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„Globaler Spieler mit lokaler Färbung“

Historisches Der Jesuit Friedrich Spee studierte Anfang des 17. Jahrhunderts in Würzburg – In jener Zeit entstanden die ersten Schriften und Kirchenlieder des Moraltheologen, Lyrikers und Autoren

 

Von Michaela Schneider

 

Würzburg Eine Straße im Würzburger Stadtteil Sanderau ist nach ihm benannt und im Innenhof des Priesterseminars steht seine Büste. Und trotzdem dürften etliche Würzburger nicht wissen, wer jener Friedrich Spee von Langenfeld (1591 – 1635) war und was er eigentlich mit Würzburg zu tun hatte. Im Zuge der Ringvorlesung „Kulturstadt Würzburg“ an der hiesigen Julius-Maximilians-Universität befasste sich jetzt Roland Borgards, Professor für neuere deutsche Literaturgeschichte, mit dem schriftstellerischen Werk des Jesuitenpaters.

 

Zunächst aber ein Blick auf jene Zeit, in der Friedrich Spee lebte und wirkte: Der Streit zwischen den Konfessionen tobte, Vertreibung und Enteignung waren die Folge; der 30-jährige Krieg stand vor der Tür und unzählige Menschen starben, weite Teile des Landes wurden zerstört, die Bevölkerung – darunter viele Waisen und Verkrüppelte - lebten in größtem Elend; Epidemien und Missernten kamen hinzu; der Hexenwahn der Inquisition sorgte für weiteres Leid.

 

Als Sohn aus adeliger Familie zählte Spee zum privilegierten Stand, er durfte eine gute Erziehung genießen. 1610 trat der junge Mann aus Kaiserswerth bei Düsseldorf als Novize in den Jesuitenorden ein, als dort die Pest ausbrach, wechselte er nach Fulda. Auf drei Jahre Noviziat sollte ein Philosophiestudium folgen – und so kam der damals 21-jährige Friedrich Spee als Student nach Würzburg. Borgards spricht von einer „kurzen und frühen Würzburger Zeit“, denn nur drei Jahre lebte der Jesuit in der Kiliansstadt am Main. Seine großen Werke sollten erst später entstehen: die barocke Gedichtsammlung „Trutznachtigall“; das „Güldene Tugend-Buch“ als das erste Andachtsbuch für Frauen; und die „Cautio criminalis“ als Spees bekannteste Publikation. Tatsächlich handelt es sich dabei um die erste Streitschrift aus katholischen Reihen, die sich kritisch mit den damaligen Hexenprozessen auseinandersetzt. Ob Friedrich Spee auch Erfahrungen aus seiner Studentenzeit in Würzburg einfließen lässt, ist nicht belegt. Fakt aber ist, dass im Bistum unter Fürstbischof Julius Echter ab 1590 die ersten „Hexen“ verfolgt und verbrannt wurden – Ereignisse, mit denen der Student zwangsläufig konfrontiert worden sein dürfte.

 

Was aber weiß man nun tatsächlich über Friedrich Spees drei Würzburger Jahre? Als Spee die Kiliansstadt bereits wieder verlassen hatte, erschienen 1621 und 1622 insgesamt drei Büchlein aus seiner Feder – verlegt und gedruckt wurden sie in Würzburg. Und vor allem in der ersten Publikation „Bell’Vedére Oder Herbipolis Wurtzgaertlein…“ nimmt er explizit Bezug auf die Stadt am Main, wenn auch die religiösen Werke letztlich Spees allgemein-gültiger  Beitrag zum großen Kampf gegen die Reformation waren. Borgards bezeichnet Friedrich Spee in dem Zusammenhang als  einen „global player mit local colour“ – zu Deutsch: einen globalen Spieler mit lokaler Färbung. Deutlichen territorialen Bezug auf Würzburg nimmt Spee zum Beispiel im Gedicht „St. Kilian“, in dem der Heilige als Gärtner bezeichnet wird, der Unkraut vernichtet: „Er hat gemacht ganz Franken frey – Vom Vunkrat der Abgoetterey“ heißt es da unter anderem.

 

Spees Motivation war dabei die Seelsorge, und als pastorales Mittel wählte er die Literatur – obwohl er sich mit seinen Werken an „Kindern, Weiber und Bauern“ wendete, wie in einem Vorwort zu lesen ist - und damit letztlich an Illateraten. So erklärt sich auch, dass Spee die mehr als 100 Kirchenlieder allesamt anonym verfasste und zudem mit Noten versah, denn durch den Gesang sollte die seelsorgerische Komponente der Texte noch verstärkt werden, sagt Borgards. Ob der Jesuit dabei auf bekannte Melodien zurückgriff, sie neu komponieren ließ oder vielleicht sogar selbst verfasste, wird in der Forschung derzeit diskutiert.

 

Fest steht: Ein bis heute sehr bekanntes Kirchenlied aus der Speeschen Feder entstand tatsächlich während der Studienzeit in Würzburg – nämlich der Adventsgesang „O Heiland reiß die Himmel auf“. Daran darf künftig denken, wer in Würzburg vor Weihnachten das Gotteslob an entsprechender Stelle aufschlägt.

 

 

Der Artikel ist unter anderem im Main-Echo erschienen.