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Das Erwachen der Sphinx
Knauf-Museum
 Europäer entdecken im 18. und 19. Jahrhundert das alte Ägypten neu – Daraus entwickelt
sich ein ganz eigener Lebens- und Kunststil – Kabinettausstellung bis Anfang November

 

Von Michaela Schneider

Iphofen Pharaonen, Pyramiden, Sphingen und mystische Gottheiten: Von jeher fasziniert das alte Ägypten die Europäer. Je exotischer die Objekte, desto besser. Heute spricht man von einer regelrechten Ägyptophanie, die Europa im 18. und 19. Jahrhundert ergriff. Die Kunst des alten Ägyptens wurde nachgeahmt und mit zeitgenössischen Elementen vermischt, daraus entstand eine ganz eigene  Kunstform. „Das Erwachen der Sphinx. Meisterwerke altägyptischer und ägyptisierender Kunst im Dialog“ ist eine Kabinettausstellung im Knauf-Museum in Iphofen betitelt. Auf der einen Seite zeigt sie Kunstwerke des 18. bis 20. Jahrhunderts, auf der anderen Seite sind ägyptische Originale aus Privatbesitz aus der Spätzeit des antiken Ägyptens zu sehen.  Ausstellungskuratorin ist Dr. Isabell  Grimm-Stadelmann.

 

Vor dem Blick in die Vitrinen lohnt die Gesamtbetrachtung des ersten Ausstellungsraums. Markus Mergenthaler, Leiter des Knauf-Museums, hatte den Künstler Wladimir Petrichev aus Würzburg mit der Gestaltung beauftragt – entstanden ist für sich ein eigenes Kunstwerk. „Ich hatte ihm Bilder gezeigt aus dem Wiener Hofdepot, dort gibt es ein ägyptisches Zimmer mit Palmen“, erzählt Mergenthaler. Frei angelehnt an die Eindrücke gestaltete Petrichev skizzenhaft in Schwarzweiß  eine zimmergroße Wandabwicklung mit Säulen, Nischen, Schalen und Figuren.

 

„Auf ähnliche Art entstanden im 19. Jahrhundert  die so genannten Ägyptenzimmer“, sagt der Museumsleiter. Reisende kehrten damals aus dem Land am Nil zurück. Wer es sich leisten konnte,  gestaltete – angelehnt an ihre Eindrücke – spezielle Privaträume, teilweise mit ganz verrücktem Mobiliar, antiken Sammlungsobjekten und Literatur. Die Begeisterung für Ägypten beflügelt hatte zu jener Zeit vor allem auch Napoleons Ägyptenfeldzug in den Jahren 1798 bis 1801. Gelehrte begleiteten den französischen Kaiser seinerzeit ins Land am Nil und legten nicht nur die erste Grundlage für die Ägyptologie als Wissenschaft, sondern auch für die Ägyptophanie als Lebensstil.  Wichtig war dabei, dass Wandschmuck und Kunstobjekte exotisch aussahen. Auf wissenschaftliche Fundiertheit indes wurde beim Interieur weniger Wert gelegt – das verdeutlicht die Kopie eines Wandbehangs des 19. Jahrhunderts im dritten Ausstellungsraum. Die „Hieroglyphen“ darauf haben keinerlei Bedeutung, bunt zusammengewürfelt fügen sich zudem vorderasiatische und ägyptische  Figuren und Motive zum großen Ganzen.

 

Ein Blick in die ersten Vitrinen der Kabinettausstellung. Da stehen Feuerböcke in Form von Sphingen mit Tritonenschwanz, eine bronzene Büste des Horus oder ein feuervergoldetes  Tintenfass in Form eines Kanopus-Gefäßes. Alle drei Kunstobjekte entstanden im Frankreich des 19. Jahrhunderts. Sie wirken ägyptisch-exotisch – und passen auf ihre eigene Art dennoch besser ins europäische Adelshaus als ins Land am Nil. Im zweiten Raum folgen Originale aus der Spätzeit des antiken Ägyptens: Bronzefiguren wie zum Beispiel Isis, Osiris und mittig ihr Kind Horus mit Falkenkopf und Jugendlocke. Sämtliche der Objekte stammen aus Privatbesitz und waren bis dato in der Öffentlichkeit noch nie zu sehen.

 

Im dritten Ausstellungsraum schließlich wird veranschaulicht, wie altägyptische Motive das europäische Kunsthandwerk bis heute prägten und prägen. Da ist zum Beispiel eine Halskette mit einer modernen Fassung des 20. Jahrhunderts zu sehen. Die 13 eingearbeiteten Skarabäen allerdings stammen aus dem alten Ägypten, beginnend in der Zweiten Zwischenzeit bis in die Spätzeit. Andere Schmuckobjekte indes sind lediglich an ägyptische Motive angelehnt –eine Brosche in Lotusform, ein Brieföffner mit einem Griff in Pharaonengestalt oder Flakons in Sarkophagform.

Der Artikel ist unter anderem im Main-Echo erschienen.

Infokasten: Über die Kabinettausstellung im Knauf-Museum

 

Die Kabinettausstellung Das Erwachen der Sphinx“ ist zu sehen bis einschließlich 3. November. Das Knauf-Museum ist von Dienstag bis Samstag, 10 bis 17 Uhr, sowie sonntags zwischen 11 und 17 Uhr geöffnet. Zur Ausstellung ist ein wissenschaftlich aufbereiteter Begleitband erschienen: Grimm-Stadelmann, Isabell und Grimm, Alfred: Das Erwachen der Sphinx. Meisterwerke altägyptischer und ägyptisierender Kunst im Dialog, Verlag j. H. Röll GmbH, Dettelbach 2013, ISBN 978-3-89754-436-9