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Gezeichnet von der Patina des Brandes
Die Ausstellung „Der Berliner Skulpturenfund“ erzählt im Museum im
Kulturspeicher in Würzburg von „entarteter“ Kunst im Bombenschutt

Von Michaela Schneider

Würzburg Sie wirken zum Teil wie uralte, archäologische Objekte. Gezeichnet von der Patina des Brandes umhüllt die 16 Skulpturen eine ganz eigene, würdevolle Aura. Sie sprechen für sich – und doch ist es gerade hier wichtig, das tragische, gemeinsame Schicksal der Kunstwerke auch in Worten greifbar zu machen. Die Rede ist vom so genannten Berliner Skulpturenfund, der bis zum 20. Mai im Museum im Kulturspeicher in Würzburg zu sehen ist. Hintergrund: Bei archäologischen Grabungen in Berlin stieß man 2010 im Schutt plötzlich auf Skulpturen der Klassischen Moderne.


Untersuchungen ergaben: Es handelte sich dabei um Kunstwerke, die die Nationalsozialisten 1937 als „entartet“ eingestuft und beschlagnahmt hatten – und die nach dem Zweiten Weltkrieg als verschollen galten. Tatsächlich hatten die Nationalsozialisten die Werke aber in einem Raum in der Königsstraße 50 in Berlin eingelagert – ein Brief aus dem Jahr 1942 belegt, dass dort 50 Räume offiziell als Depot des Reichspropagandaministeriums genutzt wurden. Als das Gebäude zerbombt wurde und einstürzte, wurden die Skulpturen unter Schutt und Asche begraben – und ruhten dort 75 Jahre lang.


Neben dem Berliner Skulpturenfund ist im Museum zudem schon seit Ende Februar die viel beachtete Ausstellung „Tradition und Propaganda“ zu sehen, die sich kritisch mit Kunst aus der Zeit des Nationalsozialismus in der Städtischen Sammlung auseinandersetzt (wir berichteten). Die von den Nationalsozialisten als „entartet“ degradierten Werke, die zuvor bereits in Berlin und München zu sehen waren, bilden hierzu nun einen hervorragenden Gegenpol. Zumal der Berliner Sensationsfund durchaus in Beziehung zu Würzburg steht - tatsächlich verhalf 2010 ein Kunstwerk im Museum im Kulturspeicher, die Werke überhaupt als verschollene „entartete“ Kunst einzuordnen. Der Grund: Unter den Funden befand sich auch das Fragment einer Terrakottafigur der Würzburger Bildhauerin Emy Roeder – und das Pendant in Nussbaumholz befindet sich im Kulturspeicher.


Ganz bewusst ist der Skulpturenfund deshalb  nun auch in jenem Ausstellungsraum zu sehen, der sonst Emy Roeder gewidmet ist, sagt Dr. Henrike Holsing, stellvertretende Leiterin des Museums.  Hier können die Besucher das Rödersche Terrakotta-Fragment direkt mit der „Schwangeren“ aus Nussbaum vergleichen. Ansonsten sind nur einige wenige Objekte aus dem Roederschen Nachlass zu sehen. „Ein Anliegen war es, den Figuren des Skulpturenfunds ihre Würde zu geben und ihnen Raum zu lassen“, sagt Holsing. Statt ablenkenden Bildern an den Wänden „sprechen“ Künstler jener Zeit in gedruckten Zitaten über den Terror des Nationalsozialismus.


Der jüdische Bildhauer Otto Freundlich zum Beispiel.  „Je ungeistiger, je brutaler die Gewalt, desto Geistigeres, Feineres muss man tun. Das ist stark sein“ ist an der Wand hinter seinem schwarz glasierten Terrakottawerk „Kopf“ von 1925 zu lesen.  Freundlichs Schicksal ist dabei besonders tragisch: 1937 muss er erleben, wie sein Werk Opfer der nationalsozialistischen Aktion „entartete Kunst“ wird. Die Ausstellung „entartete Kunst“ in München führt ihn als „Anarchobolschewisten“ vor, seine Skulptur „Der neue Mensch“ wird aufs Titelblatt der Broschüre zur Ausstellung gedruckt. Sein „Kopf“ aus Terrakotta taucht zudem 1941 als Requisite in dem Propagandafilm „Venus vor Gericht“ auf. 1943 wird Freundlich verhaftet, nach Polen deportiert und im Konzentrationslager ermordet.


Insgesamt umfasst der Berliner Skulpturenfund 16 Figuren. Alle Objekte stammen aus der Vorkriegszeit – wohl aus den Jahren zwischen 1913 und 1933, 20 Jahre Bildhauergeschichte spiegeln sich wieder. Künstler wie Otto Freundlich oder Edwin Scharff waren längst bekannt, während andere Bildhauer eher regional wirkten. Unter den Objekten findet sich Abstraktes wie die „Figur“ von Richard Haizmann. Marg Molls „Tänzerin“ indes ist dem Kubismus zuzuordnen, Emy Roeders Werk dem Expressionismus oder Gustav Heinrich Wolffs „Stehende Gewandfigur“ dem Naturalismus.  die Kunsthistorikerin Ursel Berger schreibt deshalb im Ausstellungskatalog trefflich vom „Kurator Zufall“.


 Fotos: Michaela Schneider




Infokasten: Über die Ausstellung

Die Ausstellung „Der Berliner Skulpturenfund“ ist noch bis zum 20. Mai im Museum im Kulturspeicher Würzburg zu sehen. Geöffnet ist dienstags von 13 bis 18 Uhr, mittwochs von 11 bis 18 Uhr, donnerstags von 11 bis 19 Uhr und Freitag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr.  www.kulturspeicher.de