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Erfolgsgeheimnis: Kultur, Stadt und Freiheit verschmelzen
Ein Blick aufs 12. STRAMU Würzburg vom 11. bis 13. September – Die Organisatorin
Antje Molz will zudem mit Modelprojekt eine kleine Revolution in Deutschland anzetteln


Von Michaela Schneider
Würzburg  
Es gilt als das größte bühnenfreie Straßenkunstfestival in Europa: das STRAMU Würzburg. Zum 12. Mal werden Musiker, Jongleure, Theaterkünstler, Zauberer, Tänzer und andere Künstler die gesamte Innenstadt vom 11. bis 13. September an 24 Plätzen in eine große Bühne verwandeln. Die Idee zu dem bunten Spektakel stammt von Kulturmanagerin und Musikwissenschaftlerin Antje Molz aus dem unterfränkischen Höchberg.  Zwar treffe Straßenmusik heute den Nerv der Zeit, trotzdem fehle Straßenkünstlern immer noch die Lobby, sagt die 45-Jährige. Mit einem Modellprojekt in Würzburg hofft sie, eine kleine Revolution in Deutschland anzuzetteln. Hierüber, aber auch übers diesjährige STRAMU, spricht sie im Interview.


Das 12. STRAMU Würzburg steht kurz bevor. Wie kamen Sie denn seinerzeit auf die Idee zu einem Festival für Straßenkunst?

Antje Molz: Bei einer Reise nach Zagreb hatte ich ein Schlüsselerlebnis. Dort spielt sich das gesellschaftliche Leben auf der Straße ab. Die Menschen gehen raus, unterhalten sich, das allein hat mich schon schwer beeindruckt. Dann packten wir dort auf dem Marktplatz unsere Instrumente aus, spielten ganz spontan und plötzlich kam eine ungarische Volkstanzgruppe um die Ecke, legten die Arme um die Schultern und begann zu tanzen. Das werde ich sicher nicht vergessen. Einige Zeit später, das ist jetzt 16 Jahre her, zog ich nach Würzburg. Damals war die Innenstadt abends absolut tot. Das einzige Café am Marktplatz war das Café Michel – und das schloss um 18 Uhr. Das empfand ich als wirklich schlimm und wollte etwas ändern.  So entstand die Idee zu einem Festival für Straßenkunst. Das Stadtjubiläum im Jahr 2004 war dafür ein guter Anlass.


Sicher war es damals nicht einfach, ein komplett neues  Festival auf die Beine zu stellen…

Molz: Das stimmt. Tatsächlich konnte sich das STRAMU nur etablieren, weil zwar wahnsinnig viel Eigenleistung und ehrenamtliches Engagement nötig waren, aber kein riesiger Etat – schlichtweg, weil es sich um ein Hutfestival handelt. Die Musiker erhalten bis heute keine Gage, sondern erspielen sich den Lohn auf der Straße.


Was ist denn ansonsten das Besondere am STRAMU Würzburg?

Molz: Mir haben schon viele Künstler gesagt, etwas Vergleichbares gebe es nirgends auf der Welt. Das Besondere ist, dass wir keine einzige Bühne in der Stadt aufbauen. Künstler und Publikum begegnen sich überall in der Stadt auf Augenhöhe. Vielleicht ist das Erfolgsgeheimnis des STRAMU, dass die Begriffe Kultur, Stadt und Freiheit miteinander verschmelzen.  


Seit 2004 hat sich die Besucherzahl beim STRAMU verzehnfacht, es kamen in manchem Jahr mehr als 100000 Besucher. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?

Molz: Wir treffen damit wohl den Nerv der Zeit. Das Image des Begriffs Straße hat sich geändert. Früher hieß es noch: Geh von der Straße weg! Heute wird eine schöne Fußgängerzone mit Qualität gleich gesetzt. Ähnlich sieht es mit der Straßenmusik selbst aus. Den fahrenden, musizierenden Landstreicher, wie man ihn sich früher vorstellte, gibt es heute nicht mehr. Reisende Musiker spielten einst, um ein bisschen Geld zu verdienen. Heute dagegen gehen hochqualifizierte Musikstudenten bewusst auf die Straße, um sich auszuprobieren – und auch oft, um sich von  Bühnenzwängen zu befreien. Selbst das Philharmonische Orchester Würzburg tritt – nun schon im zweiten Jahr – beim STRAMU auf.  Das Klima ändert sich, die Fähigkeit, auf der Straße spielen zu können, gilt heute als Zusatzqualifikation.


Kann nicht jeder, der auf der Bühne musiziert, auch auf der Straße spielen?

Molz: Nein, Straßenmusik funktioniert anders. Die Künstler müssen sehr flexibel und extrem präsent sein. Sie müssen spielen wollen. Bei einem Konzert ist das Publikum von vornherein da, ein Straßenmusiker dagegen muss sein Publikum vor Ort erreichen und begeistern.  Darauf achten wir auch bei der Auswahl der Künstler.


Ein gutes Stichwort. Bei Ihnen gingen rund 500 Bewerbungen ein, 61 Künstler und Künstlergruppen wurden ausgewählt. Nach welchen Kriterien?

Molz:  Das Künstlerniveau ist inzwischen extrem hoch. Bei uns gehen so viele sehr gute Bewerbungen ein, dass die guten Künstler schon keine Chance mehr haben. Die „Ohrbooten“ standen zum Beispiel auch schon bei „Rock im Park“ auf der Bühne. Bei der Auswahl versuchen wir möglichst viele Genres abzudecken – Flottes und Ruhigeres, Mainstream und Ausgefallenes. Ebenfalls muss für uns aber auch die Lebenseinstellung passen. Die „Ohrbooten“ haben uns gleich ein Straßendemo geschickt, da fällt die Auswahl leicht. In anderen Fällen versuchen wir zwischen den Zeilen zu lesen, denn im Zuge der Bewerbung fragen wir bei den Künstlern ab, wie sie sich den Auftritt beim STRAMU vorstellen.


Den Sommer über haben Sie in Würzburg einen Modellversuch gestartet, um die Qualität des Straßenmusik-Angebots auch außerhalb des Festivals zu verbessern. Worum ging`s?

Molz: Die aktuelle Regelung in Würzburg in Sachen Straßenmusik erfordert eine städtische Genehmigung und verbietet Musik mit Verstärker sowie laute Instrumente wie Trompete, Schlagzeug oder Saxofon. Zudem müssen die Musiker alle 30 Minuten den Standort wechseln. In Würzburg durfte nun seit Juni jeden Monat ein Künstler oder eine Band mit Verstärker in der Innenstadt spielen, um zu testen, ob Musik mit Verstärker vertretbar ist und beim Publikum ankommt.


Wie waren ihre ersten Eindrücke?

Molz: Zunächst einmal haben wir gemerkt: Es lässt sich nicht mit einer absoluten Lautstärkevorschrift arbeiten. Wie laut Musik wirkt, hängt vom subjektiven Empfinden ab. Lieblingsmusik darf gerne laut sein, Ungewohntes dagegen nicht. Eine Rolle spielt die Konzertdauer, aber zum Beispiel auch die Himmelsrichtung oder der Ort. In einer Häuserflucht bewegt sich der Schall nach oben und kommt viel lauter bei Anwohnern an. Überzeugt sind wir aber: Straßenmusik tut Würzburg gut, wenn sie gut platziert sowie dezent verstärkt ist und die Zeit passt. Ich bin überzeugt, dass sich dadurch  auch die touristische Attraktivität einer Stadt erhöhen lässt.  Straßenmusiker haben bislang schlichtweg keine Lobby. Ich will mit dem Modellprojekt über Würzburg hinaus eine kleine Revolution anzetteln und zeigen, dass Straßenmusik ein wesentlicher Faktor ist, um das Image einer Stadt aufzubessern.




Antje Molz, Kulturmanagerin und Organisatorin des STRAMU Würzburg.



Foto: Michaela Schneider


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Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Infokasten: 12. STRAMU Würzburg vom 11. bis 13. September 2015


Vom 11. bis 13. September wird die Würzburger Innenstadt wieder zum Schauplatz für Europas größtes bühnenfreies Straßenkunstfestival. Insgesamt treten 61 Künstler(gruppen) an 24 Plätzen auf. Zu den Höhepunkten des 12. STRAMU Würzburg zählen ein Theaterstück des Cirque-du-Soleil-Künstlers Adam Read aus Australien, die Auftritte der Hip-Hop-Größen Ohrbooten, das Konzert des Philharmonischen Orchesters Würzburg bei einer der Sparda-Open-Air-Galas und der Sparda-Nachwuchspreis. Wie schon im Vorjahr öffnet zudem Samstag und Sonntag zwischen 12 und 22 Uhr das Freiufer am Main, hier können kurzentschlossene Künstler auftreten. Erstmals können Besucher heuer freiwillig Festivalbändchen erwerben, um das STRAMU finanziell zu unterstützen. Programmdetails unter www.stramu-wuerzburg.de