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Wenn die Worte stecken bleiben
Zum Welttag des Stotterns blickt Logopädin Julia Halmen auf die Sprechstörung
und macht bewusst: Betroffene sind in nahezu allen Lebensbereichen beeinträchtigt


Von Michaela Schneider
Aschaffenburg
Einfach los zu plaudern scheint für die meisten Menschen selbstverständlich. Doch bei Wenigen bleiben Worte immer wieder stecken – obwohl sie eigentlich ganz genau wissen, was sie sagen wollen. Ein Prozent der Bevölkerung stottert chronisch und stößt in unzähligen Alltagssituationen auf schier unüberwindbare Barrieren. Zum Welttag des Stotterns am 22. Oktober erklärt Logopädin und Gesundheitswissenschaftlerin Julia Halmen, was dies für Betroffene bedeutet und blickt auf mögliche Ursachen und Therapiemöglichkeiten. Die Aschaffenburgerin betreibt seit drei Jahren im Ortsteil Schweinheim eine Praxis und behandelt Kinder, Jugendliche und Erwachsene.    


Was genau ist Stottern eigentlich aus der Sicht eines Logopäden?

Julia Halmen: Wir Logopäden unterscheiden hierbei zwei Ebenen – die verbale und die nonverbale. Typisch auf der verbalen Ebene ist die Unterbrechung des Redeflusses durch Wiederholungen, Dehnungen oder Blockaden von Lauten, Silben oder Worten – also jene Dinge, die als erste auffallen, wenn man mit einem Stotterer spricht. Auf der nonverbalen Ebene kommen – und das wissen viele nicht – häufig andere Dinge hinzu wie Armbewegungen, Erröten, Zittern oder Schweißausbrüche.


Das ähnelt doch eigentlich Nervositätssymptomen?

Halmen:  Ja, das stimmt – und führt häufig zu Missinterpretationen, gerade  in der Schule. Stotterer werden oft gar nicht als solche erkannt, sondern von Lehrern und Mitschülern als störend, sozial auffällig oder introvertiert eingestuft.


Das heißt, hier ist noch jede Menge Aufklärung nötig?

Halmen: Auf jeden Fall. Gerade in der Schule ist es aber extrem wichtig, dass Eltern mit Lehrern offen darüber sprechen. Rund 75 Prozent der Stotterer erleben die Schule im Allgemeinen als extrem belastend – Abfragen, Referate und mündliche Prüfungen sind hier an der Tagesordnung. Stottern ist jedoch eine Sprechbehinderung, die einen Rechtsanspruch auf Nachteilsausgleich begründet, zum Beispiel in Form von vorwiegend schriftlichen Prüfungen oder mehr Zeit.


Woher kommt denn das Stottern eigentlich?

Halmen: Hierzu gibt es die verschiedensten Theorien, wobei eine klare Ursache noch nicht eindeutig bestimmt ist. Allerdings sind Jungs öfter als Mädchen betroffen und es ist eine familiäre Häufung zu beobachten. Zudem wissen wir, dass Stottern psychogen sein kann, das heißt, durch ein belastendes Erlebnis ausgelöst werden kann. Und: Erstmalige Stottersymptome treten gewöhnlich nicht nach dem zwölften Lebensjahr auf. Spannend ist: Ein Stotterer stottert in der Regel weder beim Singen, noch, wenn er in fremde Rollen schlüpft.


Wann sollte ich denn als Mutter oder Vater aufmerksam werden? Schließlich haben viele Kinder anfangs Sprachentwicklungsauffälligkeiten…

Halmen: Hier ist die Unterscheidung zwischen physiologischem, also entwicklungsbedingtem und chronischem Stottern wichtig. Beim physiologischen Stottern ist das Problem, dass die Kinder zwar bereits wissen, was sie sagen wollen, aber sie es aufgrund der sprechmotorischen Fähigkeiten noch nicht herausbringen. Zirka fünf Prozent der Zwei- bis Sechsjährigen sind davon betroffen, aber nur ein Prozent der Bevölkerung stottert später chronisch – bei den anderen verwächst es sich nach bis zu sechs Monaten wieder. Kurzum: Erst sollten Eltern dem Kind Zeit geben. Wenn sich das Stottern nach einem halben Jahr jedoch nicht legt, sollten sie hellhörig werden und spätestens dann das Kind in einer Fachpraxis vorstellen. Hier kann festgestellt werden, ob es sich um physiologisches oder chronisches Stottern handelt.


Was bedeutet es für einen Menschen, chronisch zu stottern?

Halmen: Betroffene sind in nahezu allen Lebensbereichen beeinträchtigt. Das beginnt schon im Restaurant mit einer einfachen Bestellung und setzt sich in vielen alltäglichen Situationen fort. Ein 16-jähriger Patient berichtete mir beispielsweise, dass er im Geschäft eine Frage stellte und dabei ins Stottern geriet. Die Verkäuferin habe ihn daraufhin erst ausgelacht und dann einfach stehen lassen. Leider ist das kein Einzelfall und kann dazu führen, dass sich die Betroffenen zurückziehen. Gerade auch Telefonieren ist ein ganz heikles Thema, schon einen Arzttermin auszumachen kann ein schier unüberwindbares Hindernis sein. Für Kinder ist es vor allem schwierig, wenn Sie in eine neue Umgebung kommen – etwa bei einem Schulwechsel.  


Wie reagiere ich im Gespräch mit einem Stotterer am besten?

Halmen: Sie sollten ihn ausreden lassen und Blickkontakt halten, selbst wenn sie wissen, was derjenige sagen will. Gerade Eltern geben gerne gut gemeinte Ratschläge wie „konzentriere dich“. Auf das Stottern hinzuweisen, ist aber genau verkehrt. Deshalb wird in der Therapie übrigens auch intensiv mit Eltern oder bei Erwachsenen mit dem Lebenspartner gearbeitet.


Inwieweit ist Stottern therapierbar?

Halmen: Stottern ist nicht heilbar, aber durch logopädische Therapie kann die Symptomatik abgeschwächt werden. In meiner Praxis analysiere ich die Hauptsymptome und versuche, sie abzubauen – unter anderem, indem ich sie den Betroffenen überhaupt erst bewusst mache. Sind diese abgeschwächt, trainiere ich gerne lebensechte Situationen mit den Patienten. Bei manchen Patienten zeigen sich bereits nach Wochen Therapieerfolge, andere Patienten kommen über Jahre in die Praxis. Und: Stottern kann sich ohne Therapie plötzlich ganz von alleine zurückbilden oder auch hochgradig verschlimmern. Neben der logopädischen Therapie gibt es „Stottercamps“ in denen intensiv stationär behandelt wird.

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Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.