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Wenn die Stimme plötzlich versagt
Expertentag dreht sich um die professionelle Sing- und Sprechstimme, Krankheitsbilder und Behandlungsmöglichkeiten.


Von Michaela Schneider

Würzburg „Die Stimme ist der Spiegel der Seele“, wussten schon die großen antiken Philosophen. Das Zitat aus der Zeit um 300 vor Christus stammt wohl von Aristoteles oder Platon. Es will sagen: Eine Stimme erzählt von der Persönlichkeit eines Menschen und seinen Gefühlen. Und auch in der modernen Medizin gilt: Stimmstörungen sind nur selten ein isoliertes Problem des Kehlkopfes. Kommunikationsstörungen erweisen sich vielmehr in der Regel als komplex - funktionelle, organische, psychologische und soziale Faktoren können eine Rolle spielen. Beim „Würzburger Stimmtag 2014“ am Würzburger Universitätsklinikum blickten Mediziner, Logopäden und Psychologen der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, plastische und ästhetische Operationen gemeinsam auf „Die professionelle Sing- und Sprechstimme“, Krankheitsbilder und Behandlungsmöglichkeiten. Die Patienten: Sänger, Schauspieler, aber zum Beispiel auch Lehrer.


Ein Fallbeispiel des Würzburger Facharztes Dr. Fabian Kraus: Eine 46-jährige Sängerin und Gesangslehrerin leidet seit Jahren schon unter wiederkehrender Heiserkeit. Nach einem Infekt kommt es zur offensichtlichen Verschlechterung. Ärzte diagnostizieren zudem eine deutliche Kehlkopfverspannung. Die Diagnose: eine funktionelle Dysphonie, sprich Stimmstörung. Ursachen können vielfältiger Natur sein – angefangen bei einer Überlastung über stimmschädigenden Sprechgewohnheiten bis hin zu einen anlagebedingten schwachen Stimmapparat.

Als nächster Behandlungsschritt folgt deshalb eine umfangreiche Stimmfeldmessung. Wie die Logopädin Sabine Mark erklärt, wird dabei die Sprech- und Singstimme computergestützt aufgenommen, um Tonumfang und Dynamik zu messen. Im Fallbeispiel ergibt die Untersuchung unter anderem, dass die Sängerin zu keinen Pianotönen mehr fähig und ihr Stimmumfang reduziert ist, ihre Stimme besitzt kaum mehr Dynamik. Singt sie, klingen die Töne gepresst, laut und angestrengt und selbst ihre Sprechstimme wirkt „knödelig“. Augenmerk legt Logopädin Mark deshalb vor allem auch darauf, die Wahrnehmung der Patientin zu schulen: „Das ist die wichtigste Grundlage an sich, um etwas zu ändern.“  Sie konzentriert sich auf den Abbau der Kehlkopfverspannung und arbeitet an der Phonation. Phonation beschreibt die kontrollierte Stimmtonerzeugung mit Hilfe der Stimmlippen im Kehlkopf.


Auch spricht die Patientin mit der Psychologin Isabell Wha Lee. „Sie sprudelte nur so mit Informationen heraus, die psychogene Komponente spielt in ihrem Fall eine große Rolle“, erzählt die Expertin. Die Patientin plagen verschiedenste Schmerzen, chronische Müdigkeit, sinkende Belastungsfähigkeit, Angst- und Essstörungen. Sie hat eine Odyssee erfolgloser ärztlicher Untersuchungen hinter sich. Wha Lee sieht einen Kontrollverlust der Körperwahrnehmung, als Folgen beobachtet sie ein ausgeprägtes Schonverhalten und eine Depression.  Die Diagnose: eine Somatisierungsstörung, das heißt körperliche Beschwerden ohne organisch fassbaren Befund.


Phonochirurgie beginnt im Jahr 1911

In anderen Fällen indes können durchaus körperliche Ursachen vorliegen – dann kann es sein, dass nur eine Operation hilft. Laut dem leitenden Oberarzt Norbert Kleinsasser reicht die Geschichte der Phonochirurgie zurück bis zum beginnenden 20. Jahrhundert, 1911 hatte der Mediziner Wilhelm Brüning als erster eine gelähmte Stimmlippe mit Paraffin unterfüttert. Indikationen, mit denen Phonochirurgen zu tun haben, sind vielfältig und reichen von Kehlkopftrauma oder –lähmungen über morphologische Veränderungen der Stimmlippen (von Zysten bis hin zu Einblutungen) bis hin zu transsexuellen Patienten. Lässt sich ein Mann zur Frau umoperieren kann die Stimmlippenlänge verkürzt werden mit dem Ergebnis einer höheren Stimme. „Die Phonochirurgie kann für den Erhalt, die Verbesserung und die Wiederherstellung der menschlichen Stimme notwendig werden“, sagt Kleinsasser, betont aber auch: Bei der Behandlung professioneller Singstimmen sei ein hohes Maß an Erfahrung notwendig.


Asthma und die Folgen

Drastisch auf die Stimme auswirken können sich zudem Allergien, wie Oberarzt Stephan Hackenberg betont. Tatsächlich leidet in Deutschland jeder Dritte unter einer Allergie, weit verbreitet ist Asthma. 50 Prozent aller Asthmatiker wiederum kämpfen mit Stimmstörungen, nicht zuletzt weil eine verstopfte Nase und Nasenpolypen zur chronischem Mundatmung führen – einem klassischen Wegbereiter für chronische Rachen- und Mundraumentzündungen Durch Entzündungen sind die Atemwege verengt, der Patient hat Probleme beim Ausatmen und es können sich nach geraumer Zeit Narben bilden. Chronische Asthmatiker leiden unter anderem unter Schleimhauttraumatisierungen durch Hustenattacken, Einblutungen, Einrissen und einer Vernarbung der Stimmlippen oder auch zähem Schleim.


Eine weitere Nebenwirkung von Asthma kann ein Zwerchfelltiefstand sein, dadurch steigt den Patienten saurer Mageninhalt auf. Mögliche Folge: Chronische Schleimhautentzündungen im Kehlkopf. Ein großes Problem bedeutet zudem: 90 Prozent aller Asthmapatienten brauchen dauerhaft Kortison, dessen Nebenwirkungen vom Muskel- bis hin zum Schleimhautschwund reichen können. Oberarzt Hackenberg empfiehlt – wenn schon nicht auf das Medikament verzichtet werden kann - die Patienten unter anderem eine korrekte Inhalationstechnik zu lehren und Mundraum und Rachen konsequent zu reinigen. Wie der Mediziner betont, ist auch bei Asthmatikern mit Stimmstörungen wieder Teamarbeit nötig – von einer medikamentösen Behandlung zur Entzündungshemmung über eine HNO-Mitbetreuung bis hin zur Logopädie.


50 Prozent der Pädagogen haben Stimmprobleme

Nicht nur Sänger, sondern zum Beispiel auch Lehrer sind im Beruf auf ihre Stimme angewiesen. Tatsächlich leiden laut der Würzburger Sprachheilpädagogin Kathrin Heeg mehr als die Hälfte aller tätigen Pädagogen unter Stimmproblemen. Ursachen wie viele Schüler, wenig Pausen und eine schlechte Raumakustik liegen auf der Hand. „Lehrerdysphonie“, sprich Stimmstörungen bei Lehrern, sind zwar ein gängiger Begriff, das Bundessozialgericht erkennt selbige jedoch nicht als Berufskrankheit an. „Stimmpräventive Maßnahmen sind möglich und sollten Teil der Lehrerausbildung sein“, fordert  Heeg. Denn bis dato ist eine Stimm- und Sprechausbildung nicht an allen Universitäten für Lehramtskandidaten üblich. Die


Würzburger Pädagogen gehen mit gutem Beispiel voran und haben ein entsprechendes Konzept für ihre Lehramtsstudierenden entwickelt. Vermittelt wird stimmtheoretisches Basiswissen, ein Seminar dreht sich um die Stimme im unterrichtlichen Kontext - angefangen von der richtigen Körperhaltung über Stimmhygiene bis hin zu Atemtechniken. Die Studenten schätzen ihre Stimme selbst ein und werden, wenn Bedarf besteht, zu einem Stimmscreening geladen, um Sprechstimme und Atmung zu untersuchen.


„Im Rockgesang kann eine raue Stimme positiv sein“

Ob ein Mediziner einem Patienten letztendlich von einem Stimmberuf abrät, ist laut dem Regensburger Phoniater Tamás Hacki unterm Strich immer eine sehr individuelle Entscheidung. „Der Arzt muss die für den Stimmberuf nachteiligen Symptome erkennen, Therapiemöglichkeiten abschätzen und entsprechend ab- oder zuraten. Eine Rolle spiele, ob es allein um die Belastbarkeit der Stimme gehe wie etwa bei Lehrern oder aber bei Sänger oder Schauspielern um den schönen Klang. Und auch hier braucht es wiederum den individuellen Blick. „Im Rockgesang kann eine raue Stimme durchaus positiv sein“, sagt Hacki.

Der Artikel  wurde unter anderem im Magazin „Gesundheit!“ veröffentlicht.

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