch, in das Leben des Einzelnen einzugreifen, war groß“, sagt Hörner. Der Erfolg allerdings ließ in der Praxis wohl zu wünschen übrig, denn: Zahlreiche Verbote wurden immer wieder neu aufgelegt - vermutlich, weil sich schlichtweg kaum einer daran hielt. Zuständig für deren Durchsetzung waren seinerzeit die Amtmänner und Keller der 54 Ämter im Hochstift Würzburg,  das sich über 33 Städte, 16 Marktflecken und rund 700 Ortschaften erstreckte.


Diplom-Bibliothekar Hörner hat einen ganzen Stapel einzelner Verordnungen dabei – eine überraschender und kurioser als die andere. Da geht es zum Beispiel um den so genannten Spatzenkrieg, in dem die Bevölkerung im 18. Jahrhundert verpflichtet wurde, die herrschaftlichen Felder vor hungrigen Vögeln zu schützen und eine gewisse Anzahl Spatzenköpfe abzuliefern. Weit mehr irritierte Hörner allerdings bei der Durchsicht eine andere tierische Verordnung, denn auch Hasenbälge mussten per Verordnung abgeliefert werden. Weshalb, fand der Diplom-Bibliothekar erst nach gründlicher Recherche heraus: „Hase war billiger als Biber, die Fellhaare wurden zu Hüten verarbeitet.“ Hier ist auch der strenge Merkantilismus jener Zeit zu spüren: Hasenbälge durften nicht ins Ausland verkauft werden – und als Ausland galt schon der benachbarte Hochstift Bamberg. Ob Wein, Lederhäute, Salz oder bei schlechter Ernte  Getreide,  Obst oder Gemüse – immer wieder durften bestimmte Güter die Hochstiftsgrenzen nicht verlassen.


Doch nicht nur in den Handel, auch ins Privatleben griffen die Fürstbischöfe tiefgreifend ein: Da wurden etwa Feiertage abgeschafft, weil’s zu viele gab. Wer sich im Dunkeln im Freien bewegte, musste eine Laterne dabei haben, damit war klar, dass es sich um keine zwielichtige Gestalt handelte. Und an Kirchweih wurde das Tanzen offiziell verboten – aber zugleich ein „gegenwärtiges Erlaubnisdecret“ erlassen, über das nur die Beamten und Pfarrer informiert wurden. Denn: Ein Fürstbischof war sich sehr bewusst, dass ein allgemeines Tanzverbot kaum kontrollierbar gewesen wäre. Geregelt wurde, dass Hochzeiten, aber auch Beerdigungen nicht zu aufwändig ausgerichtet wurden. „Die Fürstbischöfe brauchten unter anderem Geld für ihre Prachtbauten. Und nur, wenn die Untertanen schön sparsam lebten und ihr Geld beisammenhielten, konnten entsprechende Steuern erhoben werden“, sagt Hörner, ergänzt: „All diese Anordnungen betrachteten die Fürstbischöfe als gute Policey für das Wohl aller ihrer Untertanen.“ Aus jener Zeit stamme auch der Spruch:  „Unter dem Krummstab ist gut leben."


Spannend ist abschließend auch ein Blick auf Verordnungen zu einzelnen Berufsgruppen. Da geht etwa aus einer Taxordnung von 1756 detailliert hervor, wie viel Lohn ein Henkersknecht erhielt, wenn er den Delinquenten mit glühenden Zangen zwickte, ihn vierteilte auf offenen Straßen oder ihm die Ohren abtrennte. Immer wieder drehen sich Gesetzestexte zudem um Beamte, die anscheinend sehr gut wussten, wie sie an Nebeneinnahmen gelangten. Hörners Fazit: „Beamten hat man auch damals nicht besonders vertraut.“

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Infokasten: „Stümpler, Störer, Rörenschieber“

Die Führung „Stümpler, Störer, Rörenschieber“ in der Würzburger Universitätsbibliothek beginnt am 8. November um 16.30 Uhr und dauert rund 90 Minuten. Sie ist Teil der Veranstaltungsreihe  „Bibliothek für alle“, Treffpunkt ist an der Informationstheke in der Eingangshalle. Wer sich darüber hinaus für die Landesverordnung der Würzburger Fürstbischöfe interessiert, findet sämtliche Texte frei zugänglich auch als Digitalisate im Internet. Auffindbar sind sie über den Katalog der Universitätsbibliothek Würzburg (http://katalog.bibliothek.uni-wuerzburg.de). Hier das Titelwort „Sammlung“ und als Autor „Heffner“ eingeben. Dann „Bände anzeigen“, den entsprechenden Band und schließlich „Volltext“ anklicken – das Digitalisat erscheint.

Der Artikel  ist unter anderem  in der Taubezeitung erschienen.