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„Der Körper lernt, effektiver zu schwitzen“
Würzburger Wissenschaftler Professor Billy Sperlich geht der Frage nach, wie Sportler
extreme klimatische Verhältnisse wie bei der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien austricksen können


Von Michaela Schneider

Würzburg Mehr als 30 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von bis zu 70 Prozent: Die extremen klimatischen Bedingungen in Brasilien machen bei der Fußball-Weltmeisterschaft vor allem den europäischen Mannschaften zu schaffen. Ob sie mitverantwortlich fürs WM-Aus der Italiener, Engländer oder Spanier sind, sei dahingestellt. Wissenschaftlich erwiesen aber ist: Extreme Bedingungen wie Hitze, Kälte oder auch Höhe bedeuten für Hochleistungssportler besondere Herausforderungen, sagt der Würzburger Sportwissenschaftler Professor Dr. Billy Sperlich. Mit weiteren Wissenschaftlern hat er entsprechende bestehende Studien aus relevanten Forschungsdisziplinen ausgewertet. Unter anderem wollen die Forscher dadurch aufzeigen, wie es Fußballern gelingen kann, extreme Hitze auszutricksen.


Wie ist Ihr Eindruck: Wirkt sich bei der Weltmeisterschaft das brasilianische Klima tatsächlich auf die Leistungsfähigkeit der europäischen Mannschaften aus?

Billy Sperlich: Die Klimabedingungen sind nicht zu verachten. Ich habe den Eindruck: Die Leistungsfähigkeit nimmt bei den Spielen in der zweiten Hälfte ab. Heißt: Längere Sprints und schnelle, kurze Auftritte, die das Herzkreislaufsystem besonders belasten, werden seltener. Zum Klima kommen aber weitere Faktoren wie Reisestress und die drastische mediale Aufmerksamkeit hinzu, auch wenn Profis lernen, damit umzugehen. Vielleicht ein Blick aufs Spiel gegen Ghana: Hier hatte die deutsche Mannschaft wahrscheinlich eher ein taktisches als ein thermo-regulatorisches Problem. Taktische Probleme allerdings bewirken unterm Strich, dass Spieler mehr laufen müssen. Und dann kommt wieder das extreme Klima ins Spiel.


Wie bereitet man Sportler denn im Vorfeld einer Weltmeisterschaft auf extremes Klima vor?

Sperlich: Wichtig ist vor allem die Akklimatisierung. Folgendes passiert dabei: Der Körper lernt, effektiver zu schwitzen. Das heißt, der Schweiß wird dünnflüssiger und der Körper scheidet weniger Elektrolyte aus. Man sagt, mit Blick auf Hitze sei eine erste Akklimatisierung nach fünf bis zehn Tagen abgeschlossen. Danach kann wieder einigermaßen vernünftig trainiert und gespielt werden. Die deutsche Mannschaft ist meinem Wissen nach grob in diesem Zeitfenster in Brasilien angereist. Die Akklimatisierung vor Ort ist natürlich optimal, stimulierbar ist der Körper unter Umständen aber auch schon vorab durch Saunagänge oder Training in speziellen Anzügen.


Was belastet die Spieler in Brasilien mehr: Die Hitze oder die hohe Luftfeuchtigkeit?

Sperlich: Entscheidender Faktor ist die Luftfeuchtigkeit. Der Mensch schwitzt, um mit Hitze fertig zu werden. Denn: Verdunstet der Schweiß an der Hautoberfläche, entsteht Verdunstungskälte und verschafft dem Körper Kühlung. Bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit ist die Luft jedoch mit Feuchtigkeit gesättigt, der Schweiß kann nicht mehr verdunsten und die Abkühlung bleibt aus.


Gibt es auch Tricks gegen Hitze während des Spiels?

Sperlich: Ja, aber man muss wissen: Man kann nur mit Kühlung von außen arbeiten. Sinnvoll ist es, direkt vor dem Spiel und auch während der Halbzeit die Körperkerntemperatur niedrig zu halten. Ich gehe davon aus, dass die deutschen Spieler in der Pause eine Kühlweste tragen oder eiskalt duschen. Auch hilft es, eiskaltes Wasser zu trinken. Entscheidend während des Spiels ist es, luftige Kleidung zu tragen. Mit Blick auf die hautengen Trikots der Spieler bin ich ein wenig skeptisch. Allerdings würde auch weite Kleidung, sobald nass geschwitzt, am Körper kleben. Gut ist, dass die Stadien zumindest zu Teilen im Schatten liegen. Aber auch am Tag sollten die Fußballer so wenig Zeit wie möglich in der Sonne verbringen. Ein Sonnenbad am Strand würde die körpereigene Regeneration behindern und die Dehydrierung fördern.


Reden wir noch einmal übers Thema Trinken. Wie viel Flüssigkeit braucht es?

Sperlich: Ein Spieler verliert während eines Fußballspiels zwischen zwei und dreieinhalb Liter Flüssigkeit. Man sagt: Für ein Kilogramm Masse, das verloren geht, sollte ein Sportler 1,5 Liter Flüssigkeit zu sich nehmen. Selbst als Marathonläufer wäre es unsinnig, sieben oder acht Liter zu trinken, denn: Der Körper toleriert schlichtweg nicht mehr als zwei bis zweieinhalb Liter Wasserverlust. Die Industrie puscht das Thema „Trinken, trinken, trinken“, aber ein Sportler sollte bedenken: Letztlich bedeutet Flüssigkeit Ballast zum Herumschleppen. Früher sagte man: Ist der Durst da, ist es schon zu spät. Bei Ausdauersport von ca. 90 min Länge sollte man trinken, sobald der Durst kommt. Wichtig ist eine geschickte Flüssigkeitswahl. Von Getränken – egal ob grün, blau oder rot – mit viel zu vielen Zusatzstoffen halte ich während des Spiels nichts, diese kann der Körper unter Anstrengung gar nicht verarbeiten. Empfehlenswert auf einen Liter Wasser sind eine Messerspitze Salz und ein Esslöffel Kohlenhydrate.


Wie lautet abschließend ihr WM-Tipp? Wer holt 2014 den Weltmeister-Titel?

Sperlich: Ich könnte mir vorstellen, dass Brasilien ins Finale kommt und Frankreich, Holland oder Deutschland. Das Klima kann eine Rolle spielen, ist aber nicht der einzige Faktor. Brasilien hat schlichtweg den Heimvorteil, das puscht auf jeden Fall. Wichtig für die europäischen Mannschaften wird mit Blick aufs Klima eine gute Taktik sein, um kurze Laufwege zu erreichen und zu viele Sprints zu vermeiden.

Der Artikel  ist unter anderem  in der Tauberzeitung erschienen.

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