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Glockenklare Stimmschönheit
Konzertante Aufführung der Bellini-Oper „La Sonnambula“ im Mainfranken
Theater Würzburg mit der Starsopranistin Eva Mei in der  Rolle der schlafwandelnden Amina


Von Michaela Schneider

Würzburg Leise Orchestertöne klingen – singend, herrlich zurückhaltend. Darüber strahlt Eva Meis glockenklarer Sopran. Mal haucht sie nur Aminas verzweifelte Klage und doch so unerschütterliche Liebe in „Ah! Non credea mirarti“, dann wieder strahlt die Stimme der italienischen Koloratursopranistin. Doch nicht nur bei der wohl bekanntesten Arie aus Vincenzo Bellinis „La Sonnambula“ hält das Publikum beim Melodrama in zwei Akten im Mainfranken Theater Würzburg den Atem an. Der ganze Abend erweist sich als echter Höhepunkt in Würzburgs Klassikszene.


 Realisiert werden konnte die konzertante Aufführung der Oper mit Starbesetzung an zwei Abenden mit der finanziellen Unterstützung des Theater- und Orchesterfördervereins. Neben Eva Mei darf das Publikum den preisgekrönten Bass Vazgen Ghazaryan aus Armenien in der Rolle des Grafen Adolfo erleben sowie die italienische Sopranistin Anna Viola als die verschmähte Gastwirtin Lisa. Doch das Mainfranken Theater hat auch seine eigenen Perlen:   Vor allem Joshua Whitener als reicher Bauer Elvino kann überzeugend mithalten in der Riege der internationalen Star-Solisten. Die Ensemble-Mitglieder Sonja Koppelhuber als Müllerin Teresa, Daniel Fiolka als Bauer Alesso und Yong Bae Shin komplettieren den Sängerreigen. Herausragend an diesem Opernabend zudem die Leistung des Philharmonischen Orchesters Würzburg unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Enrico Calesso.


Umso trauriger ist, dass etliche Plätze im Zuschauerraum am Premierenabend leer bleiben - vielleicht, weil sich Würzburgs Opernpublikum die große Bühneninszenierung wünscht. Doch hat in der außergewöhnlichen Besetzung gerade die konzertante Aufführung ihren ganz besonderen Reiz. Statt aufs Gesamtkunstwerk werden der Blick, das Ohr voll auf die Musik gelenkt. Und trotzdem darf sich das Publikum in die Handlung hineindenken – nicht nur dank der eingeblendeten Übersetzung. Auch agieren, spielen die Solisten im kleinen Rahmen miteinander und setzen statt auf große auf die kleinen, aussagekräftigen Gesten und auf viele intensive Blicke. Umso feinsinniger, sensibler wird die Geschichte um das Waisenmädchen Amina transportiert, die den reichen Bauern Elvino liebt, jedoch durch ihr Schlafwandeln in den Verdacht der Untreue gerät.


Schön auch, dem Philharmonischen Orchester einmal bei einer so hochemotionalen Oper auf der Bühne statt im Orchestergraben zuschauen zu können. Generalmusikdirektor Calesso will einen „Würzburger Klang“ schaffen, sagt er selbst. Wie, konnte man an diesem Abend erleben. Man sieht: Es geht ihm um die Spielfreude, um die große Emotion. Und Calesso reißt seine Musiker schlichtweg mit. Er transportiert im Dirigat die Intensität der romantisch-leisen Töne ebenso wie das Spitzbübische eines luftig-leichten Pizzicatos aufs Orchester. Auch der Kontrast zwischen den unaufdringlichen, zurückhaltenden, wogenden Harmonien auf der einen, und der expressiven, mitreißenden Dynamik auf der anderen Seite begeistert.  


Star des Abends ist natürlich die Italienerin Eva Mei, die als herausragende Belcanto-Interpretin gilt. Ihre glockenklare Stimmschönheit, die Leichtigkeit in komplexen Koloraturen, ihr Anmut und ihre wunderbar sensible Ausdruckskraft lassen den Atem anhalten. Umso anspruchsvoller ist es für Ensemblemitglied Joshua Whitener im Duett mit dem Stargast aus Italien mitzuhalten. Doch Eva Mei geht wunderbar auf  ihn ein, gibt dem lyrischen Tenor die Möglichkeit, sich zu entfalten. Der Amerikaner nutzt die Chance und steigert sich gerade nach der Pause in Höchstleistungen. Belohnt werden diese mit mehr als verdienten Bravorufen nicht nur für die Gastsolisten, sondern vor allem auch für den Wahl-Würzburger, der seit der Spielzeit 2010/2011 festes Ensemblemitglied des Mainfranken Theaters ist.


Spaß macht es auch, die Italienerin Anna Viola als die verschmähte Verliebte zu erleben – wunderbar zickig und temperamentvoll. Die Lisa gehört zu ihren Paraderollen, 2012 sang Viola diese am Teatro La Fenice in Venedig. Schließlich noch ein Blick auf Vazgen Ghazaryan, der in Würzburg kein Unbekannter ist:  Der preisgekrönte Bass aus Armenien war am Mainfranken Theater bereits als Banco in der Verdi-Oper MacBeth zu hören. Erneut konnte er mit Ausdruck, sehr viel Gefühl und wunderbarer Stimmwärme überzeugen.


Nach gut zweieinhalb Stunden ist ein echter musikalischer Leckerbissen vorüber, das Publikum lohnt Orchester, Opernchor und Sänger mit anhaltendem Applaus, unzähligen Bravo-Rufen und stehenden Ovationen. Man würde sich in der Bischofsstadt mehr Klassik-Höhepunkte auf diesem Niveau wünschen. Möchte hoffen, dass Starsolisten dieser Klasse das nächste Mal im Mainfranken Theater vor voll besetztem Saal singen werden.

Der Artikel  wurde unter anderem im Main-Echo veröffentlicht.

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