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„Mit einer Kleinigkeit Leben retten“
Am Zentrum für allogene Blutstammzelltransplantation in Würzburg werden jährlich 100

Patienten transplantiert – Oberarzt erklärt, was eine Stammzellspende für Patient und Spender bedeutet


Von Michaela Schneider

Würzburg Leukämie. Noch bis in die 70er Jahre bedeutete die Diagnose für fast alle Patienten das Todesurteil. Heute dagegen werden von den rund 9000 Menschen, die jährlich an Blutkrebs erkranken, bis zu 80 Prozent geheilt. Allerdings ist für Patienten eine Blutstammzelltransplantation oft die einzige Chance auf Heilung. Dafür allerdings braucht es Spender. Dr. Götz Ulrich Grigoleit ist Oberarzt am Zentrum für allogene Blutstammzelltransplantation am Universitätsklinikum Würzburg und leitet die Transplantationsstation. „Leukämie kann jeden treffen“, sagt er. Doch nicht nur deshalb wirbt er dafür, dass sich möglichst viele Menschen als potentielle Stammzellspender registrieren lassen. „Man kann mit einer Kleinigkeit Leben retten“, betont der 46-Jährige.


Wie läuft eine Stammzelltransplantation ab?

Dr. Götz Ulrich Grigoleit: In den Wochen vor einer Blutstammzelltransplantation muss man erst einmal die Stammzellen und das komplette Immunsystem des Patienten zerstören. Das passiert meist während einer starken Chemotherapie und einer Antikörpertherapie oder alternativ durch Bestrahlung. Die Transplantation selbst ist unspektakulär und letztlich nur eine Infusion. Das Transplantat befindet sich in einem kleinen Beutelchen ähnlich einer Blutkonserve und läuft über die Vene in den Patienten hinein. Er ist dabei bei vollem Bewusstsein.


Warum muss das Immunsystem des Patienten zerstört werden?

Grigoleit: Ein gesundes Immunsystem des Patienten würde die Stammzellen des Spenders zerstören, bevor diese anwachsen könnten. Aber bei der Transplantation werden nicht nur die Stammzellen des Spenders übertragen, sondern auch sein Immunsystem. Auf der einen Seite ist das gut, denn das neue Immunsystem ist – im Gegensatz zum alten – in der Lage, letzte verbliebene kranke Stammzellen zu zerstören. Allerdings ist mit dem neuen Immunsystem auch eine Gefahr verbunden, nämlich die so genannte Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion. Während bei einer Organtransplantation die Gefahr besteht, dass das eigene Immunsystem das neue Organ abstößt, droht bei einer Stammzelltransplantation, dass das neue Immunsystem den gesamten Patienten abstößt.


Wie schnell sind Patienten nach der Transplantation wieder fit?

Grigoleit: Das ist sehr unterschiedlich. Manche Patienten fühlen sich nach vier Wochen wieder recht gut. Bis sie wieder im normalen Leben stehen, braucht es aber mindestens ein halbes Jahr. Und es gibt einige Patienten, die dies nie mehr schaffen, weil die Nebenwirkungen zu groß sind.  Zu Abstoßungsreaktionen kann es in beiden Fällen noch eine ganze Weile kommen, Entwarnung kann man in der Regel nach ein bis zwei Jahren geben. Ein wichtiger Unterschied zwischen Stammzell- und Organtransplantationen ist: Die Lebensdauer transplantierter Organe ist durch Abstoßungsreaktionen oft begrenzt, nach einer Stammzelltransplantation können Patienten dagegen auf eine normale Lebenserwartung hoffen.


In Deutschland gibt es weltweit im Verhältnis zur Bevölkerungsanzahl die meisten Stammzellspender – trotzdem braucht es noch viel mehr Menschen, die sich registrieren lassen. Warum?

Grigoleit: Zunächst einmal: Früher hatte man mehr Kinder – und damit mehr potentielle Spender in der Verwandtschaft. Weil Familien heute kleiner sind, sinkt die Chance, einen Familienspender zu finden. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Stammzellen eines Bruders oder einer Schwester als Spende eignen, liegt bei eins zu vier. Familien in Deutschland haben aber im Schnitt nur noch 1,5 Kinder. Findet sich im Familienkreis kein Spender, sucht das Transplantationsteam in nationalen und internationalen Spenderdatenbanken nach einem so genannten Fremdspender. Die Chance auf einen Treffer liegt in Deutschland bei bis zu 90 Prozent. Für die verbliebenen zehn Prozent findet sich indes niemand – und genau deshalb ist es so wichtig, dass sich noch mehr Menschen typisieren lassen.


Sich typisieren lassen: Was genau bedeutet das?

Grigoleit: Die Typisierung wird entweder durch große Organisationen wie die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) durchgeführt oder auch durch regionale Gruppierungen wie das „Netzwerk Hoffnung“ in Würzburg. Man bekommt ein Wattestäbchen zugeschickt, macht im Mund einen Abstrich und schickt diesen zurück. Die Gewebemerkmale werden analysiert und gespeichert. Scheinen sie für einen Patienten zu passen, wird man kontaktiert und um Blutabnahme beim Hausarzt gebeten. Nun werden weitere Merkmale untersucht. Scheint es sich tatsächlich um den optimalsten Spender zu handeln, folgt ein Gesundheitscheck im Entnahmezentrum - und schließlich eine intensive Aufklärung. Ganz wichtig ist: Die Entscheidung, ob er tatsächlich Stammzellen spenden will oder nicht, trifft der potentielle Spender.


Und wie läuft die Spende selbst ab?

Grigoleit: Hier muss man zwischen zwei Arten der Spende unterscheiden: der klassischen Entnahme übers Knochenmark und der peripheren Blutstammzellspende. Bei der klassischen Entnahme ist der Patient in Narkose, dann wird am Beckenkamm hinten ein ein bis zwei Zentimeter großer Schnitt gemacht, hineingebohrt und Stammzellen werden abgesaugt. Meist verbringt der Spender eine Nacht in der Klinik, kann allerdings vielleicht noch eine Woche lang Schmerzen beim Sitzen haben. Bei der peripheren Blutstammzellspende braucht es mehr Vorbereitung, der Patient muss sich vier Tage lang ein Medikament spritzen. Dieses bewirkt, dass Stammzellen ins periphere Blut transportiert werden. Bei der Stammzellspende selbst ist der Patient bei vollem Bewusstsein – und kann meist anschließend gleich wieder nach Hause. Das Blut wird aus dem Patienten heraus geleitet und die weißen Blutkörperchen werden aus dem Blut gefiltert. Das restliche Blut kehrt wieder in den Patienten zurück, dadurch ist das Verfahren wenig belastend.  

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Dr. Götz Ulrich Grigoleit ist Oberarzt am Zentrum für allogene Blutstammzelltransplantation in Würzburg und leitet die Transplantationsstation.


Foto: Michaela Schneider


Infokasten: Zentrum für allogene Blutstammzelltransplantation in Würzburg


Deutschlandweit gibt es rund 70 Zentren für allogene Blutstammzelltransplantation. Allogen bedeutet, dass Stammzellen eines fremden Spenders transplantiert werden. Dem gegenüber stehen autologe Stammzelltransplantationen, bei denen Spender und Empfänger ein und dieselbe Person sind - bei akuten und chronischen Leukämien kommt letzteres Verfahren allerdings nur selten zum Einsatz. Das Zentrum für allogene Blutstammzelltransplantation am Universitätsklinikum Würzburg zählt deutschlandweit zu den jüngsten und damit auch zu den modernsten Einrichtungen seiner Art. Es eröffnete im Jahr 2005 mit rund 30 Transplantationen, mehr als zehn Jahre später sind es rund 100 pro Jahr. Damit zählt es inzwischen zu den großen Zentren. Zum Vergleich: Das größte Zentrum Europas befindet sich in Essen mit 200 Transplantationen im Jahr.