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Ein Meteorit, der alles verändert
Der Komponist Gerhard Stäbler erzählt von der Entstehung des
 Musiktheaters „The Colour“ – Uraufführung am 24. April im Mainfranken Theater Würzburg


Von Michaela Schneider
Würzburg  
Ein Meteorit schlägt in Howard Phillips Lovecrafts Novelle „Die Farbe aus dem All“ auf der Erde ein. Von einem Moment auf den anderen ist für die Menschen nichts mehr wie es war. Demnächst wird die Kurzgeschichte auf der Bühne des Mainfranken Theater zu sehen sein – als Musiktheater-Uraufführung unter dem Titel „The Colour“. Das Libretto stammt aus der Feder von Theaterintendant Hermann Schneider, die Oper komponiert hat der 65-jährige Künstler Gerhard Stäbler. Im Interview erzählt er von der Entstehung des abendfüllenden Musikwerks.


Sie betiteln ihr Werk „The Colour“ als Musiktheater, nicht als Oper.  Warum?

Gerhard Stäbler:  Ich spreche von Musiktheater, weil ich die gesamten Möglichkeiten von Bühne nutzen möchte, nicht beschränkt auf Gesang – und schon gar nicht auf Belcanto. Es gibt eine große Spannweite von Geflüstertem bis zu Gesungenem. Solisten und Chor nehmen tragende Rollen ein, das Orchester leistet natürlich ebenfalls seinen gewichtigen Beitrag. Zudem arbeite ich mit einigen wenigen elektronischen Zuspielungen und  Falko Herold hat einen Animationsfilm gedreht. Aber zentrales Element wird die Sprache mit ihren verschiedensten Facetten sein, die alle menschlichen Empfindungen abdecken kann.


Wie kam es denn eigentlich zur Zusammenarbeit mit dem Mainfranken Theater?

Stäbler: Schon 2007 hatte ich eine Auftragsarbeit fürs Mainfranken Theater geschrieben, die Komposition „Letzte Dinge“. Dabei bespielten wir unter der Regie von Hermann Schneider verschiedene Orte im Theatergebäude, das Publikum lernte quasi die Eingeweide des Hauses kennen. 2010 war „Letzte Dinge“ zudem während des Festivals "Endspiel" des Bistums Würzburg im Augustinerkloster zu sehen. Während desselben Festivals führte Enrico Calesso in Kooperation mit dem Mainfranken Theater in seinem ersten Sinfoniekonzert als Generalmusikdirektor mein Oratorium "Vom Anfang im Ende" auf. Die Zusammenarbeit dabei war wiederum sehr fruchtbar, und ich blieb mit dem Theater im Gespräch und führte auf Vorschlag des Intendanten Hermann Schneider schließlich zu „The Colour“.


Kannten Sie die Kurzgeschichte „Die Farbe aus dem All“ zum damaligen Zeitpunkt?

Stäbler:  Nein, ich kannte die Novelle bis dahin nicht. Das Thema fand ich aber total spannend. Es geht um einen Meteoriten, der auf der Erde einschlägt und von dem Moment an alles verändert. Dabei betrachten in unserer Bühnenfassung die Akteure das Ereignis aus verschiedenen Blickwinkeln: Eine Familie aus der Nachbarschaft ist direkt betroffen, Wissenschaftler untersuchen das Phänomen, ein Tramp der Zeit blickt als Außenstehender auf die Geschehnisse. Theaterbesucher können sich „The Colour“ natürlich anschauen, ohne die Geschichte zu kennen. Die Filmeinspielungen veranschaulichen, was geschieht. Aber meiner Meinung nach gewinnt man, wenn man sich auf den Abend mit der Lektüre der Kurzgeschichte Lovecrafts vorbereitet.


Stellen Sie eine Verbindung her zum Bombardement Würzburgs im März 1945?

Stäbler: Wir überlegten, ob wir dies tun, wollten uns dann aber ganz bewusst nicht auf dieses Thema verengen, denn: Im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg – so schlimm es für sie ist – nur die Opfer der Bombardierung zu thematisieren, wäre verkehrt. Es hatte seinen Grund, dass Würzburg angegriffen wurde – der Nationalsozialismus war die Ursache, die Bombardierung Auswirkung. Der Meteorit in „The Colour“ könnte ganz bewusst alles sein – Naturgewalt oder auch Krieg und (Atom-) Bomben.


Wie sind Sie an die Vertonung der Novelle herangegangen?

Stäbler: Nun, Text ist Text und transportiert Inhalte. Ist ein Text gut, schwingen unausgesprochene Dinge mit – und hier kommt Musik ins Spiel. Sie kann vor allem den emotionalen Bereich betonen. In der Kompositionspraxis heißt das: Es gibt ein Libretto, das bestimmte Bereiche der Geschichte thematisiert. Dazu suche ich Material – inhaltlich wie musikalisch. Eine wichtige Rolle spielen in meiner Musik wie im Libretto die vier Elemente: die Erde, das Feuer, das  Wasser und die Luft. Die Theaterbesucher werden Festes und Loderndes, Fließendes und Luftiges hören. Im Zusammenhang mit Prophezeihungen, die im Text viermal vorkommen, nehme ich Bezug auf Robert Schumanns "Vogel als Prophet" aus seinen "Waldscenen" für Klavier. Und im Hinblick auf „Farben“ – das zentrale Sujet – schlage ich einen Bogen zu Schönbergs "Farben" op. 16. Auch einige Volkslieder griff auf Anregung des Librettos auf, selbst wenn sie im Kontext konkreter Szenen stark deformiert erscheinen können.


Wie lange haben Sie an „The Colour“ gearbeitet?

Stäbler: Ein gutes halbes Jahr, an manchen Tagen bis zu 14 Stunden. Komponieren ist schon rein handwerklich sehr aufwändig, allein bis die Partitur am Computer gesetzt ist.


Was denken Sie: Wie wird das Würzburger Publikum auf die Uraufführung reagieren?

Stäbler: Ich höre zwar immer wieder, dass das hiesige Publikum bieder sei, habe dies persönlich bei meinen anderen Projekten in Würzburg aber ganz anders erlebt. Mein Credo:  Man darf sein Publikum nicht unterschätzen! Das Problem vieler Orchester ist, dass sie immer ein ähnliches, klassisch-orientiertes Programm spielen. Ein Theater muss unverwechselbar sein, und dann öffnet sich auch das Publikum.


Vorstellungen: 24.04. und 26.04., jeweils 19.30 Uhr. Eine Stunde vorher, um 18.30 Uhr, präsentieren Schüler des Johann-Schöner-Gymnasiums Karlstadt eine Improvisation zu „The Colour“ im Atrium des Mainfranken Theater. Im Anschluss folgt um 19 Uhr  im oberen Foyer eine Werkeinführung.

Komponist Gerhard Stäbler blickt der Uraufführung seines Werks „The Colour“ am Mainfranken Theater in Würzburg entgegen.


Alle Fotos: Michaela Schneider


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Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Infokasten: Über Gerhard Stäbler


Gerhard Stäbler wurde 1949 im süddeutschen Wilhelmsdorf bei Ravensburg geboren. Später studierte er Komposition und Orgel in Detmold und Essen. Seitdem arbeitet er als freischaffender Komponist, lebt seit Mitte 2011 in Düsseldorf und am Niederrhein. Als Komponist  schreibt Stäbler Musiktheater- Orchester-, Kammermusik-, Solowerke und Performances. Ur- und Erstaufführungen fanden in den letzten Jahren n zahlreichen Städten im In- und Ausland statt – unter anderem im norwegischen Bergen, in Tokio und Kiew.  2015 stehen gleich mehrere Uraufführungen an: Neben „The Colour“ konzipierte Stäbler etwa auch ein Projekt für Solisten, Chöre und Ensembles beim Festival Acht Brücken der Philharmonie Köln 2015. Neben seiner kompositorischen Tätigkeit engagiert sich der Künstler auch politisch sowie als Kurator und Organisator von Kunstsparten übergreifenden Projekten wie dem Aktive Musik-Festival mit Neuer Musik im Ruhrgebiet. Stäbler erhielt eine lange Reihe an Auszeichnungen - vom Cornelius Cardew Memorial Prize 1982 bis zum Duisburger Musikpreis 2003.