Ich schreibe für Sie!
Guten Tag!. Journalismus. Schwerpunkte. Pressetexte. Fotografie. Schöne Literatur. Veröffentlichungen. Kontakt. Michaela Schneider - Freie Journalistin in Würzburg
Hier finden Sie eine Auswahl
an Verlagen und Agenturen,
für die ich schreibe:

Impressum

Meine AGB

Fränkischer Tag

Franken.Das Magazin für Land und Leute

Presse & Kommunikation Saremba GmbH

KulturGut

Museumsmagazin ZeitenRaum

Tanner Werbung GmbH

Ideeologen - Gesellschaft für neue Ideen

Main-Echo

Heragon Verlag

Augsburger Allgemeine

Fränkische Nachrichten

Journalismus

Pressetexte

Fotografie


Kurzgeschichten

                                          Chroniken


Auf Facebook posten
Auf Twitter posten
Auf Google Lesezeichen posten
Per E-Mail senden

Von Michaela Schneider


Nesselwang Bier schmeckt nach Ananas, Grapefruit oder Vanille. Manchmal auch nach einem ganzen Obstsalat und noch viel mehr, sagt Stephanie Meyer aus Nesselwang. Denn während Experten einem Wein immerhin bis zu 1200 Aromen zuschreiben, sind es beim Bier bis zu 1400.  Meyer weiß dabei, wovon sie redet. Sie ist nicht nur Braumeisterin, sondern auch die erste Biersommeliere des Allgäus. In ihrer Branche ist sie damit als Frau eine Exotin. Eigentlich erstaunlich, denn einst war die Bierherstellung reine Frauensache. Die  Frauen ließen beim Brot backen das letzte Teigstück fast verbrennen, weichten es in Wasser ein, warteten, bis es vergoren war und trennten dann mit Hilfe eines Siebs Teig von Flüssigkeit. Unter den Bierbrauerinnen fand sich auch Prominenz wieder – zum Beispiel Martin Luthers Ehefrau Katharina von Bora. Erst in der neueren Zeit wurde das Brauereihandwerk zur Männerdomäne, als es sich zum eigenen Industriezweig entwickelte.


„Inzwischen gibt es wieder viele Brauereien mit einer Frau an der Spitze, oft weil in den Familienbetrieben der männliche Nachwuchs ausgeblieben ist“, weiß Stephanie Meyer. Ob dies tatsächlich mit viel Biergenuss zu tun hat, sei dahin gestellt – ein Insiderwitz unter Brauern aber lautet, so Meyer: Biertrinker bekommen meist Töchter. Auch die 34-Jährige – übrigens inzwischen Mutter dreier Töchter - entstammt einer alten Brauereifamilie. In fünfter Generation arbeitet sie in der Post-Brauerei Nesselwang. Zwar fehlte es in ihrer Generation ausnahmsweise nicht am männlichen Nachwuchs, doch entschied sich der Bruder für ein Medizinstudium, statt wie eigentlich geplant, die Brauerei zu übernehmen.


Entsprechend umfangreich gestaltete sich Meyers Ausbildung: Sie absolvierte eine Lehre zur Hotelfachfrau und studierte Betriebswirtschaft, ehe die Entscheidung fiel, in den elterlichen Brauereibetrieb einzusteigen. 2008 schloss die taffe 34-Jährige ihre Ausbildung zur Braumeisterin, 2011 zur Biersommeliere ab. Etwa 800 Hektoliter Bier pro Jahr in acht Sorten werden in der Post-Brauerei heute noch für das familieneigene Hotel und Gasthaus abgefüllt. Zudem gibt es den Nesselwanger Gerstensaft seit kurzem auch im allgemeinen Handel zu kaufen. An Hotel und Brauerei gliedert sich ein kleines Brauereimuseum an. Ebenfalls im Eigenbetrieb der Meyers – hier bietet die 34-Jährige auf Anfrage Bierverkostungen an,  führt in die Geheimnisse des flüssigen Goldes ein und verrät, welche Geschmackskombinationen zum Bier passen. Der extrem intensive Weißlacker, ein Allgäuer Käse, habe beispielweise allein wenig Anhänger – mit Weizenbier aber sei er ein Traum. Zum dunklen Bier empfiehlt die 34-Jährige Vollmilchschokolade mit Nuss. Weitere Orientierungspunkte im Gaumendschungel: Zu Salat passe ein Pils, Fisch genieße man mit hellen Bieren, dunkles Fleisch mit dunklen Bieren. Zu süßen Nachspeisen passten malzbetonte Biere. Und wer sich unsicher ist: Weizenbier sei ein Alleskönner. Testen können Gäste diverse Geschmackskombinationen übrigens auch beim Nesselwanger Bierkulinarium in der Post-Brauerei. Dabei werden zum Fünf-Gang-Menü sieben korrespondierende Bier-Spezialitäten gereicht. Nächster Termin: 23. April 2015.


Meyer begrüßt, dass sich das Image des Bieres mittlerweile wandelt, spricht vom „Trend zum Genießerbier“. Bis dahin allerdings dauerte es. Viele große Brauereien hatten lange Zeit Marken, statt individuelle Biere mit ihren Eigenheiten verkauft, erinnert sich die Sommeliere.  Und: „Süddeutsche Bierbrauer versteckten sich hinter dem Reinheitsgebot, ohne zu sehen, dass auch innerhalb seines Rahmens eine sehr große Vielfalt möglich ist.“ Resultat: In Deutschland gab es letztlich lange Zeit nur die Standardsorten Pils, Weizen, Lager und Helles - ohne Ecken und Kanten, aber letztlich langweilig. Das ändere sich nun, allerdings schränkt Meyer ein: „Für Biertrinker ist es bei uns immer noch schwer in die große Vielfalt der Biere einzutauchen.“ Das zeigt sich häufig schon beim Restaurantbesuch: Ein Weinkarte wird gereicht, eine Bierkarte fehlt. In den Niederlanden indes böten Kneipen häufig 60 bis 80 verschiedene Biere an – und im Delirium Café in Brüssel stünden sage und schreibe 2500 Sorten flüssiges Gold auf der Karte. Die Post-Brauerei Nesselwang hat in den letzten Jahren die vier klassischen Biersorten übrigens bewusst um vier Kraftbiere ergänzt. „Hopfen Royal“ betitelt die Biersommeliere als „unser bestes Stück“ und beschreibt das Bockbier als „recht fruchtig“. Welche Obstsorten der Kenner ausmache, variiere von Jahr zu Jahr – schlichtweg, weil sich das Aroma mit der jeweiligen Hopfenernte verändert. Mal schmeckte das Bockbier eher zitronig, mehr nach Aprikose und Litschi, erzählt die Expertin.


Eine Obst- und Gemüsetheke an Aromen


Meyer selbst war erstmals mit dem Sommeliershandwerk in Spanien in Berührung gekommen, damals verkostete ihre Fachklasse allerdings vor allem Wein und Öle, kein Bier. Trotzdem war die Neugier der angehenden Braumeisterin für die Wissenschaft der Sinne und des Geschmacks geweckt. „Man muss sich auf ein Bier einlassen“, sagt sie. Das heißt: Langsam trinken, trainieren, unterschiedliche Geschmacksrichtungen testen. Und auch im täglichen Leben die Sinne ganz bewusst einsetzen, zum Beispiel, indem man im Supermarkt einfach mal an verschiedenen Tomatensorten schnuppert. „Die Schwierigkeit beim Bier ist: Der Reinton ist nicht gegeben“, sagt Meyer, erklärt: Während der Winzer mit der Traube eine einzige Zutat verarbeitet, greift der Brauereimeister zurück auf Malz, Hopfen, Wasser und Hefe als Geschmacksträger. „Bei einer Bierverkostung heißt es dann: Alle Sinne zusammenzutrommeln“, so die Expertin. Als erstes das Gehör, denn beim Flaschenöffnen, sollte es laut und kräftig zischen. Gleich nach dem Einschenken geht es ans Riechen, und dabei erwartet den Genießer laut der Sommeliere eine ganze Obst- und Gemüsetheke an Aromen. Der Experte achtet zudem auf einen sortentypischen Geruch – ein Pils etwa sollte nach Hopfen, ein Bock eher nach Malz und Röstaromen duften. Dann folgt der Blick ins Bierglas – und der fällt neben der Farbe vor allem auf den Schaum. Hält er sich lang und ist möglichst feinporig, spreche dies fürs Bier.


„Das wesentlichstes Kriterium für den Brauereimeister bleibt natürlich der Geschmack“, leitet Meyer zum ersten Schluck über. Der werde erst einmal im Mund hin- und hergespült. Der zweite Schluck gleitet dann langsam über die Zunge, um die Geschmacksqualitäten süß, salzig, sauer, bitter und umami zu überprüfen, denn die jeweiligen Rezeptorzellen liegen über die Zunge verteilt. Nach dem Schlucken wartet Meyer etwa zehn Sekunden, ehe sie den Geschmack des Bieres beschreibt, um zwischen Antrunk und Nachtrunk zu unterscheiden: „Antrunk bedeutet: Wie baut sich das Aroma auf; der Nachtrunk verrät, vor allem auch, wie bitter das Bier nachwirkt.“ Sie selbst brauche meist zwei oder drei weitere Schluck für eine Einschätzung, weil Bier so extrem aromenreich sei, fügt die 34-Jährige an.


Das ist es letztlich auch, was Stephanie Meyer am flüssigen Gold derart fasziniert: „Aus nur vier Rohstoffen kann man so wahnsinnig viel machen.“ Was alles möglich ist, testet sie übrigens als Braumeisterin auch selbst: Mit ihrem Team der Post-Brauerei produziert sie nicht nur die vier hauseigenen Sorten, sondern experimentiert immer wieder auch auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen.



Orientierung im Gaumendschungel

Stephanie Meyer aus Nesselwang war die erste Allgäuer Biersommeliere und Braumeisterin – Sie
verrät, wie man ein gutes Bier erkennt und der Gerstensaftgenuss zum echten Erlebnis wird



Forschungsverbund setzt sich mit den Ursachen und Folgen für Mensch und Natur auseinander

          

Der erste Schluck wird beim Biertest im Mund hin- und hergespült, der zweite gleitet langsam über die Zunge, um alle Rezeptoren zu erreichen.                                                                                                                                              Sämtliche Fotos: Michaela Schneider


Große Augen, große Ohren: Das australische Possum hat sich im Zuge der Evolution auf Dunkelheit eingestellt.      

 Foto: Michaela Schneider

Malz, Hopfen, Wasser und Hefe geben Bier den Geschmack.

Blick in die moderne Post-Brauerei in Nesselwang.

Wie Bierbrauen früher ablief, zeigt das kleine Brauerei-Museum der Post-Brauerei Nesselwang.

Die Qualität des Hopfens beurteilt Braumeisterin Stephanie Meyer unter anderem am Geruch.