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Rettung für die Streuobstwiese
Genossenschaft will Imker und Landwirte aus Mainfranken ins Boot holen und
Produkte unter anderem unter einer Dachmarke vermarkten – Streuobst  sorgt für Artenvielfalt und ist gesund


Von Michaela Schneider

Unterfranken Bis in die 1950er Jahre waren die meisten Bauernhöfe in Unterfranken klein. Die Großfamilie half bei der Obsternte mit und man wollte auf wenig Fläche möglichst viele, unterschiedliche Produkte ernten. Streuobstwiesen prägten damals die Kulturlandschaft. Heute indes drohen sie zum Relikt vergangener Tage zu werden. Statt auf Streuobstflächen setzen Landwirte lieber auf pflegeleichten Intensivanbau. Naturschützer macht das nicht glücklich, denn: Auf Streuobstwiesen findet sich nicht nur eine extrem hohe Artenvielfalt, sondern bestimmte Tiere sind sogar an Streuobst gebunden. Streuobstbauern und Imker aus Unterfranken wollen sich nun gemeinsam für den Erhalt der Streuobstbestände stark machen. Im Februar gründeten sie deshalb die „Main-Streuobst-Bienen Genossenschaft“.  


Inzwischen sind die ersten Weichen für deren künftige Arbeit gestellt. Zum geschäftsführenden Vorstand gewählt wurde Stefan Veeh aus Margetshöchheim. Sein Studium der Agrarwissenschaften wird der Unterfranke Mitte 2015 abschließen. Und obwohl erst 25 Jahre jung, kennt er sich hervorragend aus in Sachen Streuobst, denn: Zum elterlichen Betrieb gehören 3,5 Hektar Streuobstwiesen. Auf die Frage, was dort wachse, antwortet er knapp: „Alles, was man sich vorstellen kann.“ Äpfel und Birnen etwa, Zwetschgen und Walnüsse, Kirschen oder auch Quitten.


Vorantreiben will die Genossenschaft vor allem die Streuobst-Vermarktung in der Region. Denn auch, wenn viel übers Streuobst geredet wird – gegessen wird es zu wenig, schlichtweg weil die Käufer bei Lebensmittel bekanntermaßen sehr genau aufs Geld schauen. Und Obst aus Intensivanbau ist nun einmal, weil wesentlich pflegeleichter, günstiger. Warum aber sollte der Unterfranke ab und an trotzdem zum Streuobst greifen? Stefan Veeh kennt so manchen Grund. Tatsächlich beinhalten die Intensivanbau-Sorten weit weniger genetische Informationen und damit wohl auch weniger gesunde Inhaltsstoffe als alte, heimische Obstsorten.


Beispiel Polyphenol. Dieser sekundäre Pflanzenstoff sorgt nämlich nicht nur dafür, dass ein Apfel braun wird, sondern wirkt sich sehr wohltuend auf den Magen-Darm-Bereich aus. Studien belegen laut Veeh sogar, dass Polyphenol das Darmkrebsrisiko sinken lässt. Was aber hat das mit Streuobst zu tun? Nun, alte Apfelsorten beinhalten wesentlich mehr Polyphenol, als die neuen Zuchtformen. Und alte Obstsorten sind nicht nur inhaltsreicher, sondern auch von enormer Geschmacksvielfalt. „Im Supermarkt schmecke ich heute zwei bis drei Sortentypen, mehr nicht. Auf einer Tagung durfte ich einmal 70 verschiedene Apfelsäfte aus Streuobst trinken. Jeder hat anders geschmeckt“, sagt Veeh.


Soweit der direkte Streuobst-Nutzen für den Verbraucher. Naturschützer sehen jede Menge weitere Gründe, die für den Erhalt der Streuobstwiesen sprechen, wie Hubert Marquart, Diplom-Agrarbiologe und Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands Würzburg, betont.  Denn: Streuobstbestände zählen auf Grund ihrer Strukturvielfalt zu den wertvollsten Lebensräumen für Tiere und Pflanzen. Vögel zum Beispiel wie der Wendehals brüten in den Höhlen anderer Lebewesen. Das heißt: Die kleine Spechtart braucht alten Baumbestand mit Totholz, Höhlen und starken Kronen, wie er hier vor allem auf Streuobstwiesen vorkommt. Ähnlich ergeht es etwa dem Steinkauz und dem Gartenrotschwanz, den Siebenschläfer oder auch Fledermäusen.


Eng einher mit dem Obstbau geht das Imkerhandwerk. Deshalb will die Main-Streuobst-Bienen Genossenschaft ganz bewusst Landwirte mit blühendem Streuobst und Imker zusammenbringen. Untersuchungen haben gezeigt: Befinden sich Bienenstöcke direkt auf den Streuobstwiesen, resultiert daraus bis zu 40 Prozent mehr Ertrag. Und auch für die Bienen sind die Voraussetzungen ideal, weil auf Streuobstwiesen nahezu kein Pflanzenschutzmittel eingesetzt wird – schlichtweg, weil’s nicht notwendig ist. „Der Baum befindet sich mittendrin im Ökosystem, Nützlinge bekämpfen die Schädlinge. Bei einer Intensivnutzung dagegen kann ein Schädling alles kaputt machen“, erklärt Markquart. Heißt: Streuobstwiesen dienen gleichzeitig dem Bienenschutz, indem die Tiere hier keinen gefährlichen Pestiziden wie etwa Rapsbeizen ausgesetzt werden.


Neben den aktuell rund 50 Mitgliedern konnte die Genossenschaft bereits einen weiteren wichtigen Partner ins Boot holen: Eng kooperiert werden soll mit den Mainfränkischen Werkstätten in Würzburg - sowohl in Sachen Vermarktung als auch bei ganz praktischen Aufgaben. Menschen mit Behinderung, so die Idee, können zum Beispiel bei der Obsternte unterstützen.


Stefan Veeh ist geschäftsführender Vorstand der Main-Streuobst-Bienen Genossenschaft.

Foto: Michaela Schneider

Der Artikel  ist unter anderem  in den Fränkischen Nachrichten erschienen.

Infokasten: Die Arbeit der Main-Streuobst-Bienen Genossenschaft im Detail


Öffentlichkeitsarbeit: Die Genossenschaft will die Bevölkerung zum Thema Streuobst aufklären. Dafür wird sie bereits in den nächsten Wochen bei Veranstaltungen in der Region mit Informationsständen vor Ort sein - etwa beim „BayernMarkt Natur“ der Regierung von Unterfranken in Iphofen am 27. September; beim Herrnsheimer Streuobstfest am 28. September im Landkreis Kitzingen; oder ebenfalls am 28. September beim Herbstfest im Botanischen Garten in Würzburg.


Vermarktung: Die Genossenschaft will eine eigene Dachmarke entwickeln, unter der dann sowohl Streuobst als auch Honig aus der Region vermarktet werden. Derzeit wird am Logo gearbeitet, die gemeinsame Vermarktung soll mit der Ernte 2015 starten.


An- und Verkauf: Obst und Honig, so die Idee, sollen durch die Genossenschaft von Obstbauern und Imkern zum fairen Preis erworben, vermarktet oder an Dritte als Abnehmer weitervermittelt werden.


Ausbildung: Die Genossenschaft will Landwirte aber auch Privatbesitzer im Bereich Streuobst qualifizieren. Entsprechende Ausbildungsangebote (fünf Module, bestehend aus je ein bis zwei Tagen) laufen bereits.


Baumpflege als Dienstleistung und Pacht: Firmen und Privatleute können ihre Streuobstgrundstücke von der Genossenschaft pflegen lassen. Das bedeutet: Gegen einen Unkostenbeitrag kümmert sich die Genossenschaft um Baumpflege, Unterwuchspflege, Ernte sowie die Bündelung von Erntemengen als Dienstleistung. Die Alternative, haben Familien zum Beispiel eine Wiese geerbt, wollen diese behalten, doch fehlt der Bezug zur Landwirtschaft: Die Genossenschaft pachtet die Wiese und bewirtschaftet sie.

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