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Musikalische Starthilfe für künftige Abc-Schützen
Psychologen untersuchen, ob eine Kombination aus musikalischer Frühförderung und
phonologischem Bewusstheitstraining im Kindergarten das Lesen- und Schreiben-Lernen erleichtert

 

Von Michaela Schneider

Würzburg/Bamberg Konzentriert spielt Sophie eine Tonfolge auf dem Xylophon. „Das war ein bisschen schwer“, sagt die Vierjährige anschließend selbst. Egal, die anderen vier Kinder spielen trotzdem nach, was sie gehört und gesehen haben. So gut eben, wie jeder einzelne dies kann. Und auch, wenn sie’s selbst wahrscheinlich gar nicht wissen: Die Buben und Mädchen der Kindertagesstätte „Zur Heiligen Familie“ im Würzburger Stadtteil Heidingsfeld sind Teil eines groß angelegten Forschungsprojekts. Die Idee dahinter: Psychologen testen, ob sich durch eine Kombination aus musikalischer Frühförderung und einem Sprachtraining die phonologische Bewusstheit steigern lässt. Vereinfacht ausgedrückt: Tut sich – wer Töne und Rhythmen unterscheiden kann – auch mit Buchstaben und Silben leichter? Helfen Musik, Taktgefühl und Sprachübungen beim Lesen und Schreiben lernen?

 

Gemeinsam mit Kolleginnen in Bamberg und Berlin wird Prof. Dr. Wolfgang Schneider, Inhaber des Lehrstuhls für Pädagogische Psychologie an der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg, über drei Jahre die groß angelegte Studie betreuen. Etwa 430 Kinder nehmen daran teil. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt das Projekt mit 370000 Euro.

 

Dabei befinden sich die Wissenschaftler noch in der Anfangsphase: Bis in den Frühsommer durchlaufen Mädchen und Buben an Kindergärten in Würzburg, Bamberg und Berlin nun zuerst einmal eine herkömmliche musikalische Frühförderung - insgesamt 16 Wochen lang je dreimal pro Woche. So wie Sophie und ihre Freunde. In der 20-minütigen Kurseinheit singen die Kinder das Lied „Wir stehen im Kreis“ und tanzen und klatschen dazu. Mit Holz-Schlägeln klopfen sie den Rhythmus des Reims „Ene, mene Miste“. Auf dem Xylophon spielen die Kinder Rhythmen nach – und am Ende wird noch einmal getanzt und gesungen.

 

 

Betreut werden die Kinder von Janka Hoffmann, Studentin an der Musikhochschule mit dem Ziel Lehramt. Eine besondere Schulung musste sie nicht durchlaufen, denn mit entsprechender Handreichung, so die Idee, sollen später auch Erzieherinnen gezielt mit Kindergartenkindern arbeiten können.

 

An die musikalische Frühförderung der ersten Testgruppe anschließen wird sich laut Schneider ein phonologisches Bewusstheitsprogramm. Die Kinder werden dann zum Beispiel gemeinsam Geräusche unterscheiden, Robotersprache sprechen, Reime und Wörter bilden, falsche Sätze aufspüren und  auch schon erste einzelne Laute gezielt unterscheiden nach dem Motto: „Hörst Du in dem Wort Auge ein E?“

Eine zweite Testgruppe wird gleichzeitig nur das phonologische Bewusstheitsprogramm ohne musikalische Frühförderung durchlaufen. Eine dritte Gruppe wird keinen der beiden Kurse absolvieren. Am Ende wird dann ausgewertet, wie sich die Kinder in den drei Testgruppen weiterentwickelt haben. Dafür werden sie vorher und nachher entsprechend getestet.

 

Das phonologische Bewusstheitsprogramm für sich genommen ist dabei übrigens nicht neu: Unter dem Titel „Hören – Lauschen – Lernen“ hatte Schneider dieses zusammen mit Frau Dr. Petra Küspert schon vor Jahren entwickelt, längst ist es in Kindergärten Praxis. Beweis für die Tauglichkeit ist dabei laut dem Psychologieprofessor: Nachdem das Training in Unterfranken flächendeckend eingeführt war, konnten Erstklässler hier durchschnittlich bereits an Weihnachten lesen – in Oberbayern indes erst um Ostern herum.  „Es ist nicht so, dass die Kinder in Oberbayern am Ende schlechter lesen und schreiben. Aber die schnellen Erfolge motivieren die Erstklässler. In Folge steigert sich die Freude am Lernen“, beschreibt Schneider den Kreislauf.

 

Bei der aktuellen Studie will das Wissenschaftlerteam den Fokus – neben der Kombination aus Musik- und Sprachtraining - nun zudem auf Kinder mit Migrationshintergrund legen, hierfür gibt es in Berlin eigene Testgruppen. Diese Kinder gehören laut Schneider von Vornherein einer Risikogruppe an und brauchen in der ersten Phase des Lesen- und Schreibenlernens oft länger als die Mitschüler. „Wir wollen schauen, ob sie von dem neuen Programm besonders profitieren können“, sagt der Professor.

 

Bis endgültige Ergebnisse vorliegen werden, wird es allerdings noch eine Weile dauern: Bis in den Juli 2014 werden sich die Trainings und Abschlusstests in den einzelnen Kindergarten-Gruppen hinziehen. Die Auswertung der Daten und der Abschlussbericht nehmen laut Schneider wohl in etwa ein weiteres Jahr in Anspruch.   

 

Der Artikel  ist unter anderem im Main-Echo erschienen.

Teil eines groß angelegten Projekts: Die Buben und Mädchen der Kindertagesstätte „Zur Heiligen Familie“ in Würzburg. Hilft musikalische Frühförderung beim Lesen und Schreiben lernen?

Foto: Michaela Schneider