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Ex-Skirennläufer auf dem Bürgermeisterstuhl

 

„Die Leute meinen, ich wäre so gut wie immer beim Skifahren“, sagt Peter Stehle und lacht. Fakt aber ist: Mehr als einmal pro Woche schafft es der 55-Jährige in der Regel im Winter nicht auf die Piste. Denn der ehemalige Abfahrtsläufer ist nicht nur zusammen mit Thomas Natterer Chef der Skischule im Skigebiet Grasgehren, sondern auch Bürgermeister des kleinen Oberallgäuer Hörnerdorfs Obermaiselstein. Und zwar im Ehrenamt. Doch auch, wenn er seltener die Bretterln anschnallt, als er gern würde: Skisport spielt bis heute eine ganz zentrale Rolle in der Familie Stehle. Denn nicht nur Peter Stehle startete – wie auch seine heutige Ehefrau Claudia - über Jahre für die Deutsche Nationalmannschaft. Auch die beiden Söhne Johannes und Dominik traten und treten in die sportlichen Fußstapfen der Eltern. Mutter, Vater und die Söhne erreichten schon Platzierungen im Weltcup unter den ersten 20. Und: Sohn Johannes ist heute verheiratet mit der zweifachen Olympiagoldmedaillen-Gewinnerin Evi Sachenbacher-Stehle. Bis 2012 startete die Schwiegertochter im Langlauf, seitdem im Biathlon.

 

„Wir hatten es damals einfacher als die Sportler heute“, ist Stehle mit Blick auf die Trainingsintensität überzeugt.. „Klar, ein paar Tage fehlte auch ich in der Schule. Aber ich verbuchte keine 60 Fehltage wie später meine Söhne“, sagt der 55-Jährige rückblickend. Wann er das erste Mal auf Skiern stand, wisse er nicht mehr so genau, etwa drei Jahre dürfte er damals gewesen sein, erzählt der Bürgermeister. Er wuchs in Oberstaufen auf und drehte seine Schwünge damals vor allem am Hündle. Die ersten Schülerrennen fuhr er als Bub für den SC Oberstaufen, holte den Schülertitel bei der Allgäuer Meisterschaft, stieg dann in den Kader des Allgäuer Skiverbands auf und schaffte es in die Schülernationalmannschaft.

 

Entscheidend für seine künftige Sportlerkarriere war das Jahr 1972. Über die Sichtung des Deutschen Skiverbandes schaffte es der Realschüler in den F-Kader. „Als Abfahrtsläufer arbeitete man sich dann Stück für Stück nach oben“, sagt Stehle. Das Training sei nicht so systematisch wie heute gewesen. Oft habe er seine Skier mit in die Schule genommen und sei dann direkt nach dem Unterricht vom Trainer abgeholt worden. „Übrigens häufig nach Grasgehren, das waren meine ersten Kontakte mit dem Skigebiet“, fügt der 55-Jährige an.

 

1975 fuhr Stehle sein erstes Weltcuprennen. 1976 holte er dann den Titel des Deutschen Jugendmeisters und schaffte es im gleichen Jahr bei der Junioreneuropameisterschaft in Schweden auf den dritten Platz. In den nächsten Jahren nahm der Oberallgäuer an fast allen Weltcupabfahrtsrennen teil. Fürs Karriereende entschied er sich schließlich 1980, als er die Qualifikation für die Olympischen Winterspiele in Lake Placid  knapp verpasste. Blickt er zurück auf die Zeit als aktiver Sportler, denkt Stehle vor allem gern zurück an die Überseereisen. „Für einen jungen Menschen war es toll, herumzukommen – auch wenn man eigentlich nur die Skigebiete sah“, sagt der 55-Jährige. Trotzdem blieb in Kanada zum Beispiel Zeit fürs Heli-Skifahren.

 

Und: In jener Zeit entstanden Freundschaften, die bis heute Bestand haben. So treffe er sich immer noch regelmäßig mit der ehemaligen Skirennläuferin und Ehefrau des Ex-Bundesfinanzministers Theo Waigel, Irene-Epple-Waigel. Auch seine heutige Frau Claudia, geborene Bader, lernte Peter Stehle in der Nationalmannschaft kennen. Sie startete damals für den SC Obermaiselstein. 1981 heirateten die Beiden. Er beendete seine Ausbildung zum Polizeibeamten, sie arbeitete nun als Masseurin in der eigenen Praxis.

 

Viele Jahre blieb Peter Stehle im Polizeidienst, seine Leidenschaft gehörte aber weiter dem Skifahren – 15 Jahre stand  er an der Spitze des Skiclubs Obermaiselstein. Vor zehn Jahren sollte sich ihm dann eine Chance eröffnen, die den Polizeibeamten auch beruflich zurück in den Schnee brachte: Sein Schwiegervater Adolf Bader, Mitbegründer der Skischule Grasgehren, suchte einen Nachfolger, Ehefrau Claudia übernahm die Anteile des Vaters. Stehle kümmert sich vor allem ums Büro und Organisatorisches, gibt zudem ab und zu als Skilehrer Privatstunden. Eigentlich Aufgabe genug, trotzdem ließ sich Peter Stehle, viele Jahre schon Gemeinderatsmitglied, zur Bürgermeisterkandidatur überreden – und wurde 2008 in das Amt des ehrenamtlichen Rathauschefs gewählt. Auch bei den anstehenden Wahlen will er wieder kandidieren.

 

Seine beruflichen wie auch gemeindlichen Zukunftswünsche bewegen sich nun eng nebeneinander: Intensiv hofft der Bürgermeister mittelfristig auf eine Verbindung der beiden Skigebiete Grasgehren und Balderschwang. „Für den Ort ist das sehr wichtig“, betont er. Grasgehren sei das einzige Skigebiet in der Region mit einer langfristig günstigen Prognose für Naturschnee, doch sei das Skigebiet schlichtweg zu klein, um langfristig bestehen zu können. Eine tolle Sache indes sei, dass Grasgehren durch die zweimalige Ausrichtung des Skicross-Weltcups internationalen Aufwind erhalten habe. Der Bekanntheitsgrad von Obermaiselstein sei damit gestiegen, klar – immerhin konnte das ZDF Einschaltquoten von mehr als 2,6 Millionen Zuschauern verbuchen. Ob dies in direktem Zusammenhang mit dem Anstieg der Gästezahlen im Ort stehe, sei indes schwer messbar.     

 

Und wie kam es eigentlich, dass Claudia und Peter Stehles Söhne den Sportlerkarrieren der Eltern nacheiferten, Tochter Catharina indes als Harfenspielerin Erfolge verbucht? „Wir haben die Kinder nie gedrängt, aber immer unterstützt“, betont der Vater. Zwar sei er viel mit dem älteren Sohn Johannes in den Bergen gewesen, doch trainiert habe er diesen nicht. „Dann ist er plötzlich mit 12 Jahren auf uns zugekommen und meinte: Er habe erfahren, dass eine Sichtung des Allgäuer Skiverbandes stattfinde – da wolle er zusammen mit seinen Freunden hingehen.“ Die Eltern unterstützten den Buben, innerhalb von zwei Jahren gewann er seinen ersten deutschen  Schülercup und kletterte nun die Sportlerkarriere hinauf. „Dominik eiferte dann schlichtweg dem großen Bruder nach“, sagt Peter Stehle. Während Dominik nach wie vor für die Nationalmannschaft startet und unter anderem zweifacher Deutscher Slalommeister wurde, hat Johannes seine aktive Sportlerzeit wegen massiven Knieverletzungen inzwischen beendet – bleibt dem Wintersport jedoch treu: Er gründete das Unternehmen „Team National“ und managet und betreut nun Sportler, unterstützt sie bei Sponsorensuche und Marketing, kümmert sich aber zum Beispiel auch um ihre Absicherung. Zwei seiner Kunden: Bruder Dominik und Ehefrau Evi Sachenbacher-Stehle.

 

Sport spielt damit im Hause Stehle bis heute eine zentrale Rolle. „Und das ist schön so, wir begleiten die Kinder mit großer Begeisterung“, sagt Peter Stehle zufrieden.

Der Artikel ist im  Magazin der Hörnerdörfer im Auftrag der Presse & Kommunikation Saremba GmbH erschienen.