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Von Michaela Schneider

 

Würzburg Eigentlich sind die beiden Männer nur Beiwerk. Mit einer Leiter ließ der venezianische Maler Francesco Guardi sie einst durch Römische Ruinen spazieren. Denn gedacht war das Gemälde seinerzeit wohl als Souvenir für Reisende. Und so handelt es sich bei dem Original im Martin-von-Wagner-Museum in Würzburg sozusagen um eine „Postkarte des Rokoko“. Die zeitgenössische Künstlerin Rosário Rebello de Andrade indes wirft einen völlig neuen Blick auf Guardis Werk. Sie lässt die römischen Ruinen verschwinden und konzentriert sich ganz auf die beiden Beiwerk-Männer. Als wollten sie das Universum erobern, richten sie  ihre Leiter auf der obersten Spitze eines Berges zum Sternenhimmel auf. Und nicht nur de Andrade hat sich eines alten Werks aus dem Bestand des Martin-von-Wagner-Museums angenommen und es auf ihre persönliche Art modern interpretiert. Insgesamt zehn Künstler – die meisten stammen aus dem Mainfränkischen – haben ihre persönliche Paraphrasen geschaffen. Zu sehen sind Originale und Neuinterpretationen noch bis Januar 2013 in der Sonderausstellung   „StaubRaub. Alte Werke – neu gesehen“ in der Museumsgalerie im Seitenflügel der Residenz.

 

„Hinter den Türen des Universitätsmuseums liegen wahre Schätze“, sagt Felix Röhr, Geschäftsführer der Museumsinitiative. Die Sonderausstellung solle zeigen, dass sie keineswegs verstaubt sind, sondern sehr aktuelle Bezüge haben. Auf die Beine gestellt, hatte er sie mit einem einstigen Schulfreund aus Würzburg, dem Maler Sebastian von Papp. „Die Künstler durften sich in den Beständen des Museums umschauen und ein Werk auf ihre Art interpretieren. Sie durften dabei arbeiten, wie sie wollten“, erzählt Röhr. Einzige Vorgabe: Aufgrund des begrenzten Platzes in der Galerie sollten die Werke Staffeleiformat nicht überschreiten.

 

Gerade diese offene Herangehensweise macht nun den Reiz der Ausstellung aus: So unterschiedlich schon die Originale, so unterschiedlich zeigen sich erst recht die Interpretationen. Sie reichen von den gediegen-modernen Landschaftsinterpretationen des Randersackerers Andi Schmitt über eine sehr kindliche Version des Kilians-Martyriums bis hin zur schreiend bunten, sehr eigenwilligen Collage aus Papier und Metall von Kathrin Feser. Interpretiert hat sie ein Porträt des Universalgenies Cardanus aus der Zeit um 1620. Ein Blickfang ist Sascha Kühnleins verstörende Sperrholz-Arbeit in 3D-Optik. Kühnlein ist den Würzburgern eher bekannt als Graffiti-Künstler – in der Sonderausstellung hat er sich nun mit einem Ölgemälde des Heiligen Sebastian um 1500 auseinandergesetzt.

 

Zudem interessant: Nicola Jaenschs Collage-Interpretationen der „Näherin“ – einer holländischen Öl-Arbeit aus dem 17. Jahrhundert. Der zeitgenössische Blick lädt dabei zum Vertiefen ein – und wer ganz genau hinschaut, wird sogar die Dortmunder Fankurve im Bild entdecken. Was diese mit der Näherin zu tun hat, wird die Nicola Jaensch vielleicht am 11. November verraten: Beim Künstlergespräch werden die zehn Künstler ihre Arbeiten persönlich vorstellen.

 

Auch zwei Skulpturen sind in der Galerie zu sehen: Kurt Grimm hat sich dabei mit „Antiken Ruinen“ befasst,  Angelika Summa greift die Würzburger Landsknechtschlacht in einem Kupferobjekt auf. Auch im neuen Werk kreuzen sich Klingen, allerdings sind sie stark verformt, als wollte die Künstlerin ihr persönliches Friedenszeichen setzen.

 

Ob alte Meisterwerke tatsächlich einer Entstaubung bedürfen, sei dahin gestellt. Trotzdem ist die Sonderausstellung im Martin-von-Wagner-Museum ein geglückter Versuch, Schätze des Martin-von-Wagner-Museums aus den Beständen zu holen und ihnen auf originellem Weg die verdiente Beachtung zu schenken.

 

 

Die Sonderausstellung „StaubRaub“ ist bis in den Januar Dienstag bis Samstag von 10 bis 13.30 Uhr, Dienstag und Donnerstag von 16 bis 18 Uhr und sonntags alle 14 Tage geöffnet. Am 9. Dezember um 11 Uhr wird Felix Röhr durch die Sonderausstellung führen.

 

Alte Werke „entstaubt“

 

Sonderausstellung Zeitgenössische Künstler interpretieren Werke des Martin-von-Wagner-Museums

 

 

          

Die Landsknechtschlacht (im Hintergrund) interpretiert Angelika Summa in einem Kupferobjekt.

                                                                                                                                                 Foto: Michaela Schneider

Sicherlich Geschmackssache: Katrin Fesers schreiend-bunte Interpretation des Cardanus-Porträts.

Foto: Michaela Schneider

Ganz schön drastisch: Sascha Kühleins Sperrholzarbeit zum Heiligen Sebastian. Darunter das Original, das wohl um 1500 entstanden ist.

 

Fotos: Michaela Schneider

Der Artikel ist unter anderem im  Main-Echo erschienen.

Mit den „Antike Ruinen“ hat sich Kurt Grimm befasst. Das Original ist im Hintergrund zu sehen.

 

Foto: Michaela Schneider